Weltfrauentag oder wer hat Angst vor dem schwarzen Mann

Heute Nacht lag ich wach in Grübeleien und habe dann eine Zeitschrift aufgeschlagen um darin Ablenkung zu suchen. Eine interessante Buchbeschreibung. Deborah Feldmann „Unorthodox“. Frau Feldmann schreibt über ihr Leben als Jüdin in New York bei der Gruppierung der Satmarer. Eine der rasant wachsenden Gruppierungen der sehr orthodoxen Juden.

Tanzen: verboten. Assimilierung: nein, keinesfalls, dafür war die Strafe Gottes der Holocaust. Sex zum Spaß: nein und grundsätzlich nur an fruchtbaren Tagen ohne Verhütung erlaubt. Nachkommen zeugen: ja, viele. Frauen dazu fragen: nein. Zwangsverheiratung: ja. Studium der heiligen Schriften: nur Männer. Fernsehen, Internet, weltliche Bücher, Kontakt zur Außenwelt – also Bildung: schädlich. Vergewaltigung von Mädchen, gerne innerhalb der Familie: normal. Scheidenverkrampfung: bei Satmarerfrauen überdurchschnittlich hoch, wegen Zwangsehe, völligem Fehlen von Zärtlichkeit, Musssex. Perücke, Kopftuch, am besten Kopfhaare rasieren: ja, damit nichts den Mann „anmacht“. Rock über die Knie und am besten mit Nadeln an den Waden festmachen, damit er im Wind nicht hochrutscht.

Frauenrechte: Fehlanzeige.

Und wir denken immer an den Islam, wenn es an die Unterdrückung der Frau geht …

Les Crestes – Syrah – 2008 – Priorat vs. Akif Pirincci

Nein, doppelt nicht.
Lese ich gerade im stern über den Autor Akif Pirincci. Deutsch-türkisch, egal, tut nichts zur Sache. Schrieb gerade einen Bestseller im vulgärdeutsch der Gosse, gegen alles und jeden, bissig.

Les Crestes, eigenes Dagibild

Les Crestes, eigenes Dagibild

Egal, grundsätzlich, aber ich trinke gerade einen Les Crestes aus dem Priorat. 60% Syrah, 20 Garnacha, 20 Carinena. Eine Kirschexplosion in meinem Mund. Die Nase voller Beere mit ein bisschen Toastbrot, noch ein Tick zu viel Alkohol im Geruch. Der 2008er hätte also noch liegen können. Im Mund lang und fruchtig. Voller Sonne und doch trocken.
Und dann Akif Pirincci: „als Wutbeschleuniger vertraut er auf Rotwein“. Bäh, Antipathie macht sich in mir, mit meinem Les Crestes in mir, breit. Wutbeschleuniger. Was trinkt der Mann für Brühen? Wenn ich einen Rotwein im Mund hätte, der Wut in mir entfacht, wäre er schneller den Spültisch runter, als man Wutbeschleuniger eintippen kann.
Weiter geht es mit „wenn er zwei Flaschen Rotwein drin hat, sympathisiere er mit dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“.
Bäh, der Typ geht gar nicht und die Leute kaufen das Buch wie Semmeln. Bedenklich.
Ich fühle mich gemobbt. Fühle mich als Rotweintrinkerin gemobbt, von vulgären Typen in Gossensprache. Fühle mich gemobbt als Autorin mancher kleiner Artikelchen, die kaum einer liest, was auch unwichtig ist, von einem Typen, der Rotwein als Gossensprachenbeschleungiger verwendet und damit fett Geld verdient. Bäh.

Der Les Crestes vom Weingut Celler Mas Doix, sage ich, bringt mich zurück auf den Boden, lässt mich Geschmack fühlen und Sonne spüren und die Schönheit einer Traube sehen, wie sie im Tau eines Morgens an der Rebe hängt und darauf wartet ein schöner Wein zu werden.

