nix Neues im Westen

Puuuh, ich habe meine ganz uninspirierte Phase… zum einem fehlt mir mein Blog – zum anderen fehlt es mir an Zeit, dass es masslos zu nennen ist. Und dann die völlige Anti-Inspiration in der Presse. Flüchtlingspolitik rauf und runter und ich werde es nicht kommentieren. Ich bin mediengesättigt.

Und nun flog mir beim Ausmisten im Rechner die kleine Geschichte in die Hände, die ich anfing und bis jetzt nicht zu Ende schrieb.  Hah! Nichts masslos schreckliches, kein massloser Aufreger, kein Frust, kein Zeitfresser, einfach nur ein Schmunzler für diese Welt:

Ich im November. Zurück auf Arbeit fragt mich ein Kollege, ob es eigentlich ein komisches Gefühl ist, in Südafrika (auf der Südhalbkugel), wenn die Sonne im Westen aufgeht… ich habe ihn angeschaut… verblüfft, weil es war ihm ernst… und habe ihn dann gefragt, ob es nicht verblüffend ist, dass er überhaupt noch mit mir reden kann, weil ich doch eigentlich auf der Südhalbkugel hätte nach unten herunterfallen müssen… der andere Kollege meinte dann noch (gottseidank aus Spaß), dass auf der Südhalbkugel rot wie grün aussieht (Komplementärfarben andersrum)… ich sagte dann, dass ist ja logisch, wegen der anderen Wellenlänge des Lichtes, weil die Sonne ja im Westen aufgeht… Beim Einschütten eines Bieres in ein Glas wird dann das Glas auch erst oben voll… Wenn die Sonne auf der Südhalbkugel im Westen aufgeht, heißt das, daß die Süd- und Nordhalbkugel gegenläufig rotieren. Damit ist der Äquator als Gleitlagerstelle zu betrachten, an dem die Nord- und die Südhalbkugel mit einer Relativgeschwindigkeit von ca. 1666 km/h x2= 3332 km/h aneinander vorbeigleiten. Das bedeutet, daß eine Straße, die den Äquator übertritt, alle 24 h für wenige Hundertstel Sekunden eine durchgängige Fahrbahn bildet und damit nur alle 24 h ein einziges Fahrzeug durchlassen kann. Und das auch nur, wenn der Fahrer nicht pennt und am Handy rumspielt.

Nun zurückkommend auf die Flüchtlingspolitik… da haben es die Flüchtlinge von der Südhalbkugel wirklich schwer rüberzupaddeln, ob dieses Wissen die Politiker beruhigt oder ob sie noch nicht darüber nachgedacht haben, wenn Westen zu Osten wird? Schmunzel.

Sonnenuntergang

 

 

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Tipps!?! und kleine Beobachtungen in Südafrika

tiereTiere
Hautnah und doch nicht im Zoo sind just stunning. 10 Meter entfernt liegt ein Gepard und schaut gemütlich den Springböcken zu. Entfernt die Rhino-Mama mit ihrem 14 Tage alten spielenden Nachwuchs. Ein Elefant verwüstet gerade einen Baum und 3 Giraffen schreiten vorbei. Unglaublich.
EssenEssen
In Oudtshoorn im Jemima. Tolle abwechslungsreiche Küche vom auf den Punkt gebratenen Strauß, über das Nationalgericht Boboetie bis zum vegetarischen Gericht, was weltweit seines gleichen sucht. Erstklassiger Service zu ganz normalen Preisen.
Buch.jpgReisebuch
Ein Land im Umbruch von Edith Werner
Informativ und so geschrieben, dass man immer weiterlesen möchte.
Einkaufen in Barrydale

Hardys memories of Africa an der Route 62.
Sehr schöne und außergewöhnliche Stücke, Aloe Vera-Produkte, Angora-Decken und vieles mehr. Hardy ist Deutscher, seine Frau Asiatin, die sehr freundlichen Mitarbeiter Schwarze. Unaufdringlich, freundlich, Kunst und wertige Souvenirs.

