von der Seele freiweggeschrieben

20:28 Uhr Feierabend

Nachdem ich mir ständig diese Schlagworte aus dem japanischundenglischen anhören muss Kaizen, Poka Yoke, Kanban und wir ja so lean arbeiten und sind und wir alle, und vor allem der Kunde – the german OEM – (genau, das ist der, der diese schönen Boni Jahr für Jahr einschiebt, währen wir auf der anderen Seite kein Weihnachtsgeld bekommen) ganz happy ist, wenn man eine win win situation hat, habe ich jetzt Feierabend und bin fertig mit einem schönen 387 Excelzeilen langen time plan. 7% der well coloured Zeilen benötige ich und der Kunde möchte den Rest nur sehen, vielleicht als Tapete ein Hinterstübchen dekorieren. Danke auch.

Da fällt mir gerade der Aktienkurs von Volkswagen in die Hände. Hungertuch fällt mir da nur ein, oder sagen wir besser towel of hunger wahlweise hungry towel?



Nun, das Mass ist voll, nun sind wir neuerdings weg von der win win situation, jetzt sprechen sie von PAIN SHARING.

Der Gipfel! Welches PAIN SHAREN wir denn?

Ich sage es mal mit meinen Worten, direkt Dir, lieber Kunde:

Are you clean in your back ground room?

 

Sprich: Bist Du noch ganz sauber im Hinterstübchen?


Es lebe das denglish, wenn einem das Wort FAIRNESS *ggg* gar nicht mehr einfallen will. Und jetzt nehme ich gerade noch ein grosses Glas Rum und mache damit und mit mir SHIP TO STOCK. Pffff. Pain sharing.

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Friedhof der Ideen

Ich habe immer Ideen und am Ende setze ich sie nicht um. Das gleiche passiert mit meinen Interessen. Am Ende fehlt mir die Inspiration, die Muse, die Kraft Zeit zu finden sie umzusetzen. Wenn niemand präsent ist sie zu bewundern, sie zu teilen, bin ich ein Friedhof von gestorbenen Ideen und eine Wüste aus verpassten Gelegenheiten.

Heute:
Ich war ein paar Stunden arbeiten, ich war eineinhalb Stunden Joggen, ich habe meine ganze Wohnung geputzt, ich habe Erdbeer-Himbeer-Aprikosen-Marmelade gekocht, ich habe Klamotten ausgemistet, ich habe das Bett neu überzogen, habe zwei Waschmaschinen laufen lassen, aufgeräumt, war auf dem Markt einkaufen, habe meine Auto aussen und innen geputzt
und
am Ende des Tages meine ich nichts gemacht zu haben. Ich wollte ins Kino, ich wollte in die Disco.
Nun sitze ich hier, tippe ein paar Sätze und gehe in ein paar Minuten ins Bett – in dem Glauben heute nichts getan zu haben. Keine Ideen umgesetzt zu haben, nichts sinnvolles, für mich und meine Seele getan zu haben.
Ist es nicht krank, wie man sich unter Druck setzt.

zum Lagerarbeiter degradiert

Hammer…

da schreibt mir ein „ehemaliger“ Entwickler von einem unserer Zulieferer, mit dem ich genau 1x zu tun hatte, nun bei einem zweiten Problem, wo ich ihn wieder anschrieb, diesen Satz:

„leider ich kann nicht Ihnen ein ausführlichen Antwort geben. Ich wurde vor kurzem zu Lager Arbeiter degradiert.“

Der deutsche Satzbau ist hier nicht massgebend, nur der Inhalt! Die Bearbeitung des ersten Problems war unter aller Kanone, deswegen war ich nicht gleich verwundert. Aber, sorry, so einen Satz schreibt man doch nicht seinem Kunden, noch dazu, dass wir uns quasi nicht kennen. Da schreibt man maximal „die Zuständigkeit hat gewechselt“ oder so was.

hmmmm …. ich sach mal ganz böse, wen wundert es, dass er degradiert wurde, zu mehr hat es wohl einfach nicht gereicht.

