3 Wochen Frankreich, Spanien, Portugal, Spanien

Es ist immer wieder interessant für mich, wie die Leidenschaft des Motorradfahrens nicht nachlässt, nach all den Jahren. Nun also tauchen wir zu zweit ein in den großen Sommerurlaub. 22 Tage liegen vor mir. Am Ende waren es 19 Fahrtage und keiner zu viel.

Durch Frankreich geht es mit einer (von zwei) Übernachtungen in Chalon-sur-Saone. Ein netter Ort mit einer Unterkunft bei einem ganz netten Ehepaar (airbnb). Weiter durch die Cevennen in die nördlichen Pyrenäen. Wir bleiben 2 Tage bei einem Bekannten in einem kleinen Weiler einer deutschen ehemals alternativen Szene und wohnen bei Achim in einem toll umgebauten alten Häuschen.

Weiter geht es in ‚meine‘ Pyrenäen. Die spanische Seite. Auf besten Straßen (statt französischen oft gesplitteten) geht es weitere 2 Tage voran und ich fühle mich wohl und wohler. Mein Plan durch die Schlucht des Canon Anisclo zu fahren, wird durch eine Straßensperre verhindert. Ein Umweg steht an und nun also eine ungeplante Route durch neues Terrain. 50 km Wald und keinerlei Zivilisation liegen vor uns. 2-3 Autos begegnen uns. Wir überholen einen Reisebus mit Panne. Davor, dazwischen, danach: nichts. Mein Puls wird langsamer. Ich entschleunige in mir. Ich nehme die Kurven, schaue in den Wald, über die Aussicht, in die Berglandschaft. Es wird ruhig um mich. Es wird ruhig in mir. Alles fällt ab. Sorgen, Gedanken. Nur das Motorrad und ich.

Nach 50 km erreichen wir die Schnellstraße und eine Tankstelle. Trinkpause für den Tank und uns. Ich habe Mühe zu reden, versuche meinen Puls wieder zu normalisieren. Ich fühle mich wohl und gehe vollständig in Urlaub auf. Den Abend verbringen wir auf einer Lodge bei Huesca. Wir sind die einzigen Gäste, werden fein bewirtet und bekocht und sitzen auf der Terrasse mit einem unendlichen Blick in die Ebene. Südafrikanisches Flair.

Auf schnellem Ritt legen wir uns in den Wind der Hochebene und bringen endlose Kilometer meist gerade Straße hinter uns bis Salamanca. Was für eine Stadt! Mittelalterliches Flair mit Studenten, Kneipen, Tapas.

Es kurvt sich weiter an die portugisische Grenze, den Fluß Douro kreuzend, endlose Olivenhaine. Häuser und Orte mit schön gerichteten Häusern, teils Villen gleich. Ganz anders als die letzten 2 Tage in Spanien mit Trockenheit, Ebenen bis zum Horizont und wie ausgestorben daliegende Ortschaften. Wir haben uns den Campingplatz Toca de Raposa ausgesucht und werden angenehm überrascht. Er liegt noch schöner als im Internet beschrieben und belgische Chefin, Personal (es scheinen nur Freunden zu sein), sowie die Gäste sind so freundlich. Wir blieben gleich 3 Nächte und verbringen die Abende in der sehr schönen Bar.

Die Ausflüge in die Serra da Estrella mit dem höchsten festlandportugisischen Berg Torre (1993m) und an den Atlantik sind traumhaft, obwohl die überall präsenten Feuer und Rauchschwaden die Stimmung ein bisschen drücken – weiß man doch, dass manch einer gerade sein Land, Haus, Wald verliert.

Zurück nach Spanien in die angenehmen Städte Caceres und Trujillo. Unsere Wege trennen uns, wie leider geplant, und ich starte alleine durch nach Cordoba, um dort 2 Tage die Stadt anzuschauen. Die Mezquita ist trotz aller Beschreibungen noch größer und beeindruckender als erwartet und am Abend genieße ich eine traditionelle Flamenco-Show.

Über Granada fahre ich nach Motril um dort noch eine Woche zu verbringen. Stationär von einem Hotel am Meer aus mache ich für einen lieben Freund und seine große Gruppe motorradfahrende Kunden den Tourguide in die nahe und ferne Umgebung. Ich genieße es an der Spitze zu fahren und mich um alles zu kümmern.

