filmographische Erotik oder auch nicht

Den Film Nymphomaniac habe ich gesehen. Beide Teile, obwohl Teil 2 totgeschwiegen wurde. Raus aus der Presse, raus aus den Köpfen. Zu hart. Zu tabu. Und irgendwie auch völlig unnötig, null erotisch, nullkommanix von muss-man-gesehen-haben, nur brutal und selbstzerstümmelnd.
50 Shades of Grey habe ich gesehen. Die Erotik darin, sein Kampf gegen die Liebe, den er nicht gewann. Liebe, die er nicht zulassen will. Niemand spricht von dieser magnetischen Anziehungskraft, die die beiden Hauptdarsteller zueinanderführt und verbindet. Nur das Bäh-Wort SM. Verkauft sich einfach besser als eine Liebesgeschichte. Das ist der Punkt. Die Bücher interessierten mich nicht, 3 Bände SM für Hausfrauen (so der Pressekonsens), zu „so was“ habe ich weder Zeit noch Lust. Der Film lehnt sich nur an das Buch an, ist wohl etwas anderes. Vielleicht sollte man den Film auch gar nicht mit den Büchern in Verbindung bringen, eigenständig sehen.
In unserer sexualprüden Welt der Filme gehen diese Filme die Presse rauf und runter. Warum eigentlich? Das Blut darf allabendlich zur Entspannung spritzen – nur nackte Körper, nein, sie wollen wir nicht sehen. Meist womöglich nur, weil sie schöner sind als unsere Körper oder auch nur schöner als der Körper des Partners. Das tut weh, will man nicht mit konfrontiert werden. Für mich sind die beiden Filme voll Charaktere, Kunst, gute Aufnahmen und eben das Auseinandersetzen mit Erotik, mit Körpern, mit Lust, verständlicher Lust oder unverständlicher. Horizonterweiternd.
Was darf, was darf nicht. Und wer bestimmt das eigentlich?
Stellt sich nicht viel mehr die Frage wieviel Nicht-Erotik eine Beziehung verträgt, als wie viel Erotik gut ist? Erotik ist doch die Lust und Freude den anderen zu berühren – gleichsam wie berührt zu werden. Wie kann das verwerflich sein?
Ein Unberührter oder ein Pflichtberührter wird immer wieder über seinen Schatten springen wollen bis zum Fremdgehen und er wird es immer wieder tun oder – er wird sich einfach aufgeben.
Wie kann man seinen Körper verstecken, verstecken vor dem Wunsch zu fühlen. Was sind Worte, Worte des gedanklichen Verständnisses füreinander gegen das Gefühl angenommen und angekommen zu sein? Erotik ist das Prickeln der Handfläche, die über den Rücken des anderen streichen darf, ist die Ananas, die er unter spanischer Sonne über ihre Brustwarze streicht. Erotik ist zusammen lachen. Erotik ist Magnetismus in den Händen, in den Augen, im Körper zu spüren und zusammen am Gashahn drehen und durch Kurven wedeln und sich über die gleichen Dinge freuen. Für andere geht es eben weiter. Auch nicht verwerflich.
Wer vermag – für andere – zu entscheiden, wann es – für andere – zu weit geht?
Nymphomaniac und 50 Shades zeigt uns übertriebenes, was man ja eh nicht tut, die allerwenigsten zumindest. Also sind es nur Filme. Warum gibt es kaum Filme über Gefühlskälte, über Bruder-Schwester-Beziehungen? Weil die Zuschauer sich darin wieder finden könnten? Viel mehr, als in erotischer Filmographie? Weil sie dann aus dem Film oder aus dem Buch gehen und in ihrem Leben dies erleben und dann logischerweise den Film/das Buch als Mist abtun. Nicht gut für die Zuschauerzahlen – nicht gut fürs eigene Ego.

Filmtipp: Sozialkritik vom Feinsten

Heute möchte ich 2 ausgezeichnete Filme vorstellen. Derzeit aktuell im Kino. Must see!

