Italien Süd nach Nord

Es gibt viele Eindrücke im Süden Italiens. Die Küste, die Strände, der Blick von Tropea und seiner malerischen Altstadt auf den Stromboli. Wie er da mitten im Meer Lava von sich gibt. Dann die Amalfiküste. Wow entweicht mir bei manch einem Blick von der Straße hinab oder hinüber in die nächste Kurve. Jedoch ist der Verkehr die Hölle und ein Anhalten, um gar ein Foto zu wagen, kommt einem Suizidversuch gleich, würde man doch beim Knipsen mindestens dreimal überfahren werden. So steigen wir gleich nach Amalfi, an dem 2 Kreuzfahrtschiffe ankern und ihre Passagiere abgesetzt haben, aus der Küste aus und verlassen sie, trotzdem tief beeindruckt, ins Hinterland. 

Pompei ist das Ziel. Fürchterliche typische Randgebiete führen in die schöne Innenstadt und die 79 n.Chr. vom Vesuv verschüttete Stadt in der heutigen Stadt Pompei lebt beim Durchwandern neu auf. Sehr interessant! Am nächsten Tag brausen wir hinauf auf den Vesuv. Schauen, wenig beeindruckt, und setzen die Fahrt fort.

In Stiffe besuchen wir die Grotte mit bis zu 20 Meter hohen Wasserfällen 350 Meter waagrecht in der Erde und weiter geht es nach Norden in die Abruzzen. Auf der Hochebene Gran Sasso meine ich den schönsten Moment meines Motorradfahrerlebens erreicht zu haben. Tiefenbeeindruckt, hingerissen erstreckt sich die menschenleere Ebene endlos dahin. Wolken fließen in die Ebene und beim darin Eintauchen dämpft es den Motor und Frieden breitet sich in mir aus. Jeden Blick möchte ich festhalten und weiß es gelingt eh nur im Kopf und ich sauge diese auch mit Tibet verglichene Hochebene auf.

Dann am Abend nach L’Aquila. Huh, will ich kaum nach Klein-Tibet erwähnen. Hier war 2009 das schwere Erdbeben. Noch immer wird die ganze Stadt von Stahlträgern, Gerüsten aus jedem Material, Spanngurten und Stahlseilen zusammengehalten. Kaum ein Haus, eine Fassade, ist wieder aufgebaut, renoviert, den Bewohnern zugänglich gemacht. Wie unvorstellbar ist es, dass die Region plötzlich – ohne in irgendeinen Krieg verwickelt zu sein – Haus, Familie, Freund, Lebensgrundlage verloren hat. Am Tag davor wunderten wir uns noch über die vielen „Ferienhäuser“ in den umliegenden Ortschaften, bis uns dämmerte, dass es schnell hochgezogene Häuschen waren, die den aus den Altstädten vertriebenen Menschen ein neues Dach über dem Kopf geben. Gruselig die ausgebeinten abgestützen Häuser und doch wird es in ein paar Jahren wunderschön werden. Neues altes.

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Palermo Richtung Stiefel 

Palermo. Die Fähre hat uns an Land gespült. Am Tag darauf kämpfen wir uns einmal hinaus aus der Stadt und am Abend wieder hinein und lernen… Rote Ampeln, Helmpflicht, Zebrastreifen, Geschwindigkeitsangaben, Vorfahrtstrassen, sind höchstens als Vorschläge anzusehen. Die kleinste Unsicherheit, wie ein Blick auf einen Wegweiser oder gar das Anschauen eines Hauses, Palastes, historischen Straßenzuges, wird als Schwäche erkannt und Roller wie Autos pfeifen links und rechts an einem vorbei. Wie durch ein Wunder kommen wir kratzerlos durch Palermo und auch künftig durch Sizilien und den ganzen italienischen Stiefel hoch. Anpassen, mitschwimmen, keine Regeln kennen. Sizilien als Motorradbesuchsland? Eher nicht. Das Hinterland abseits der Städte ist schön, die Straßen winden sich durch alle Ockertöne und den grüner werdenden Osten, aber die Straßen sind großteils schlecht, aufgeworfen, von der Hitze glattgefahren. Ein Bad im angenehm temperierten herrlichblauen Meer kühlt uns kurz ab und wir sind wieder auf Strecke.

Der Abstecher auf den Ätna ist einen Umweg wert. Spektakulär erhebt er sich schwarz und rauh und man fühlt förmlich die Erde unter einem kochen.

Die Fahrt nach Messina auf die Fähre zum Festland versuchen wir erst im Landesinneren auf „schöner“ Strasse und wechseln dann leicht entnervt auf die Küstenautobahn. Sizilien hat gefühlt endlos lange Vororte und die Müllabfuhr sollte irgendwie anders organisiert werden.