Tag 22: Mein Bike geht auf den Lastwagen und nach Hause und ich besteige das Flugzeug in Malaga – ohne den Hauch einer Sättigung von Land, Leute, Erlebnisse, Fahrspaß zu haben.

-> Bilder siehe ein Beitrag vorher.

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Hey Mario, wollen wir ein paar Tage Moped fahren?

So fing es an und wenig später trafen wir uns im Vogtland um ein paar Tage die Reifen zu bewegen. Dieses Kopffreifahren in angenehmer Gesellschaft.

Durch das Vogtland, über spektakuläre Pässe, vorbei an Kohlefabriken, durch die Zittauer Berge, Dhinein nach Polen, die Landschaft bleibt ähnlich, die Häuser sind ganz anders, Burgen laden als Hotel ein und fremdartige Marktplätze (Jelenia Gora) und die Kirche Wang (aus Norwegen eingekauft und wieder aufgebaut) rauben einem den Atem. PLWeiter nach Tschechien durch einen Tag, der nur dem Regen und seinem Begleiter dem Nebel gehört. Wir fahren und sehen nichts. Die Hände sterben ab (wir haben Anfang September…), der Kragen zieht Wasser, es ist bitterkalt und doch findet sich am Abend ein warmes Hotelzimmer in Jesenik und ein ausgezeichnetes Lokal für die Erholung. Das Altvatergebirge lässt das Herz höher schlagen als wir am folgenden Tag Richtung Spindlermühle und zum Ursprung der Elbe CZstundenlang ohne nennenswerten Verkehr dahin fahren. Der Reifen glüht, unsere Herzen auch wieder. Ein Besuch auf dem Jested-Fernsehturm steht an und schon beim näher kommen an den Berg denke ich, hmmm, das Hinauffahren lohnt nicht, Nebel herrscht. Wir machen es trotzdem, verlassen die Sonne und tauchen ein in ein dicke Nebelwand, der nur eine echte Suppe im Fernsehturm kontra geben kann. Über Bad Schandau geht es zurück nach Deutschland, eine Nacht nach Dresden mit dem Zwinger, der Neustadt, den Hinterhöfen, der Frauenkirche.DresdenEin Abstecher, nochmals nach Tschechien auf freier Bahn für freie Bürger, cz 2und wieder ins Vogtland. Wieder völlig unnötig herumgekurvt und doch tat es so gut! Fremde Baustile gesehen, Häuser aller Art in verschiedenen Farben, ein Nutria kreuzte unseren Weg, fremde Getränke, fremdes Essen. Die Weite und der Platz im Osten. Erleben und Leben.

Wir trennen uns an einer beliebig ausgewählten Tankstelle und schalten unsere Navis auf die Heimadresse um. Für mich 370 km. Für Mario 340 km. Das kann kein Zufall sein. Es hat einfach gepasst. Die Tour, das zusammen Kurven geniessen und die Fremde – im Regen und ohne.

Auf ein Smørrebrød nach Kopenhagen

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Auf dem Weg zur Unterkunft in Kopenhagen überlegen wir uns – mal wieder – wie viel Zeit man verbraucht um mal schnell wohin zu fliegen.

6,2 Stunden von Haustür zu Haustür mit gerade einmal 1,5 Stunden Flug dazwischen. Die öffentlichen Verkehrsmittel in Deutschland? Das übliche Desaster. S-Bahn-Haltestelle wegen Bauarbeiten eliminiert, Ersatzbus kommt irgendwann und der geplante S-Bahn-Anschluss ist damit weg. Ellbogencheck beim Einstieg, Mülleimer quillt über, Flegel lümmeln mit den Schuhen auf den Sitzen. Ellenlange Schlange am Check-In-Schalter, bewegungslos. Flugverspätung? Natürlich – 40 Minuten.

Ankunft in Kopenhagen: Ein sich selbst erklärender Ticketautomat! Die Metro fährt im maximal 5 Minuten-Takt. Sauber. Nicht überfüllt. Freundliches Personal weist an. Zum Rückflug kurz an den Self-Check-In, nach 1,5 Minuten Bordkarte in der Hand. Pünktlicher Abflug.

Naja. Ohne weitere Worte… Deswegen reist man ja – um anderes zu erleben.