Mann, was man im Business erleben darf. Ich habe mich wirklich kopfschüttelnd amüsiert …

ich bin nicht im Büro…

 

 

„Ich bin nicht im Büro. Meine Mails werden nicht gelesen. Ich antworte Ihnen nach meiner Rückkehr.“ 

Dies ist eine automatisch kreierte Abwesenheitsmail eines Aussendienstmitarbeiters im Vertrieb einer Firma.

Sorry, Ihr Dienstleister da draussen in der Welt. Wann zurück? Könnte es etwas dringendes geben was nicht bis zum einem Tag X in irgendeiner Zukunft warten kann? Wer vertritt?

Nenenene, das geht ja gar nicht!! Und so einer ist im Außendienst – also lebt von seinen Kunden und seinem persönlichen Kontakt…. Sehr kundenfreundlich.

Was ist ein Weinkenner – Teil 3

Zweifellos ist es möglich das Riechorgan mitten im Gesicht, oder besser gesagt, den Geruchssinn zu schulen. Wir können lernen wie Zeder, Erdbeere, Tabakblatt, Blut, Erde und Schiefer riecht. Das Problem ist nur, dass jeder Wein viele Gerüche in sich vereinbart. Das Differenzieren kann auch gelernt werden. So liegt es mir also nicht an, die Worte eines Weinkenners als Quatsch abzutun, wenn er mehr riecht als ich. Es ist eine Frage der jahrelangen Schulung, kostet also nicht mehr als Zeit.
Ähnlich, jedoch nicht gleich, ist es mit dem Geschmack. Erlernbar. Mit ähnlich, glaube ich, dass im Geschmack immer ein bisschen Mensch mit einfliesst, was gegessen wurde, wieviele Weine am Stück verköstigt wurden oder ob man den ein oder anderen Geschmack mag oder nicht. Ich glaube, dass der Einfluss größer ist als beim Riechen, ohne das ich das genauer erklären kann (noch nicht). Vielleicht liegt schon allein viel daran, dass man Wein in aller Regel öffnet um zu trinken, nicht um ausschliesslich zu riechen.
Zur Kunst wird das Ganze erst beim Zu-Papier-bringen. Das blumige Umschreiben des erschnüffelten und geschmackofatzten.
Hier zeigt sich der Weinkenner aber auch nur, wenn es Leute gibt, die es nachriechen/-schmecken können. So trennt sich die Spreu vom Weizen, will sagen, es trennt sich der, der die Feder gut führen kann von dem der nachvollziehbar schreibt. Es bleibt mir also nicht mehr, als meine Organe so zu schulen, dass ich Zeder rieche, wenn ich Zeder riechen soll.
Bis dahin bleibt meine Nase Zufallstreffern vorbehalten?
Meine Verköstigungen beschränken sich auf wenige Worte und ich mache mir nicht die Mühe nachzulesen, was ich riechen und schmecken soll.

Was ist ein Weinkenner – Teil 2

Nach Teil 1 habe ich weitergelernt. 15083 Weine der ganzen Welt, die in 2010 auf den Markt kamen und von Wine Spectator 01/2011 verköstigt und bewertet wurden:

D.h. für mich, es muss sich um eine bunte Vielfalt an Jahrgängen handeln. Vielleicht so 2006 bis 2010. Da hat der Wine Spectator eine Höllenarbeit geleistet und ich schätze diese 15083 Weine sind noch immer nur ein Bruchteil von dem, was wirklich 2010 auf den Markt kam. Kleinstweingüter und abgelegene Regionen und solche, die nur im Land oder nur im eigenen Ort verkaufen sind sicher nicht dabei.
So, das heisst, ich kann es unserem Weinkenner wieder einfach machen und ihm zur Verköstigung ein paar dieser Weine vorsetzen – mit den 15083 Beschreibungen. Wird er in der Zuordnung scheitern?
Es heisst, dass ein guter Verkoster den Weinberg schmeckt. Aus K&U 3/2011: „vom Rebschnitt, der für den Ertrag entscheidend ist und damit für die Konzentration und innere Dichte, über die Bodenbearbeitung, die für den Wasserhaushalt entscheidend ist und damit für Stressfaktoren wie Bitterkeiten etc., bis zu Blattwerksteuerung und Reberziehung, die für die Phenol- und Tanninqualität entscheidend sind. (…) riechen und schmecken, ob er maschinell oder von Hand gelesen wurde, ob er aus Hochertrag, schlechtem Lesegut und unambitioniert technischem Ausbau im Keller stammt. (…) Er kann beurteilen, ob ein Wein von alten Reben stammt, aus gesund gelesenen, perfekt reifen Trauben gekeltert wurde, der Most spontan vergoren und anschliessend lange auf der Hefe gelagert wurde.“
Wow! Die(se) Sensorik ist mit Sicherheit schulbar, daran besteht kein Zweifel. Vor dem, der sich das angelernt hat, der tausende und abertausende von Proben probiert hat und lernte was er schmecken soll, habe ich jeden Respekt. Wie lernt man all die Böden, die Möglichkeiten der Mischungen, all die Punkte aus dem obig zitierten K&U-Artikel in seiner Potenzierung und vor allem gegenseitigen Beeinflussung – weltweit? Irre.