 

Qissa – Der Geist ist ein einsamer Wanderer (Indien/Deutschland 2014)

Bild aus dem Web

Bild aus dem Web

„Religiöse und ethnische Konflikte führen im Jahr 1947 zum Auseinanderbrechen von Britisch-Indien und zur Gründung der beiden unabhängigen Staaten Indien und Pakistan. Wie viele seiner Zeitgenossen ist der Sikh Umber Singh dazu gezwungen, seine Heimat zu verlassen und sich in der Fremde eine neue Existenz aufzubauen. Um seine eigene Identität dort zu kräftigen, braucht Singh einen Sohn, bisher hat seine Frau lauter Mädchen geboren. Also beschließt der autoritäre Patriarch, seine vierte Tochter „junger Prinz“ zu nennen und sie als Mann zu erziehen …“

Mein Kommentar: Puh, das ist harter Tobak. Der Film geht ganz schwer auf das Gemüt. Da wird man traurig und der Klos im Hals wird immer größer. Herzzerreißend. Aber unheimlich sehenswert, wie Klischees, Religion, konservatives Denken den Menschen – den (indischen) Mann – treibt. Sicher ist auch manches auf das heutige Indien und der Umgang von Mann und Frau und mit der Religion übertragbar. Zum Nachdenken. Unbedingt anschauen.

Monsieur Claude und seine Töchter (Frankreich 2014)

Bild aus dem Web

Bild aus dem Web

„Monsieur Claude und seine Frau Marie sind ein zufriedenes Ehepaar in der französischen Provinz und haben vier ziemlich schöne Töchter. Am glücklichsten sind sie, wenn die Familientraditionen genau so bleiben wie sie sind. Erst als sich drei ihrer Töchter mit einem Muslim, einem Juden und einem Chinesen verheiraten, geraten sie unter Anpassungsdruck. In die französische Lebensart weht der raue Wind der Globalisierung und jedes gemütliche Familienfest gerät zum interkulturellen Minenfeld. Musik in den Elternohren ist da die Ankündigung der jüngsten Tochter, einen – Halleluja! – französischen Katholiken zu heiraten. Doch als sie ihrem vierten Schwiegersohn, dem schwarzen Charles, gegenüberstehen, reißt Claude und Marie der Geduldsfaden…“

Mein Kommentar: Herrlicher französischer Humor, wundervoll wie Rassismus eingespielt wird. Herrlich wie der Jude über den Chinesen, der Araber über den Juden, der Chinese über den Schwarzen, der schwarze Papa über den Franzosen und wieder zurück im Kreis jeder über jeden herzieht und jedes Klischee auf den Tisch kommt. Und letztendlich ist die Moral von der Geschichte: Jeder kann mit jedem! Wundervolle Kritik an länder- und religionsübergreifenden Vorurteilen! Zum Schlapplachen und Nachdenken! Sozialkritik mit Humor gewürzt. Sehenswert.

 

 

 

Geldspielchen, damals und heute

Der deutsche Doku-Film Der schwarze Freitag – New Yorker Börsenkrach 1929 aus dem Jahre 1966 mit Curd Jürgens in der Hauptrolle ist schauspielerisch katastrophal

aber

der Inhalt ist so präsent wie eh und je – 1929 – 1966 – 2014, wenn nicht gar noch präsenter wie je. Spekulation mit nicht vorhandenen Geldern, Börsenkrach, Verschuldung auf Papiergeld, Verleihung von Geld, das es nicht gibt, Bankenspielchen, Vetternwirtschaft, gemachter Fall und Anstieg von Aktien. Wie einst, noch heute. Fragen und Antworten, die auch ein NichtFinanzExperte danach besser verstehen kann. Passagen dreimal anhören lohnt sich.

Danke, Peter, für den Link!