Der arme Mann. Ich verbleibe für heute in Mitleid (und 2 zwinkernden Augen), dass er „in Fäkalsprache über Frauen, Muslime und Schwule“ schreiben muss, um sich seine Wutbeschleunigerplörre kaufen zu können und keinen Sinn für Gutes hat. Pffffz.

schwarzweissabgrundtiefschrecklich: Buch „Weit Gegangen“

Kann man es besser ausdrücken. Weissbrote meinen ja immer, wir sind richtig und die anderen sind bunt – ergo komisch, manche meinen sogar falsch.
Hier habe ich eine Beschreibung eines kleinen schwarzen Jungen im Sudan, der das erste Mal einen weißen Mann sieht. Man darf sich das vor Augen führen und erkennen, wie andere Völker, Rassen, Hautfarben auf andere wirken können. Nichts ist normal und deswegen ist auch nichts richtig (oder falsch). Nur dieser kleine Abschnitt ruft zu einer Toleranz auf, zu einem Verständnis auf, die so knapp beschrieben ihresgleichen sucht.

Aus dem Buch „Weit Gegangen“ von Dave Eggers:
Ich sah etwas, das aussah, wie ein von innen nach außen gedrehter Mann. Als sei er nicht vorhanden. Als sei er ausgelöscht worden. Eine Perversion oder Zerstörung eines natürlichen Zustandes.(…) Er arbeitet für die Regierung, aber heimlich. Deshalb verbirgt er sich in der weißen Haut. Er ist von innen nach außen gestülpt, und er ist in den Sudan gekommen, um herauszufinden, wie er wieder richtig rum werden kann.(…) Der Mann produzierte mehr Schweiß, als ich je bei einem Menschen gesehen hatte. (…) Ich ertappte mich dabei, dass der weiße Mann mir leidtat.

Ich kämpfte ein Wenig mit diesem Buch. Doch auf Seite 405 (siehe Zitat oben) von 765 Seiten, weiß ich, dass es mich lehrt.
Es geht um den Sudan, den Bürgerkrieg, die weltlichen Interessen, die Flucht des jungen Valentino bis in die USA. Die Grausamkeit ist mörderisch. Sie tut weh. Ich weiß nicht, warum ich am Feierabend so viel über menschliche Abgründe und Schmerz lesen will/kann. Aber es fesselt. Ich will besser verstehen, warum es Kriege gibt, was Land-, Öl-, Tier- und Menschenbesitz interessant macht und die Rasse Mensch zum bösen Tier macht. Will wissen warum Hunderte in ein kleines Boot steigen um zB nach Italien zu schippern. Will die Verzweiflung verstehen, hier in unserem behüteten Leben. Was Valentino in den USA erlebt, ist anders, nicht unbedingt besser als die hungernde tödliche Flucht durch den Sudan und das Leben im Auffanglager in Äthiopien. Die Gemeinschaft, die Freundschaft, der Familiensinn ist immer präsent, doch werden sie leider durch Armut, Hunger, Tod manchmal unwirklich und doch so wichtig für das Überleben. Keine Buchseite erholt mich, jede Seite hat grauenhafte menschliche Seiten auf den Seiten. Lesenswert, heftig, lernend, verstehend.

Buch Kapverden, fertig geworden

Autor Daniel Kehlmann in einem Interview diese Woche: Filme haben immer einen Zugang von aussen. Man sieht die Menschen, die Dinge von aussen. Ein Roman schildert die Innenansicht von Menschen. Näher kommt man der Möglichkeit ein anderer zu sein nie, als im Lesen und Schreiben.