Kopenhagen also! Mein erster (? Irgendwie habe ich tief im Unterbewusstsein das Gefühl als kleine Gör hier schon mal gewesen zu sein…) Besuch in der Stadt der kleinen Meerjungfrau. Den ersten Abend verbringen wir gleich mit einem indischen Smørrebrød am Strand von Amager in unmittelbarer Nähe zu unserer einfachen Unterkunft, stecken die Füsse in den Sand und atmen tiiiief durch. Herrlich, die gute Luft an der Ostsee.

Der zweite Tag gehört wieder angenehmen Metroreisen und einer 2-stündigen geführten Segway-Tour, bei der wir die Stadt kennenlernen und gute Informationen mitgeteilt bekommen. Eine echte Empfehlung!

Wir stehen vor den Wohnhäusern der Königin und des Kronprinzen, wohnhaft mitten in der Stadt, volksnah. Wir lichten The little Mermaid ab (natürlich!) und düsen die Kais entlang. Bei strahlend blauem Himmel spazieren wir später durch die Stadt und geniessen lockeren Umgang und völlig entspannten Trubel. Super angenehme Stadt!

Eine Kanalfahrt ist ein weiteres Muss. Lernt man so doch die Stadt vom Wasser aus kennen. Gemächlich fahren die Sightseeingboote dahin, in verschiedenen Sprachen wird man unterwegs informiert. Unter den Brücken muss man den Kopf einziehen und ich staune über all diese Kairestaurants und –kneipen. Das Wetter ist prima und ganz Kopenhagen ist draußen und genehmigt sich mit lachenden Freunden einen Wein. Ein Muss ist die Street food Halle Papirøen. Ein feste Institution unter Dach mit Fressständen aus allen Teilen der Welt.

An den Tagen 3-4 machen wir es wie die Kopenhagener und fahren Rad. Sehr zu empfehlen ist dazu beCopenhagen.dk rent a bike. Freundlich, super Räder.

Die Radwege sind ein Traum. Meist kann man 2-spurig radeln. Die Langsamen rechts, die Flotten ziehen links vorbei, eigene Ampeln, überall vorhandene eigene Wege. In Kopenhagen gibt es statistisch 2 Räder pro Einwohner und dafür ist die grüne Stadt ausgelegt und vorbereitet. Autostaus? Fehlanzeige. Alles und jeder fährt Rad. Der Hund, wahlweise Ehefrau, Kinder, Lasten, Einkäufe werden auf dem Rad vorne in einer Box transportiert. Topfeben radelt es sich mühelos mit 2 Gängen dahin. Wir radeln am Amagerstrand entlang, lockeres Treiben, am Flughafen entlang (woe in der Einflugzone stehen wir direkt unter dem hereinkommenden Fliegern, wie im Film) und weiter, um nach 10 Kilometern Dragør zu erreichen – bei steifem Gegenwind, rückwärts nach kurzem Regenschauer windlos. Ein Dorf wie aus dem Museum, aber es ist echt. Das ganze Dorf blüht, ockerfarbene romantische Häuser, der Hafen mit seinen Cafes, Yachten, Fischerbooten weist auf Uuuurlaub hin. Hier bin ich richtig! Bin ich doch neugierig, aber in meinem Herzen kein Großstädter. Keine Minute Kopenhagen will ich missen von dieser Reise, aber im Kopf lebt der lange Strand, die ruhig da liegende Ostsee und der nette Ort Dragør.

Verpflegung: Wir geniessen jeden Tag unser ‚Bolle med Ost‘ (belegtes Käsebrötchen) in einem kleinen Cafe um die Ecke und beobachten die Leute fernab von Touristen. Wir schnabulieren täglich 1-2 Eis und/oder belgische Waffeln in Nyhaven und mampfen abends einen selbst zusammengestellten Bagel von der netten Türkin im besten Englisch ‚well prepared‘, von einem der unzähligen leckeren Imbisse kann man sich wunderbar preislich vertretbar verpflegen. Alles ist teuer, aber man muss ja nicht morgens/mittags/abends ins Restaurant.