Hoeneß hinter Gitter? Es berührt mich nicht. Dies ändert gar nichts, nun kostet er uns Steuerzahler auch noch Geld und lebt und isst erst recht auf meine/unsere Kosten. Ich sage freiweg: lasst ihn raus (falls das Urteil rechtskräftig wird), lasst ihn sein Leben mit seinem Geld bestreiten und lasst ihn Strafen bezahlen, dass ihm der Rest seines Lebens jedes Würstchen im Hals stecken bleibt. Einsperren als Abschreckung? Daran glaube ich nicht.

3 Jahre nach dem GAU: Meine Tante aus Fukushima

Um was geht es: „Es war der Super-GAU schlechthin. Am 11. März 2011 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 9 große Teile Japans. Der anschließende Tsunami führte im Atomkraftwerk Fukushima zu einer Kernschmelze. Große Mengen radioaktiver Stoffe traten ans Freie und verseuchten weite Landstriche. Tausende Menschen der nahegelegenen Stadt Namie mussten zwangsevakuiert werden. Unter ihnen auch die Geschäftsfrau Kuniko, die zu dieser Zeit in Namie einen Hochzeitssalon, ein Bestattungsunternehmen und eine Bäckerei unterhielt.

Bild aus dem Internet

Bild aus dem Internet

Die in London lebende Filmemacherin und Nichte Kyoko Miyake von Tante Kuniko führt uns durch die Geschichte, drehte diese 78-minütige Reportage mit einfachen Mitteln und kleinem Team, recherchierte, sprach mit den Menschen vor Ort. Sehenswert, nachdenkenswert, auch für AKW-Befürworter: anschauen und nachdenken. Sauberer Strom ja, keine Frage, aber seht diese Berge von dekontaminierter Erde, die sich in Säcken stapelt bis ans Ende der Welt. Seht die Endlagerungen, die nicht als Endlager funktionieren. Seht die Traurigkeit in den Augen derer, die keine Heimat und keine Arbeit mehr haben und die in winzigen Barracken wohnen, statt in ihren schönen Häusern. Seht die, die selbst die Fotoalben ihrer Familien zurücklassen müssen. Hört ihre Gedanken und ihre Lieder.

Und heute in den Nachrichten zum morgigen Jahrestag: Jodtabletten für’s deutsche Volk und dazu Evakuierungspläne. Hmmm, vielleicht ein paar Schaufenster weniger beleuchten? Ob mein bisschen Rechner-An den Kohl fett macht? Ja, er trägt auch dazu bei… dafür leuchtet nur eine Energiesparfunzel dazu und die Heizung ist aus. Und so hat jeder für sich eine Wohlstandsausrede.

Ich hänge hier den Link zur ARD-Mediathek, weiß aber natürlich nicht, wie lange das funktioniert.

Film: „Secret State“ – Reality Show??

Politische Miniserie Secret State von 2012: Machtintrigen, Finanzwelt, Umweltsünden für Arbeitsplätze, Kriegstreiberei aus Wirtschaftsinteressen, Ablenkungsmanöver –> Gut gemachte Story und durchweg klasse Besetzung. Leider zu kurz.

Secret State, Bild aus Internet

Secret State, Bild aus Internet

Die Kritiken zur englischen Miniserie sind unterschiedlich. Ich habe sie an einem Abend weggeschlungen. Natürlich ist alles ein bisschen übertrieben dargestellt (ist es das WIRKLICH?), aber wenn es zu subtil versteckt wird, merkt es ja keiner und denkt nicht darüber nach und die Serie verkommt zur Abendbeplätscherung, Einreihung zwischen Bauer sucht Frau und amerikanischen Krimiserien ohne Tiefgang. Es muss nicht superreal sein, es ist ja schließlich ein Film, nicht wahr? Ich finde die Story anregend. Die Serie zeigt uns schön, wie die Oberen da oben auf Kosten der Unteren da unten ihre Finanz- und Machtspielchen ausleben, um jeden Preis.