Ja, ich stimme zu was das Lesen angeht. Kann ein guter Film uns bereichern? Ja. Unbedingt auch. Kann uns gar eine stumpfsinnige TV-Serie beflügeln, uns bereichern? Sie kann unseren Kopf abschalten, kann uns von der Arbeit herunterfahren. Ja. Aber was bleibt, nach einem langen Arbeitstag und vielleicht einer langen Hin- und Rückfahrt dann noch übrig vom Tag? Stumpfsinn? Emotionslosigkeit? Farblosigkeit? Phantasielosigkeit? Will ich nicht ein Leben nach der Arbeit haben? Sollte das Leben nicht Farbe haben? Sollte man nicht Gedanken haben? Etwas schaffen? Ja, Herr Kehlmann. Lesen und Schreiben ist die Möglichkeit ein anderer zu sein. Ich habe keinen Roman erschaffen, nur ein Reisetagebuch, aber doch bin ich in die Welt eines anderen geschlüpft, nicht in die Welt einer Figur, nur in die Welt eines Schaffenden, nur in die Welt neben der Arbeit. Dieses Projekt hat Zeit gekostet, wertvolle Zeit in einer anderen, bunteren, Welt. In der Welt des Schreibens, der passenden Illustration, nach der Welt der Fotografie, meiner Fotografie.
84 Seiten sind es geworden. 42 Seiten Text, Anekdoten. 42 Seiten Fotos, die mein Kopf gar nicht braucht, da sie darin leben. Ein Buch für das Buchregal. Ein Staubfänger, oder eigentlich ein Traumfänger. Ein Traum, ein Buch gemacht zu haben, nicht nur ein Fotoalbum. Nur so ein Buch und doch mein ganzer Stolz. Meine Arbeit. Meiner Hände Arbeit, meiner Gedanken Arbeit.

mein Buch über die Kapverden

mein Buch über die Kapverden

Nun habe ich auch Ziel 3 von 3 erledigt. Ich habe lange daran gearbeitet, wollte das letzte Ziel nicht fertigmachen, wollte aufsparen, dass ich etwas zum Fertigmachen habe. Nun …. ich werde wohl ein neues Ziel erschaffen müssen.

Film Tipp: Soul Kitchen und Die vierte Gewalt / Buch Tipp: Der Schaum der Tage

Ich bin gerade ein bisschen beinkrank, muss die rechte Verbindung von der Hüfte zum Boden hochlegen und mit Eis kühlen. Eigentlich lästig. Gibt mir aber Zeit. Zeit zum zu viel Nachdenken, ja.
Aber auch Zeit zum Lesen und Filme schauen.

Hier meine Tipps:

Empfohlen von einem guten Freund: Soul Kitchen
Ein deutscher Film von 2009 von dem Regisseur Fatih Akin. Es geht um ein Lokal in Hamburg, das nicht läuft, um Liebe, die ins Ausland geht, um Liebe, die neu entsteht, um das Lokal, welches zum Szenelokal wird, mit guter stylischer Küche, um den exzentrischen Koch, um den Bruder (Moritz Bleibtreu – yep, mein liebster deutscher Schauspieler!), der im Knast sitzt und Freigang hat, um Kleinkriminalität, um warmherzige Hochs und Tiefs.
Ein toller Film, kurzweilig und voller alltäglicher Eindrücke.

Die vierte Gewalt
Ein deutscher Film von 2013, der von Ilmenauer Studenten produziert wurde. Erst war es nur ein Schulprojekt, dann wurde es ein Spielfilm, mit auch ein paar professionellen Schauspielern, die dazu gewonnen werden konnten. „Die Vierte Gewalt“ thematisiert einen Amoklauf – an einer fiktiven Universität, in einer fiktiven Stadt. Sehr beeindruckend die Geschichte, die Machart, die Ideen, die Leistung dieser Studenten, diesen Film gemacht zu haben! Sehr wachrüttelnd. Freundschaft, selbstauferlegter und fremdauferlegter Druck, Ängste, Flucht.

