Tipps!?! und kleine Beobachtungen in Südafrika

tiereTiere
Hautnah und doch nicht im Zoo sind just stunning. 10 Meter entfernt liegt ein Gepard und schaut gemütlich den Springböcken zu. Entfernt die Rhino-Mama mit ihrem 14 Tage alten spielenden Nachwuchs. Ein Elefant verwüstet gerade einen Baum und 3 Giraffen schreiten vorbei. Unglaublich.
EssenEssen
In Oudtshoorn im Jemima. Tolle abwechslungsreiche Küche vom auf den Punkt gebratenen Strauß, über das Nationalgericht Boboetie bis zum vegetarischen Gericht, was weltweit seines gleichen sucht. Erstklassiger Service zu ganz normalen Preisen.
Buch.jpgReisebuch
Ein Land im Umbruch von Edith Werner
Informativ und so geschrieben, dass man immer weiterlesen möchte.
Einkaufen in Barrydale

Hardys memories of Africa an der Route 62.
Sehr schöne und außergewöhnliche Stücke, Aloe Vera-Produkte, Angora-Decken und vieles mehr. Hardy ist Deutscher, seine Frau Asiatin, die sehr freundlichen Mitarbeiter Schwarze. Unaufdringlich, freundlich, Kunst und wertige Souvenirs.

Arniston

Seele baumeln lassen
in Arniston. Das 200 Jahre alte Fischerdorfviertel und die Küste sind ein Traum fern ab vom Trubel. Das 4*-Hotel ist erste Sahne. Die Ferienhäuschen traumhaft.
KirstenboschMusik
Sonntags im atemberaubenden botanischen Garten Kirstenbosch, in dem die Leute zum Picknick sitzen, mit einem Weisswein im Kühler. Ich durfte durchschlendern und „Freshly Ground“ hören (nicht sehen, da ich nur die Garteneintrittskarte hatte), angesagt, aus Kapstadt und international gefragt.
KapstadtCornelia, Tourguide
Eine Xhosa aus dem armen Township Langa, die ein so wundervolles englisch hat, dass man sich darin verlieren möchte. Mit Leidenschaft fährt sie den kleinen Touribus rund ums Kap der guten Hoffnung und singt uns sogar zwei Lieder in ihrer Sprache, zwischen den Erläuterungen. Sie macht Hoffnung, dass es mehr werden, die in den wenigen Jahren seid dem Ende der Apartheid (1994) das Recht auf Bildung haben und Zugang zu einer Zukunft, die es erlaubt Geld zu verdienen und herauszukommen, mind. in eine Mittelschicht.
EndeZurück in Kapstadt
Ich wohne zentrumsnah und es fühlt sich an wie in einem Szeneviertel. Freitagabend, die Lokale sind voll. Ich ergattere einen Platz an der Bar, esse gut, trinke gut. Ich höre den Stimmen zu und mir wird bewusst, wie freundlich und höflich das Personal miteinander umgeht. Immer ist untereinander ein Bitte und Danke zu hören. Bob, a bottle sparkling, please. Ann, thank you. Are yoy enjoying your meal, dear?
Auch die Polizistin, die den Wagen zur Verkehrskontrolle anhält, fragt erst mal wie es geht und man antwortet fine, and yourself?
Freundlichkeit ist Standard.
Und wenn das Danke noch mit cool, thank you ergänzt wird, dann hat man alles richtig gemacht. Cool ist eigentlich cooler als thank you.
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Filmtipp: Sozialkritik vom Feinsten

Heute möchte ich 2 ausgezeichnete Filme vorstellen. Derzeit aktuell im Kino. Must see!

