lyrische Weinprobe

Eine lyrische Weinprobe. Dazu ein Sauvignon Blanc. 2014. Il Bianco von Serafini & Vidotto aus Italien/Venezien. Sehr schöne Nase, Herz, Geschmack, Abgang. Feiner Wein! 19 von 20 Dagi-Punkten.

Zu dem wunderschönen Gedicht musste ich ein Bild aus meiner Mottenkiste ziehen:

was es ist

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Wermutstropfen

Ist es nicht dekadent?

mas-sinenHier sitze ich, hatte einen langen Arbeitstag und verdiente mir so einen richtig guten Tropfen aus dem Weinkeller. Mas Sinen aus dem Priorat, ein 2006er, voller Genuss, voller Kraft, voller Sonne. Locker ein 19-Punkter. Sonne, die mich bald durch einen Inselurlaub begleiten soll. Aufrechterhaltend packe ich ein Wenig vor mich hin. Kann einfach wohin fahren. So bin ich hier, mit meinem Tropfen, geniese und denke über die Unsinnigkeit der Welt nach.

Erst ruft Frau Merkel zur Gedenkminute ein für all die Opfer, die durch die Waffen der ISIS starben, um dann zu verkünden, dass man Waffen liefern soll und muss. Krank oder? Eine „Gedenkminute“ für die Opfer, die damit zu Opfern führen. Dann Präsi Cafe Latte, Inhaber eines Friedensnobelpreises. Das „Netzwerk des Todes“ muss man vernichten. Dann die erste Waffenlieferung nach da unten, weit weg (?), um echt richtig Kohle zu machen (Deutschland, drittgrösster Todes-, äh, Waffenlieferant der Welt),… äh, um das Netzwerk des Todes zu zerschlagen. Und dann noch in den Tagesthemen „gestern die Achse des Bösen, heute Partner“. Da wären wir wieder, beim Moralaustausch, wie er gerade ins Bild passt.

Es ist alles so krank. Ich trinke meinen guten Rotwein. Höre verdammt laute Musik, tanze mich frei und versuche zu überleben. In einer privilegierten Ecke der Welt, die meint eine andere verstehen zu wollen, mal links, mal rechts einmischen. Das Einmischen in Afghanistan hat nicht funktioniert, im Irak nicht, Ruanda nicht, die Kurden schonmal nicht, Israel nicht. Und so produzieren wir fleissig weiter diese todbringenden Stahlteile und wundern uns über wieder 700000 Leute, die bei uns überleben wollen. Henne oder Ei.

 

Slow Food und Johann Hugo – 2012 – Riesling – Franken

Es war einmal …
ein verdammt netter Abend auf der Messe Slow Food in Stuttgart. Ich habe meine ehrenamtliche Helfertätigkeit ausgeführt. Habe fleissig gelächelt, mit der Kundschaft der Vinothek gescherzt und gebrauchte Gläser eingesammelt. Ich habe Weinflaschen ausgetauscht und jede Arbeit gesehen und erledigt. Dann kam der Feierabend und wir (Weinberater und ich Helferlein) probten uns durch die Weissweine. Ich las mich ein und versuchte ein paar interessante Tröpfchen. Wir redeten über Gott, die Welt und Wein. Also über ein göttliches weltweitverfügbares Getränk 🙂
Der Johann Hugo. Ich probierte, er war sympathisch. Ich ging gleich fremd und probierte jenen und andere. Dann wieder Johann, dagegen ein Badener, ein Württemberger, ein solcher, ein jener. Johann. Keiner kam an ihn ran. Die Stunden verflogen, die Füsse, die seit 7 Stunden ungeruht an den Beinen hingen wurden schwer. Johann musste sich behaupten, bis ich ein Bestellformular ausfüllte.
Der Johann kam in einem grossen Karton und wohnt nun im Keller und im Kühlschrank. Kalt geöffnet, goldgelb plätschert er ins Glas. Frische, Aromen machen sich fett im Mund breit, mit dem Temperaturanstieg wird er weicher, die Textur wird dick. Kohlensäure Fehlanzeige, Frische ja, Säure nein. Die Nase ist deutlich Weisswein, der Mund geht in sanften Rotwein über. Ja, er könnte ein bisschen mehr Frische haben.
Johann Hugo mit Spargel-SpätzleDann aber meine neue Zufallsgeneration dazu. Die Küche hat sich auf Spargel eingestellt … aber nichts dazu zu bieten. Ich schaue in die Schränke. Schwäbische Eierspätzle. Gut, Kochwasser angesetzt. Spargel gestückelt und die letzten 8 Spätzle-Minuten mit gekocht. Un Nu?
Schrank wieder durchforstet. Italienisches Walnusspesto mit 24% Walnüssen. Gesehen, getan.
Nach Abgiessen des Wassers ordentlich Pesto dazu und kurz angewärmt.
Hey, mit Johann ein Gedicht! So einfach und die Texturen von Gericht und Wein passen optimal aufeinander. Ergänzend!

Da die Frische fehlt und die cremige Fülle fast zu viel ist, bekommt Johann nur 18,5 von 20 DagiPunkten und doch bin ich froh um jede weitere Flasche, die meinen Keller beehrt.
Nun bewirte ich ihn im zweiten Versuch mit einem kräftigen Hartkäse, Comté. Wie passend ist das denn! Ein weiterer freudiger friedlicher Abend mit Johann.

Johann Hugo, Riesling, Spätlese trocken, spontanvergoren, aus der Steillage, handverlesen und selektiv, Slow Food, Weingut Brennfleck/Franken,13 Vol.proz. und ja, die merkt man auch.