Kopie aus Zeitung

Von den 15083 Weinen sind unter 2%, die zwischen 95 und 100 Punkte bekommen haben. Übrigens herausragend Deutschland mit 4%. Unser Riesling bleibt beliebt – aber das am Rande.
D.h. ich könnte dem Weinkenner auch nur die damit ca. 250 bestbewertesten Weine hinstellen. Wahrscheinlich wird er gute Chancen haben. Also, was ist ein Weinkenner? Der, der eine langjährige Sensorikschulung hinter sich hat. Der, der die kleinste noch vorhandene Nuance des Weinbergs im Wein nach der Kellerarbeit und nach der Lagerung noch entdeckt. Ist denn das alles möglich? Oder nur bei ganz typischen Weinen? Oder bei absoluten high price Tropfen, wo man sich so vorstellt, dass nichts „verfälschendes“ drin ist bzw. drin passiert ist. Es fällt mir schwer das zu greifen, jedoch glaube ich es, da ich es glauben muss.
Schon bin ich schlauer und beginne mit Teil 3.

Kilroy was here

Ich habe mich heute an Kilroy erinnert und mal schnell nachgeschlagen. Einfach eine schöne lustige Geschichte. Den ganzen Text gibt es auf Wikipedia. Hier nur ein Auszug für Schnellleser.

Die Figur Kilroy wurde weltberühmt durch den Satz „Kilroy was here“, der im Zweiten Weltkrieg von US-Soldaten an die unmöglichsten und seltsamsten Stellen geschrieben wurde.

Trotz seiner Berühmtheit war die Figur Kilroy immer ein Mysterium, und der genaue Ursprung ist immer noch nicht ganz geklärt. Die bis heute wahrscheinlichste Erklärung ist, dass der Satz „Kilroy was here“ von dem Schiffsinspektor James J. Kilroy stammt. Kilroy arbeitete bei der Fore River Shipyard. Seine Aufgabe war es, die Arbeiter an den Niethämmern zu kontrollieren und zu prüfen, wie viele Niete sie geschlagen haben. Damit er nichts doppelt zählte und um seinen Vorgesetzten zu zeigen, dass er seine Arbeit auch machte, begann er, den Rumpf der Schiffe, welche er bereits kontrolliert hatte, mit „Kilroy was here“ zu versehen. Als ein Schiff dann für einen Militäreinsatz genutzt wurde und Truppen transportieren sollte, war dieser Satz für die Soldaten ein großes Mysterium. Die Tatsache, dass es derartig deplatziert war, machte die Sache noch mysteriöser. Alles was die Soldaten wussten, war, dass Kilroy, wer auch immer er war, „(zuerst) da war“. Als Gag schrieben die Soldaten dann überall, wo sie hin kamen, den Satz hin und behaupteten, er habe schon da gestanden, als sie ankamen.

Eine schöne Geschichte ist die: Ein Vorfall ereignete sich während der Potsdamer Konferenz im Juli 1945: Stalin soll ein Nebengebäude betreten haben, das ausschließlich für ihn selbst, Truman und Churchill reserviert war. Als er wieder heraus kam, will ein Dolmetscher gehört haben, wie er fragte: „Wer ist Kilroy?“