Pfingstcampen für Fortgeschrittene, Italien

Ist es nicht die Hölle. In einem kleinen Zelt schlafen, neben mir Klamotten, mit den Fliegen der Fahrt auf dem Kombi. Die Klopapierrolle am Kopfende. Die Isomatte so schmal, dass man nicht normal liegen kann, der Schlafsack zu eng, oben kühl, unten zu heiss. Vor dem Reissverschluss laufen die Ameisen, hoffentlich nicht innen. Es riecht leicht unfrisch. Nachts weckt Dich der Harndrang, Du quälst Dich schlafsuchend bis Du die Hosen vergeblich suchst und mit halben Augen halbnackt zum Waschraum schlappst. Du kannst in Unterhosen gehen, den Schlafsand in den Augen haben, müde torkeln, wenn Du unterwegs jemanden triffst, lächelst Du, wissend, dass der Gegenüber sich genauso müde und blasenvoll fühlt. Camperglück, nennt man den nächtlichen Spaziergang wohl, kaum durch Regen, Eiseskälte oder Waten durch Morast zu toppen. Das blieb jedenfalls dieses Jahr der Truppe erspart.
Ab 7:30 brennt die Sonne aufs Dach und Du drehst Dich noch schwitzend durch die Morgenstunden, zu müde zum Aufstehen. Dann das Herausstrecken des Kopfes und die Freunde krakelen „Dagi, Du bist nicht letzter“ oder „Moooooorgen, es gibt schon Brötchen“. Dann weisst Du, die Tortur lohnt sich, Spass pur. Die Nacht endet mit Bier, Wein, Ramazzotti, jeder hat seinen Lieblingstrunk im Plastikbecher. Man erzählt Schwänke, lacht und staunt, tauscht sich aus. Todmüde fällt man hinein, um sich dann zu fühlen wie mitten im Partyraum der Nachbarn. Abartig, haben die auch keinen Anstand? Es ist zwölf durch und die Lautstärke ist erbarmungslos. Und doch bin ich happy part zu sein, part eines Freundeskreises mit dem man Bäume ausreissen kann bzw. Heringe im Camperjargon.

Geschirr für 17

Geschirr für 17

Morgens holt einer Brötchen für alle und wir spülen gemeinsam ab. Mittags sticht F. mit dem Schlauchboot in See und J. wird mit Spülmittel übergossen als er zur Erfrischung unter der Freiluftdusche steht.
Sagt H. furztrocken beim Gang zur Pizzeria „jetzt haben wir schon gut das zweite Drittel vom ersten Fünftel des Weges“. Der Steppke kommentiert zur Mama „wenn ich nicht mehr da bin, bin ich schon gegangen“, wir schmeissen uns weg vor Lachen, wir führen unnötiges PS-Geflüster und gröllen uns schlapp über eigene und fremde Missgeschicke. F. meint weise zu später Stunde „die verschiedenen Charaktere machen doch das spannende am Leben aus“.

4 Tage Südtirol

4 Tage Urlaub. 4 Tage weg aus meiner Welt. Nur Asphalt und Pässe. Gutes Essen, freundliche Leute. Ich liebe das Vinschgauer Brot und die Knödel und den Käse und den Akzent. Jeden Tag begleitete immer wieder dicker Nebel, aber es tat den Augen gut, nichts zu sehen. Sich nur zu konzentrieren und den Motor und die Strasse zu spüren.

Nebelfahrt

Nebelfahrt

Sardinien, Klappe die Zweite

Galerie

Diese Galerie enthält 13 Fotos.

Über Dorgali, Nuoro und Macomer nach Bosa. Ich komme von Suni die Serpentinen herunter und sehe am Ortseingang von Bosa nur noch rot und gelb. 11 Ferrari stehen sauber aufgereiht vor dem Ferrari-Club Bosa. Da stehen sie, die Millionen. Ich … Weiterlesen

San Remo’s verblasster Charme?

„… nicht mehr ganz so mondän wie in den Fünfzigern…“. Oha, wir sind 60 Jahre zu spät da… Das erste Durchfahren macht keine Lust zum Verweilen, jedoch sind wir hier gestrandet, weil es an jedem anderen Fleck in Strömen regnet. Wieder eine Touränderung. Es ist gar unmöglich am Meer zu sitzen, zugebaut. So nehmen wir ein Cafe am Jachthafen. Schwarze Strassenverkäufer bieten ihre Waren feil und neben mir kaufte eine aufgepäppelte Dame eine Haarspange mit falschem D&G-Zeichen für 20 € und eine Kunststoffperlenkette für 30. Der Schwarze macht jetzt wahrscheinlich eine Woche Urlaub…. gegönnt sei es ihm.
Später erkunden wir La Pigna, die Altstadt. Die ist nun wirklich eine Reise wert, denn sie führt einen direkt in eine andere Welt. Schmale Gassen, treppauf, treppab, plötzlich ein Lokal, komplett überbaute Durchgänge, ein Hund schleicht um die Ecke, ein Wasserhahn tropft, es riecht nach Urin, es rankt sich ein Vorgarten mit vielerlei Blumen um eine weitere Treppe, die Kamera findet immer wieder ein Motiv. Toll hier!