Les Crestes – Syrah – 2008 – Priorat vs. Akif Pirincci

Nein, doppelt nicht.
Lese ich gerade im stern über den Autor Akif Pirincci. Deutsch-türkisch, egal, tut nichts zur Sache. Schrieb gerade einen Bestseller im vulgärdeutsch der Gosse, gegen alles und jeden, bissig.

Les Crestes, eigenes Dagibild

Les Crestes, eigenes Dagibild

Egal, grundsätzlich, aber ich trinke gerade einen Les Crestes aus dem Priorat. 60% Syrah, 20 Garnacha, 20 Carinena. Eine Kirschexplosion in meinem Mund. Die Nase voller Beere mit ein bisschen Toastbrot, noch ein Tick zu viel Alkohol im Geruch. Der 2008er hätte also noch liegen können. Im Mund lang und fruchtig. Voller Sonne und doch trocken.
Und dann Akif Pirincci: „als Wutbeschleuniger vertraut er auf Rotwein“. Bäh, Antipathie macht sich in mir, mit meinem Les Crestes in mir, breit. Wutbeschleuniger. Was trinkt der Mann für Brühen? Wenn ich einen Rotwein im Mund hätte, der Wut in mir entfacht, wäre er schneller den Spültisch runter, als man Wutbeschleuniger eintippen kann.
Weiter geht es mit „wenn er zwei Flaschen Rotwein drin hat, sympathisiere er mit dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“.
Bäh, der Typ geht gar nicht und die Leute kaufen das Buch wie Semmeln. Bedenklich.
Ich fühle mich gemobbt. Fühle mich als Rotweintrinkerin gemobbt, von vulgären Typen in Gossensprache. Fühle mich gemobbt als Autorin mancher kleiner Artikelchen, die kaum einer liest, was auch unwichtig ist, von einem Typen, der Rotwein als Gossensprachenbeschleungiger verwendet und damit fett Geld verdient. Bäh.

Der Les Crestes vom Weingut Celler Mas Doix, sage ich, bringt mich zurück auf den Boden, lässt mich Geschmack fühlen und Sonne spüren und die Schönheit einer Traube sehen, wie sie im Tau eines Morgens an der Rebe hängt und darauf wartet ein schöner Wein zu werden.

Der arme Mann. Ich verbleibe für heute in Mitleid (und 2 zwinkernden Augen), dass er „in Fäkalsprache über Frauen, Muslime und Schwule“ schreiben muss, um sich seine Wutbeschleunigerplörre kaufen zu können und keinen Sinn für Gutes hat. Pffffz.

was wieder bewiesen ist: ohne Wein ist das Leben lustlos und blass

Aaaah, was soll ich sagen… ja, es geht immer noch besser. Frau darf aber auch sagen: 20 von 20 Punkten sind eben 20 von 20 Punkten.

Wein!Zum den harten Tag zum Abend zur Nacht werden lassen, einen herrlichen Weisswein Dame Jeanne 2009 von der Bergerie du Capucin beim Pic Saint-Loup. Weich wie Sahne, kräftige Frucht, an warmes Badewasser auf der Haut wohlfühlend erinnernd. So vor 3 Jahren kam ich ganz zufällig an diesem kleinen feinen Weingut vorbei und probte mich durch und lagerte ein, ein bisschen weiss und rot. Danke an Monsieur Guilhem Viau an die köstlichen Proben damals.

Zum lustvoll ins Käsebrot beissen und ein wertvolles Gespräch führen einen Rotwein. Der Cuveé La Carissa 2007 aus dem Roussillon von Monsieur Razungles. Ich habe schon einmal über ihn geschrieben, 2012. Damals ein Gedicht, heute ein Gedicht mit dickem I-Pünktchen und frisch nachgekauft. Butterweich kräftig und gaumenumschmeichelnd, hineinschmatzend läuft er in die Kehle, singt dabei ein Lied und gluckst lachend in den Magen.

der gemeine Schwabe, internationalisiert oder Mencia – 2007 – Bierzo

Der gemeine Schwabe liebt seine Brezel. In jeder Form.
Heute gab es bei mir Nudeln in Brezelform, mit echt italienischem Pesto vermengt, Käse drunterdrüber, Tomatenwürfel vom Balkon und rinn in den Backofen. Lecker das.
Dazu und danach einen lecker Wein aus Spanien. Terras Cúa mit der Jakobsmuschel vom Weg nach Santiago de Compostela. Die Mencia-Traube, ganz eigen aus dem Gebiet Bierzo. Hmmmmm, que sabor, que camela a mi nariz, que notas de fruta, que pomada por mi garganta, que color de mil uvas maduras que construyen esta bebida.
Für schwabenmässige 10 Euro zu haben und 19 von 20 Dagi-Punkten wert.
Mencia 2007

Esculle – Tempranillo – 2004 – Rioja – Weingeflüstervideo

hmmmm. Einfach vollendet rund, wohlig, weich, geschmacksintensiv, personalisiert, lang, tiefrot, voll, Kirsche, Fass, Kräuter, Meer, Berge, Weite.
Esculle de Solabal
100% Tempranillo
von J.Gury & C.Froc
29 Euro

10 von 10 Dagipunkten

Und hierzu dieser Song.
Liiiiike it.
Holy shit, it’s a long time before the next day and I’m drunken, ready to go to bed without brushing my tooth, becauce can’t do it. ….. 14,5%Vol.
:-))))