 

Qissa – Der Geist ist ein einsamer Wanderer (Indien/Deutschland 2014)

Bild aus dem Web

Bild aus dem Web

„Religiöse und ethnische Konflikte führen im Jahr 1947 zum Auseinanderbrechen von Britisch-Indien und zur Gründung der beiden unabhängigen Staaten Indien und Pakistan. Wie viele seiner Zeitgenossen ist der Sikh Umber Singh dazu gezwungen, seine Heimat zu verlassen und sich in der Fremde eine neue Existenz aufzubauen. Um seine eigene Identität dort zu kräftigen, braucht Singh einen Sohn, bisher hat seine Frau lauter Mädchen geboren. Also beschließt der autoritäre Patriarch, seine vierte Tochter „junger Prinz“ zu nennen und sie als Mann zu erziehen …“

Mein Kommentar: Puh, das ist harter Tobak. Der Film geht ganz schwer auf das Gemüt. Da wird man traurig und der Klos im Hals wird immer größer. Herzzerreißend. Aber unheimlich sehenswert, wie Klischees, Religion, konservatives Denken den Menschen – den (indischen) Mann – treibt. Sicher ist auch manches auf das heutige Indien und der Umgang von Mann und Frau und mit der Religion übertragbar. Zum Nachdenken. Unbedingt anschauen.

Monsieur Claude und seine Töchter (Frankreich 2014)

Bild aus dem Web

Bild aus dem Web

„Monsieur Claude und seine Frau Marie sind ein zufriedenes Ehepaar in der französischen Provinz und haben vier ziemlich schöne Töchter. Am glücklichsten sind sie, wenn die Familientraditionen genau so bleiben wie sie sind. Erst als sich drei ihrer Töchter mit einem Muslim, einem Juden und einem Chinesen verheiraten, geraten sie unter Anpassungsdruck. In die französische Lebensart weht der raue Wind der Globalisierung und jedes gemütliche Familienfest gerät zum interkulturellen Minenfeld. Musik in den Elternohren ist da die Ankündigung der jüngsten Tochter, einen – Halleluja! – französischen Katholiken zu heiraten. Doch als sie ihrem vierten Schwiegersohn, dem schwarzen Charles, gegenüberstehen, reißt Claude und Marie der Geduldsfaden…“

Mein Kommentar: Herrlicher französischer Humor, wundervoll wie Rassismus eingespielt wird. Herrlich wie der Jude über den Chinesen, der Araber über den Juden, der Chinese über den Schwarzen, der schwarze Papa über den Franzosen und wieder zurück im Kreis jeder über jeden herzieht und jedes Klischee auf den Tisch kommt. Und letztendlich ist die Moral von der Geschichte: Jeder kann mit jedem! Wundervolle Kritik an länder- und religionsübergreifenden Vorurteilen! Zum Schlapplachen und Nachdenken! Sozialkritik mit Humor gewürzt. Sehenswert.

 

 

 

Geldspielchen, damals und heute

Der deutsche Doku-Film Der schwarze Freitag – New Yorker Börsenkrach 1929 aus dem Jahre 1966 mit Curd Jürgens in der Hauptrolle ist schauspielerisch katastrophal

aber

der Inhalt ist so präsent wie eh und je – 1929 – 1966 – 2014, wenn nicht gar noch präsenter wie je. Spekulation mit nicht vorhandenen Geldern, Börsenkrach, Verschuldung auf Papiergeld, Verleihung von Geld, das es nicht gibt, Bankenspielchen, Vetternwirtschaft, gemachter Fall und Anstieg von Aktien. Wie einst, noch heute. Fragen und Antworten, die auch ein NichtFinanzExperte danach besser verstehen kann. Passagen dreimal anhören lohnt sich.

Danke, Peter, für den Link!

Hoeneß hinter Gitter? Es berührt mich nicht. Dies ändert gar nichts, nun kostet er uns Steuerzahler auch noch Geld und lebt und isst erst recht auf meine/unsere Kosten. Ich sage freiweg: lasst ihn raus (falls das Urteil rechtskräftig wird), lasst ihn sein Leben mit seinem Geld bestreiten und lasst ihn Strafen bezahlen, dass ihm der Rest seines Lebens jedes Würstchen im Hals stecken bleibt. Einsperren als Abschreckung? Daran glaube ich nicht.

