Wenn Bettschuhe zum Einsatz kommen

Wenn Muttis uralte Bettschuhe zum Einsatz kommen, weiss man, dass der Herbst hereingezogen ist –
Oder/Und ich ganz doll viel Geborgenheit brauche.
Sie sind alt, gebraucht, vielleicht auf ihre Art hässlich, doch Kult. Nichts zum jemals wegwerfen. Es ist schön peinlich zu sein.
Wollt so schön wollig am Fuss, der von draussen kam und die Nacht mitbrachte.

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Nachtrag zur Nacht: Nachdem gewärmte Füsse mich schlafen liessen, lies sich ein Traum zu mir herab. Ich erwachte und ein Flugzeug (Passagierflugzeug, gross, weiss) flog so dicht über mein Haus, dass ich die Unterseite mit den Lichtern deutlich sehen, fast greifen, konnte. Es rauschte in meinen Ohren, ich spürte fast den Lärm des Flugzeuges. Ich wollte aufstehen und hinausschauen, warum es so tief über mir flog, dachte (träumte?) es wird kurz hinter meinem Haus zerschellen, schlief dabei wieder ein. Dies passierte zweimal in dieser Nacht. Ich weiss nicht, ob ich überhaupt erwachte oder sogar das Erwachen mit diesem Riesenrauschen in den Ohren träumte. Doch dachte ich im Raum, im Traum, an die Bettschuhe und an Mutti. Das Flugzeug kam vielleicht vom Himmel, auf einen kurzen Besuch.

heute Nacht geträumt

Hungersnot. Aus Russland werden 1960 (häh Russland? was für ein Datum?) Leute gesendet. Sie wurden dort falsch gemeldet. Sie laufen in Reihe zu unserer Grenze. Die meisten sind schon tot. Sie werden in offenen weissen Plastikschalen gestappelt. Manche haben Masken auf oder bunt gemalte Schminke. Ich habe ein Meerschweinchen. Es hat zu essen – oder wir. Ich will es nicht sterben lassen. Ich gebe ihm von unserem Korn, streichle es und sage zu Mama, wenn es grösser wird, kann es uns besser ernähren als jetzt, wenn es so klein und dünn ist. Da sieht es aus, wie eine kleine dünne Maus und im Käfig verbrennt es seinen Schwanz an einer Batterie. Der Strom fällt aus und Mama sagt, jetzt haben wir nicht mal mehr Strom und ich sage, dass ist meine Schuld – wegen der Maus. Ich weine und weine und weine. Ich frage Mama warum wir noch weitermachen sollen und sie sagt, weil es immer Jemanden gibt, dem es schlechter geht. Und ich weine in ihrem Schoss und weiss sie geht weg, dass ich weiterleben kann. Wir schauen die kleine Maus an, sie ist ganz schwarz verbrannt und ihr Schwänzchen steht hoch wie eine abgebrannte Lunte. Ich weine und weine und Mama streichelt meinen Kopf.