Arniston

Seele baumeln lassen
in Arniston. Das 200 Jahre alte Fischerdorfviertel und die Küste sind ein Traum fern ab vom Trubel. Das 4*-Hotel ist erste Sahne. Die Ferienhäuschen traumhaft.
KirstenboschMusik
Sonntags im atemberaubenden botanischen Garten Kirstenbosch, in dem die Leute zum Picknick sitzen, mit einem Weisswein im Kühler. Ich durfte durchschlendern und „Freshly Ground“ hören (nicht sehen, da ich nur die Garteneintrittskarte hatte), angesagt, aus Kapstadt und international gefragt.
KapstadtCornelia, Tourguide
Eine Xhosa aus dem armen Township Langa, die ein so wundervolles englisch hat, dass man sich darin verlieren möchte. Mit Leidenschaft fährt sie den kleinen Touribus rund ums Kap der guten Hoffnung und singt uns sogar zwei Lieder in ihrer Sprache, zwischen den Erläuterungen. Sie macht Hoffnung, dass es mehr werden, die in den wenigen Jahren seid dem Ende der Apartheid (1994) das Recht auf Bildung haben und Zugang zu einer Zukunft, die es erlaubt Geld zu verdienen und herauszukommen, mind. in eine Mittelschicht.
EndeZurück in Kapstadt
Ich wohne zentrumsnah und es fühlt sich an wie in einem Szeneviertel. Freitagabend, die Lokale sind voll. Ich ergattere einen Platz an der Bar, esse gut, trinke gut. Ich höre den Stimmen zu und mir wird bewusst, wie freundlich und höflich das Personal miteinander umgeht. Immer ist untereinander ein Bitte und Danke zu hören. Bob, a bottle sparkling, please. Ann, thank you. Are yoy enjoying your meal, dear?
Auch die Polizistin, die den Wagen zur Verkehrskontrolle anhält, fragt erst mal wie es geht und man antwortet fine, and yourself?
Freundlichkeit ist Standard.
Und wenn das Danke noch mit cool, thank you ergänzt wird, dann hat man alles richtig gemacht. Cool ist eigentlich cooler als thank you.
sampler1

separated

Tears for years
Ich hungere nach Deiner Berührung

Driving through landscape
Schau in meine Augen
Love the shades of brown and green
Sieh meine Liebe darin
Fear and hunger in me
Deine Hände auf meinem Körper
Scenary of wideness
Die Zartheit Deiner Haut
Kind of freedom
Geruch bleibt im Raum
Flowers sweeping in the wind
Meine Stimme wispert in Dein Ohr
Music touches my ears 

Interessiert durch Südafrika

Lesen

Wie kam es zum Beispiel zur Apartheid? Die ersten Siedler waren rheinische und niederländische Bauern, die Buren. Ihr calvinistischer Prädestinationsglaube ging von der Ungleichheit der Menschen aus, die Gott nach eigenem Ermessen in Auserwählte und Verdammte geteilt hatte. Diese waren in der Wahrnehmung der Buren genau jene dunkelhäutige Bevölkerung, mit denen man es am Kap zu tun hatte. Es ist unermesslich unglaublich, was sich der Mensch alles einreden konnte und auch in 2015 noch tut, um seine aberwitzigen Gedanken, um Land zu eigen zu nehmen, als einzig wahr zu verbreiten. Im Namen Gottes, immer wieder. Well, und dann kamen die Briten und ihr Gott oder Präsi fand die Buren nicht so toll. Sie hetzten die schwarzen Völker gegeneinander auf und lösten Kriege und kriegerische Völkerwanderungen aus. Und so dreht sich das Rad, mal nach da mal nach da. 260 Jahre Koloniestaat folgte bis 1910 und dann ging es bis 1994 mit den Blüten der Apartheid erst richtig los. Kleiner Ausflug in die Geschichte… Heute gibt es noch immer die weissen schönen Häuser und die vermüllten Gebiete der Schwarzen. Vieles ist ungleich wie eh und je.  

Beobachten

Wird die Stirn eigentlich immer höher, wenn man (vor allem die Frauen) immer diese sehr straffen Zöpfe bindet? Zieht das nicht an den Haarwurzeln? Warum sind 90% (?) der Frauen stark übergewichtig? Sie sagen übrigens: we are not fat, we are big. Was essen sie, dass es so ist und warum ist der dicke Prozentsatz bei Männern niedriger? Dann Kapstadt-Mitte: eine kleine Gruppe Chinesen macht Thai Chi und lebt ihre Traditionen. Eine Gruppe schwarzer und weisser Trommler sitzt vor einem Pub und trommelt zusammen. Warum beklagt mein weisser Kollege in South Africa, dass sein Sohn nur 67% in der Schule erreicht hat, mit den Worten ‚and that for a boy. I must go home now teaching my son‘. Uh, für einen Jungen also… Apartheid zu Hause?

Zuhören

All diese Sprachen. All diese Varianten des Englisch. Jeder spricht englisch, irgendwie, es ist die Geschäftssprache und doch sind es nur 9,1% der Bevölkerung, die es als eigen bezeichnet. Draussen vor dem Fenster die unbekannten schreienden Vögel. Samstagabend in Kapstadt und die Gäste aus meinem B&B nehmen mich mit auf einen Salsa-Kongress. Es gab eine über 2-stündige Show und der letzte und längste Auftritt war eine Gruppe mit traditionellem Zulu-Tanz, das kann sicher nur hier hineingemixt werden. Klasse, und die Salsa-Anhänger johlen. Die Tanzkunst auf die Latino Mukke der anschliessenden Party fast am Kap der guten Hoffnung stand der unseren in nichts nach, nur gab es mehr Kleider mit Tiermustern und traditionelle Bemalung auf schwarzen und weißen Gesichtern.