3 Jahre nach dem GAU: Meine Tante aus Fukushima

Um was geht es: „Es war der Super-GAU schlechthin. Am 11. März 2011 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 9 große Teile Japans. Der anschließende Tsunami führte im Atomkraftwerk Fukushima zu einer Kernschmelze. Große Mengen radioaktiver Stoffe traten ans Freie und verseuchten weite Landstriche. Tausende Menschen der nahegelegenen Stadt Namie mussten zwangsevakuiert werden. Unter ihnen auch die Geschäftsfrau Kuniko, die zu dieser Zeit in Namie einen Hochzeitssalon, ein Bestattungsunternehmen und eine Bäckerei unterhielt.

Bild aus dem Internet

Bild aus dem Internet

Die in London lebende Filmemacherin und Nichte Kyoko Miyake von Tante Kuniko führt uns durch die Geschichte, drehte diese 78-minütige Reportage mit einfachen Mitteln und kleinem Team, recherchierte, sprach mit den Menschen vor Ort. Sehenswert, nachdenkenswert, auch für AKW-Befürworter: anschauen und nachdenken. Sauberer Strom ja, keine Frage, aber seht diese Berge von dekontaminierter Erde, die sich in Säcken stapelt bis ans Ende der Welt. Seht die Endlagerungen, die nicht als Endlager funktionieren. Seht die Traurigkeit in den Augen derer, die keine Heimat und keine Arbeit mehr haben und die in winzigen Barracken wohnen, statt in ihren schönen Häusern. Seht die, die selbst die Fotoalben ihrer Familien zurücklassen müssen. Hört ihre Gedanken und ihre Lieder.

Und heute in den Nachrichten zum morgigen Jahrestag: Jodtabletten für’s deutsche Volk und dazu Evakuierungspläne. Hmmm, vielleicht ein paar Schaufenster weniger beleuchten? Ob mein bisschen Rechner-An den Kohl fett macht? Ja, er trägt auch dazu bei… dafür leuchtet nur eine Energiesparfunzel dazu und die Heizung ist aus. Und so hat jeder für sich eine Wohlstandsausrede.

Ich hänge hier den Link zur ARD-Mediathek, weiß aber natürlich nicht, wie lange das funktioniert.

Film: „Secret State“ – Reality Show??

Politische Miniserie Secret State von 2012: Machtintrigen, Finanzwelt, Umweltsünden für Arbeitsplätze, Kriegstreiberei aus Wirtschaftsinteressen, Ablenkungsmanöver –> Gut gemachte Story und durchweg klasse Besetzung. Leider zu kurz.

Secret State, Bild aus Internet

Secret State, Bild aus Internet

Die Kritiken zur englischen Miniserie sind unterschiedlich. Ich habe sie an einem Abend weggeschlungen. Natürlich ist alles ein bisschen übertrieben dargestellt (ist es das WIRKLICH?), aber wenn es zu subtil versteckt wird, merkt es ja keiner und denkt nicht darüber nach und die Serie verkommt zur Abendbeplätscherung, Einreihung zwischen Bauer sucht Frau und amerikanischen Krimiserien ohne Tiefgang. Es muss nicht superreal sein, es ist ja schließlich ein Film, nicht wahr? Ich finde die Story anregend. Die Serie zeigt uns schön, wie die Oberen da oben auf Kosten der Unteren da unten ihre Finanz- und Machtspielchen ausleben, um jeden Preis.

Demokratie ist, wenn ein paar machthungrige Typen im Unterhaus (hier, weil es eine englische Serie ist) entscheiden, was das Volk offensichtlich nicht will. Ja, so sieht es doch stellvertretend in (fast?) jedem Land aus. Klasse gemachter Augenöffner. Reality Show.

