Slow Food und Johann Hugo – 2012 – Riesling – Franken

Es war einmal …
ein verdammt netter Abend auf der Messe Slow Food in Stuttgart. Ich habe meine ehrenamtliche Helfertätigkeit ausgeführt. Habe fleissig gelächelt, mit der Kundschaft der Vinothek gescherzt und gebrauchte Gläser eingesammelt. Ich habe Weinflaschen ausgetauscht und jede Arbeit gesehen und erledigt. Dann kam der Feierabend und wir (Weinberater und ich Helferlein) probten uns durch die Weissweine. Ich las mich ein und versuchte ein paar interessante Tröpfchen. Wir redeten über Gott, die Welt und Wein. Also über ein göttliches weltweitverfügbares Getränk 🙂
Der Johann Hugo. Ich probierte, er war sympathisch. Ich ging gleich fremd und probierte jenen und andere. Dann wieder Johann, dagegen ein Badener, ein Württemberger, ein solcher, ein jener. Johann. Keiner kam an ihn ran. Die Stunden verflogen, die Füsse, die seit 7 Stunden ungeruht an den Beinen hingen wurden schwer. Johann musste sich behaupten, bis ich ein Bestellformular ausfüllte.
Der Johann kam in einem grossen Karton und wohnt nun im Keller und im Kühlschrank. Kalt geöffnet, goldgelb plätschert er ins Glas. Frische, Aromen machen sich fett im Mund breit, mit dem Temperaturanstieg wird er weicher, die Textur wird dick. Kohlensäure Fehlanzeige, Frische ja, Säure nein. Die Nase ist deutlich Weisswein, der Mund geht in sanften Rotwein über. Ja, er könnte ein bisschen mehr Frische haben.
Johann Hugo mit Spargel-SpätzleDann aber meine neue Zufallsgeneration dazu. Die Küche hat sich auf Spargel eingestellt … aber nichts dazu zu bieten. Ich schaue in die Schränke. Schwäbische Eierspätzle. Gut, Kochwasser angesetzt. Spargel gestückelt und die letzten 8 Spätzle-Minuten mit gekocht. Un Nu?
Schrank wieder durchforstet. Italienisches Walnusspesto mit 24% Walnüssen. Gesehen, getan.
Nach Abgiessen des Wassers ordentlich Pesto dazu und kurz angewärmt.
Hey, mit Johann ein Gedicht! So einfach und die Texturen von Gericht und Wein passen optimal aufeinander. Ergänzend!

Da die Frische fehlt und die cremige Fülle fast zu viel ist, bekommt Johann nur 18,5 von 20 DagiPunkten und doch bin ich froh um jede weitere Flasche, die meinen Keller beehrt.
Nun bewirte ich ihn im zweiten Versuch mit einem kräftigen Hartkäse, Comté. Wie passend ist das denn! Ein weiterer freudiger friedlicher Abend mit Johann.

Johann Hugo, Riesling, Spätlese trocken, spontanvergoren, aus der Steillage, handverlesen und selektiv, Slow Food, Weingut Brennfleck/Franken,13 Vol.proz. und ja, die merkt man auch.

was wieder bewiesen ist: ohne Wein ist das Leben lustlos und blass

Aaaah, was soll ich sagen… ja, es geht immer noch besser. Frau darf aber auch sagen: 20 von 20 Punkten sind eben 20 von 20 Punkten.

Wein!Zum den harten Tag zum Abend zur Nacht werden lassen, einen herrlichen Weisswein Dame Jeanne 2009 von der Bergerie du Capucin beim Pic Saint-Loup. Weich wie Sahne, kräftige Frucht, an warmes Badewasser auf der Haut wohlfühlend erinnernd. So vor 3 Jahren kam ich ganz zufällig an diesem kleinen feinen Weingut vorbei und probte mich durch und lagerte ein, ein bisschen weiss und rot. Danke an Monsieur Guilhem Viau an die köstlichen Proben damals.

Zum lustvoll ins Käsebrot beissen und ein wertvolles Gespräch führen einen Rotwein. Der Cuveé La Carissa 2007 aus dem Roussillon von Monsieur Razungles. Ich habe schon einmal über ihn geschrieben, 2012. Damals ein Gedicht, heute ein Gedicht mit dickem I-Pünktchen und frisch nachgekauft. Butterweich kräftig und gaumenumschmeichelnd, hineinschmatzend läuft er in die Kehle, singt dabei ein Lied und gluckst lachend in den Magen.

Urlar – 2009 – Sauvignon Blanc – New Zealand

Ich war schon in Neuseeland und habe dort Wein getrunken und was mit nach Hause gebracht und sogar noch ein Aufhebeschätzchen im Keller und nun stelle ich fest, dass hier noch kein Neuseeländer beschrieben wurde. Gekauft, verköstigt.

Urlar ist ein gälisches Wort und bedeutet Erde. Ein Familienbetrieb, der nach traditionellen organischen und biodynamischen Methoden arbeitet. Schottische Immigranten, die 31 ha bewirtschaften.

-> das passt, pure Eleganz, so ein Typ mit Krawatte, aber modern-leger, könnte ein Wenig mehr Frucht haben

19 von 20 DagiPunkte

Pouilly Fumé – 2008 – Sauvignon Blanc – Loire

Ein Gedicht! Ja, ich lasse mich dazu hinreissen nie einem Wein volle Punktzahl zu geben. Das wird anders. Der Pouilly Fumé ist ein Wein aus dem Hause Les Vallons. Die Winzer Michel et David Bailly haben hier einen ganz tollen Wein geschaffen.

Hier stimmt Farbe, Geruch (hui, die Melone haut einen fast um), ausgewogene Säure und ein toller intensiver Geschmack. Passt zum Essen und kann dann einfach genüsslich weiter getrunken werden.

Habe Flasche leer…

Fakten:

100 % Sauvignon Blanc

13 Vol%

20 von 20 DagiPunkte

Preis ca. 13,90 Euro/Flasche