Was für eine wahrlich grosse Regenbogennation.

eine Nacht im Flugzeug

und man betritt eine andere Welt, ein anderes Wetter, andere Kulturen, anders anders. Südafrika.


Es gibt diese Dinge, die sich nie ändern. Die Begeisterung am Meer zu sein, das Wohlfühlen der Füße im Sand zu Laufen, der unvergleichliche Geruch des Salzwassers und die pure Lust ein schönes Muschelstück zu suchen. Mit den Wellen ist es wie mit offenem Feuer, wenn man die Veranlagung hat, kann man nicht aufhören zuzuschauen und hineinzuhorchen.

Kino Tipp: Mandela: Der lange Weg zur Freiheit

Gänsehaut, Mitgefühl, Tränen, Schmerz, Wut, Stolz, Empathie. Das ist das, was mich 152 Minuten lang bewegte.

Mandela 1990, Bild aus Internet

Mandela 1990, Bild aus Internet

1990, das Bild von Nelson Mandela’s Freilassung ist tatsächlich in meinem Kopf eingebrannt. Ich weiß nicht, ob ich es damals im Fernsehen sah oder in der Zeitung. Aber es brannte sich ein. Als ich es heute perfekt nachgestellt im Kino sah, war es sofort wieder da. Und all die Gefühle. Auch ich gehörte damals wie heute zu seinen Fans. Ein ganz grosser Mann der Weltgeschichte. Der Kinofilm ist ERSTKLASSIG! 152 Minuten, die mir gerne in doppelter Länge noch viel mehr erzählt hätten.

schwarzweissabgrundtiefschrecklich: Buch „Weit Gegangen“

Kann man es besser ausdrücken. Weissbrote meinen ja immer, wir sind richtig und die anderen sind bunt – ergo komisch, manche meinen sogar falsch.
Hier habe ich eine Beschreibung eines kleinen schwarzen Jungen im Sudan, der das erste Mal einen weißen Mann sieht. Man darf sich das vor Augen führen und erkennen, wie andere Völker, Rassen, Hautfarben auf andere wirken können. Nichts ist normal und deswegen ist auch nichts richtig (oder falsch). Nur dieser kleine Abschnitt ruft zu einer Toleranz auf, zu einem Verständnis auf, die so knapp beschrieben ihresgleichen sucht.

Aus dem Buch „Weit Gegangen“ von Dave Eggers:
Ich sah etwas, das aussah, wie ein von innen nach außen gedrehter Mann. Als sei er nicht vorhanden. Als sei er ausgelöscht worden. Eine Perversion oder Zerstörung eines natürlichen Zustandes.(…) Er arbeitet für die Regierung, aber heimlich. Deshalb verbirgt er sich in der weißen Haut. Er ist von innen nach außen gestülpt, und er ist in den Sudan gekommen, um herauszufinden, wie er wieder richtig rum werden kann.(…) Der Mann produzierte mehr Schweiß, als ich je bei einem Menschen gesehen hatte. (…) Ich ertappte mich dabei, dass der weiße Mann mir leidtat.

Ich kämpfte ein Wenig mit diesem Buch. Doch auf Seite 405 (siehe Zitat oben) von 765 Seiten, weiß ich, dass es mich lehrt.
Es geht um den Sudan, den Bürgerkrieg, die weltlichen Interessen, die Flucht des jungen Valentino bis in die USA. Die Grausamkeit ist mörderisch. Sie tut weh. Ich weiß nicht, warum ich am Feierabend so viel über menschliche Abgründe und Schmerz lesen will/kann. Aber es fesselt. Ich will besser verstehen, warum es Kriege gibt, was Land-, Öl-, Tier- und Menschenbesitz interessant macht und die Rasse Mensch zum bösen Tier macht. Will wissen warum Hunderte in ein kleines Boot steigen um zB nach Italien zu schippern. Will die Verzweiflung verstehen, hier in unserem behüteten Leben. Was Valentino in den USA erlebt, ist anders, nicht unbedingt besser als die hungernde tödliche Flucht durch den Sudan und das Leben im Auffanglager in Äthiopien. Die Gemeinschaft, die Freundschaft, der Familiensinn ist immer präsent, doch werden sie leider durch Armut, Hunger, Tod manchmal unwirklich und doch so wichtig für das Überleben. Keine Buchseite erholt mich, jede Seite hat grauenhafte menschliche Seiten auf den Seiten. Lesenswert, heftig, lernend, verstehend.