Buch: Der Schaum der Tage von Boris Vians, geschrieben 1947

Schaum der Tage

Schaum der Tage

Uuuuhhuuuu, was soll ich sagen… es gilt als eines der größten Liebesromane. Als ich es erstand, fand ich auch die Ausgabe für ein Schnäppchen von 382,11 Euro. Äh, muss ein Kultbuch sein. Ich nahm trotzden die normalgünstige Ausgabe und verzichtete auf die Ausgabe, die evtl. den Fingerabdruck des Autors beinhaltet oder auch nicht.
Es geht um Liebe, surreal, es geht um Fantasien, um skurilles, um Sätze, die man schöner kaum schreiben könnte. Jaaaaa, aber es gibt auch Tod, Leichen, Mord, viel Traurigkeit. Deswegen bin ich hin- und hergerissen und verbleibe unterm Schnitt: lesenswert auf alle Fälle, aber Kategorie schönste Liebesromane der Weltgeschichte: Neeee. Auf den Film, der gerade herauskam, verzichte ich dankend.

Buch Tipp: Symbiose der Macht

Buch von Michael von Dexheim.
Um was geht es?
Um unseren Körper, unsere Gesundheit, unsere Krankheiten, unsere Nahrungsaufnahme. Um sinnlose Medikamentation.
Herr von Dexheim beschreibt, offenbar bestens recherchiert, wie wir von der Pharmaindustrie, von den Ärzten aller Fächer und auch der Nahrungsergänzungsmittelindustrie mit all dem versorgt werden was gutes Geld einbringt und uns vielfach schadet. Ein Buch für gute Nerven, da man am Schluss weiss, dass man niemanden trauen darf oder viel mehr soll.
Ich bin hin- und hergerissen. Seine Studien sind gut, seine Erklärungen durchweg sinnig, einleuchtend. Andererseits, … will jemand der Krebs hat, wirklich wissen, dass ihm keine Chemo und kein Medikament hilft und er Kraft gesunder Lebensweise wieder gesund wird bzw. nie Krebs bekommen hätte? Will ein Freund von mir, der sein Kind mit 3 Jahren an Leukämie verlor, wissen, dass er mit der ganzen Chemo und den Medikamenten nur schadete, den Lebens(Sterbe)prozess verkürzte und die Pharmaindustrie reich machte?
Vieles was von Dexheim schreibt ist ja auch logisch, dass jeder Industriezweig in erster Linie Geld verdienen will und muss und erst in zweiter Linie das Wohl der Menschen im Sinn hat, ist doch klar. Das Ärzte und Wissenschaftler genau so käuflich sind, wie andere Berufsgruppen leider auch. Ich gebe dir Geld, sage mein Medikament ist super. Korruption gibt es in jeder Branche.

Ja, ich empfehle das Buch. Es regt an und sagt mir mal wieder, dass Leichtgläubigkeit gefährlich sein kann und der gesunde Menschenverstand nicht ausser Acht gesetzt werden sollte, auch und gerade dann, wenn man krank wird.
Hilft das Buch zum Vorbeugen? Keine Ahnung, da wären wir mal wieder beim Genuss und wo fängt Fanatismus in der Nahrungsaufnahme an oder Misstrauen gegen Ärzte und alles. Kann man alleine durch Kraft der Gedanken gesund sein/bleiben? Ich bezweifle es. Ein Kranker braucht doch auch die Hoffnung in die Therapie um weiterzuleben. Denke ich.

Ein halbvolles Buch

Mein Buch ist halb gelesen. Es ist halb erlebt.
Oder ist mein Buch derart geschrieben, dass es an Spannung zunimmt? Das noch etwas kommt, für dass es sich lohnt noch ein paar Seiten zu wagen?
Habe ich den Mut noch ein Kapitel aufzuschlagen? Ein neues Kapitel in Teil 2?
Oder wäre es noch schöner, wenn es nicht so spannend wie Teil 1 wäre und mir hingegen Ruhe gebe, ich mich zurücklehnen könnte und ein paar Seiten umschlagen könnte?
Oder weiss ich, dass ich das Ende, welches kein happy end werden kann, nachdem was Teil 1 mir zu lesen gab, nicht erlesen will?
Ein halbvolles Buch. Oder war es bis jetzt ein halbleeres? Könnte es nicht schön sein ein wenig hin- und herzublättern, bevor das Ende zu erlesen ist? Die Buchstaben hüpfen vor meinen Augen, lassen mich des Lesens müde werden.