–> zum Beispiel noch bei Arte in der Mediathek anschaubar oder DVD besorgen

Kino Tipp: Mandela: Der lange Weg zur Freiheit

Gänsehaut, Mitgefühl, Tränen, Schmerz, Wut, Stolz, Empathie. Das ist das, was mich 152 Minuten lang bewegte.

Mandela 1990, Bild aus Internet

Mandela 1990, Bild aus Internet

1990, das Bild von Nelson Mandela’s Freilassung ist tatsächlich in meinem Kopf eingebrannt. Ich weiß nicht, ob ich es damals im Fernsehen sah oder in der Zeitung. Aber es brannte sich ein. Als ich es heute perfekt nachgestellt im Kino sah, war es sofort wieder da. Und all die Gefühle. Auch ich gehörte damals wie heute zu seinen Fans. Ein ganz grosser Mann der Weltgeschichte. Der Kinofilm ist ERSTKLASSIG! 152 Minuten, die mir gerne in doppelter Länge noch viel mehr erzählt hätten.

schwarzweissabgrundtiefschrecklich: Buch „Weit Gegangen“

Kann man es besser ausdrücken. Weissbrote meinen ja immer, wir sind richtig und die anderen sind bunt – ergo komisch, manche meinen sogar falsch.
Hier habe ich eine Beschreibung eines kleinen schwarzen Jungen im Sudan, der das erste Mal einen weißen Mann sieht. Man darf sich das vor Augen führen und erkennen, wie andere Völker, Rassen, Hautfarben auf andere wirken können. Nichts ist normal und deswegen ist auch nichts richtig (oder falsch). Nur dieser kleine Abschnitt ruft zu einer Toleranz auf, zu einem Verständnis auf, die so knapp beschrieben ihresgleichen sucht.

Aus dem Buch „Weit Gegangen“ von Dave Eggers:
Ich sah etwas, das aussah, wie ein von innen nach außen gedrehter Mann. Als sei er nicht vorhanden. Als sei er ausgelöscht worden. Eine Perversion oder Zerstörung eines natürlichen Zustandes.(…) Er arbeitet für die Regierung, aber heimlich. Deshalb verbirgt er sich in der weißen Haut. Er ist von innen nach außen gestülpt, und er ist in den Sudan gekommen, um herauszufinden, wie er wieder richtig rum werden kann.(…) Der Mann produzierte mehr Schweiß, als ich je bei einem Menschen gesehen hatte. (…) Ich ertappte mich dabei, dass der weiße Mann mir leidtat.

Ich kämpfte ein Wenig mit diesem Buch. Doch auf Seite 405 (siehe Zitat oben) von 765 Seiten, weiß ich, dass es mich lehrt.
Es geht um den Sudan, den Bürgerkrieg, die weltlichen Interessen, die Flucht des jungen Valentino bis in die USA. Die Grausamkeit ist mörderisch. Sie tut weh. Ich weiß nicht, warum ich am Feierabend so viel über menschliche Abgründe und Schmerz lesen will/kann. Aber es fesselt. Ich will besser verstehen, warum es Kriege gibt, was Land-, Öl-, Tier- und Menschenbesitz interessant macht und die Rasse Mensch zum bösen Tier macht. Will wissen warum Hunderte in ein kleines Boot steigen um zB nach Italien zu schippern. Will die Verzweiflung verstehen, hier in unserem behüteten Leben. Was Valentino in den USA erlebt, ist anders, nicht unbedingt besser als die hungernde tödliche Flucht durch den Sudan und das Leben im Auffanglager in Äthiopien. Die Gemeinschaft, die Freundschaft, der Familiensinn ist immer präsent, doch werden sie leider durch Armut, Hunger, Tod manchmal unwirklich und doch so wichtig für das Überleben. Keine Buchseite erholt mich, jede Seite hat grauenhafte menschliche Seiten auf den Seiten. Lesenswert, heftig, lernend, verstehend.