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Tatort Hauptbahnhof Stuttgart

Ich bin auf der Durchreise und laufe durch den Hauptbahnhof von Stuttgart. Plötzlich Geschrei.
„Scheiß Deutsche“ „Scheiß Deutsche“ in nicht ganz akzentlosem Deutsch.
Ich komme gerade aus dem Ausland, habe gutes Miteinander erlebt und habe mich dort benommen.
Nun bin ich benommen …
Ich, Deutsche, in Deutschland, offen, muss mich anschreien lassen?
Ich war nicht direkt persönlich angesprochen, der Rufer rief in die Menge und fuchtelte dazu aggressiv. Meinte uns alle.
Was war passiert?
Der Rufer hatte ältere Passanten (womöglich Deutsche) am Ticketautomat angesprochen und wollte sie abzocken. Wollte sie bestehlen.
Ein weiterer Passant (womöglich Deutscher) ging dazwischen und bat ihn die Leute in Ruhe zu lassen.
Folge:
„Scheiß Deutsche“
Nun, Recht oder Unrecht mag jeder für sich entscheiden.
Ich wunderte mich nur über meine Reaktion.
Zum einen frage ich mich, warum solche Typen nicht einfach eingeladen werden und höflich in ihr Land gebracht werden. Weg von den Scheißdeutschen.
Zum anderen frage ich mich, warum ich nichts sage, sondern voll Furcht weitergehe. Warum sage ich nicht „wenn Sie hier leben und offensichtlich leben wollen, dann benehmen Sie sich bitte“. Keine Zivilcourage. Angst vor Gewalt. Ich schäme mich nichts gesagt zu haben.

Paris im Schlendergang

Galerie

Diese Galerie enthält 11 Fotos.

Wenige Stunden im Zug und wir steigen stressfrei mitten in Paris aus und schlendern los, so in etwa Richtung Unterkunft. An einem Straßencafé nehmen wir einen Café creme und beobachten die auf und abziehende Menschenschar. Der Schwarze mit seiner kleinen … Weiterlesen

Italien Süd nach Nord

Es gibt viele Eindrücke im Süden Italiens. Die Küste, die Strände, der Blick von Tropea und seiner malerischen Altstadt auf den Stromboli. Wie er da mitten im Meer Lava von sich gibt. Dann die Amalfiküste. Wow entweicht mir bei manch einem Blick von der Straße hinab oder hinüber in die nächste Kurve. Jedoch ist der Verkehr die Hölle und ein Anhalten, um gar ein Foto zu wagen, kommt einem Suizidversuch gleich, würde man doch beim Knipsen mindestens dreimal überfahren werden. So steigen wir gleich nach Amalfi, an dem 2 Kreuzfahrtschiffe ankern und ihre Passagiere abgesetzt haben, aus der Küste aus und verlassen sie, trotzdem tief beeindruckt, ins Hinterland. 

Pompei ist das Ziel. Fürchterliche typische Randgebiete führen in die schöne Innenstadt und die 79 n.Chr. vom Vesuv verschüttete Stadt in der heutigen Stadt Pompei lebt beim Durchwandern neu auf. Sehr interessant! Am nächsten Tag brausen wir hinauf auf den Vesuv. Schauen, wenig beeindruckt, und setzen die Fahrt fort.

In Stiffe besuchen wir die Grotte mit bis zu 20 Meter hohen Wasserfällen 350 Meter waagrecht in der Erde und weiter geht es nach Norden in die Abruzzen. Auf der Hochebene Gran Sasso meine ich den schönsten Moment meines Motorradfahrerlebens erreicht zu haben. Tiefenbeeindruckt, hingerissen erstreckt sich die menschenleere Ebene endlos dahin. Wolken fließen in die Ebene und beim darin Eintauchen dämpft es den Motor und Frieden breitet sich in mir aus. Jeden Blick möchte ich festhalten und weiß es gelingt eh nur im Kopf und ich sauge diese auch mit Tibet verglichene Hochebene auf.

Dann am Abend nach L’Aquila. Huh, will ich kaum nach Klein-Tibet erwähnen. Hier war 2009 das schwere Erdbeben. Noch immer wird die ganze Stadt von Stahlträgern, Gerüsten aus jedem Material, Spanngurten und Stahlseilen zusammengehalten. Kaum ein Haus, eine Fassade, ist wieder aufgebaut, renoviert, den Bewohnern zugänglich gemacht. Wie unvorstellbar ist es, dass die Region plötzlich – ohne in irgendeinen Krieg verwickelt zu sein – Haus, Familie, Freund, Lebensgrundlage verloren hat. Am Tag davor wunderten wir uns noch über die vielen „Ferienhäuser“ in den umliegenden Ortschaften, bis uns dämmerte, dass es schnell hochgezogene Häuschen waren, die den aus den Altstädten vertriebenen Menschen ein neues Dach über dem Kopf geben. Gruselig die ausgebeinten abgestützen Häuser und doch wird es in ein paar Jahren wunderschön werden. Neues altes.