Demokratie ist, wenn ein paar machthungrige Typen im Unterhaus (hier, weil es eine englische Serie ist) entscheiden, was das Volk offensichtlich nicht will. Ja, so sieht es doch stellvertretend in (fast?) jedem Land aus. Klasse gemachter Augenöffner. Reality Show.

–> zum Beispiel noch bei Arte in der Mediathek anschaubar oder DVD besorgen

Kino Tipp: Mandela: Der lange Weg zur Freiheit

Gänsehaut, Mitgefühl, Tränen, Schmerz, Wut, Stolz, Empathie. Das ist das, was mich 152 Minuten lang bewegte.

Mandela 1990, Bild aus Internet

Mandela 1990, Bild aus Internet

1990, das Bild von Nelson Mandela’s Freilassung ist tatsächlich in meinem Kopf eingebrannt. Ich weiß nicht, ob ich es damals im Fernsehen sah oder in der Zeitung. Aber es brannte sich ein. Als ich es heute perfekt nachgestellt im Kino sah, war es sofort wieder da. Und all die Gefühle. Auch ich gehörte damals wie heute zu seinen Fans. Ein ganz grosser Mann der Weltgeschichte. Der Kinofilm ist ERSTKLASSIG! 152 Minuten, die mir gerne in doppelter Länge noch viel mehr erzählt hätten.

Glück und Freude ’sowas wie Glück‘

Gestern habe ich in einer Mediathek den Reportagenfilm von und mit Anke Engelke angeschaut. „Sowas wie Glück“ (60 Minuten).
Beschreibung aus Spiegel Online Kultur: Engelke sucht das Glück zuerst da, wo man es am wenigsten vermutet: auf einer Kinderkrebsstation, am Bett eines Mädchens, dem man gerade den tumorbefallenen Magen entfernt hat. „Wenn die mir den Magen weggenommen haben“, will die frisch Operierte mit der langen Narbe auf dem Bauch wissen, „wo sind dann die Schmetterlinge jetzt?“. (…) So castet sie für ihren „Chor der Muffligen“ unglückliche Menschen, die durch das gemeinsame Singen froher werden sollen – tatsächlich steigen die entsprechenden Hormone im Speichel der Sänger während der dreimonatigen Probenzeit messbar an. (…) Dann sitzt Engelke bei einem Paar auf dem Wohnzimmersofa, das 60 Jahre miteinander verheiratet und glücklich damit ist.

Eine sehr beeindruckende Reportage mit unheimlich tiefsinnigen Aussagen, vor allem der sehr jungen Menschen. Ich hatte Gänsehaut, feuchte Augen und ein tiefes Nachdenken schlich sich in mich ein. Glück? Was ist das?
Vor einiger Zeit hatte ich über Glück und Zufriedenheit geschrieben. Freude ist wohl wieder etwas anderes. Glück und Freude.
Ich gehe mit Anke Engelke nicht mit, wenn sie das Gefühl Glück damit in Zusammenhang bringt, dass Menschen über drei Monate hin miteinander singen. Dass hierbei ein gutes Gefühl entsteht, sich mind. einmal die Woche mit Gleichgesinnten zu treffen, zu singen, und zwar fröhliche Lieder, kann gar nicht anders sein oder werden, wie positiv auf die Menschen einzuwirken. Es trafen sich dort an die hundert Menschen, einsame, unglückliche, ansatzdepressive. Dass die sich nach den drei Monaten definitiv besser fühlten ist doch klar. Sie hatten eine Aufgabe, eine schöne Aufgabe und ein Ziel und Gemeinsamkeit. Sicher haben sich auch Freundschaften gebildet. Ich bezeichne das als Freude, als Freude daran etwas gemeinsam zu tun. Glück, kann sich, glaube ich, nicht nach drei Monaten in einer einmal-in-der-Woche-Gemeinschaft manifestieren. Glück ist ein ganz tiefes Gefühl, dass sich durch jede Zelle bewegt, von oben nach unten und durch den Bauch schwappt.
Ist es Glück oder Freude, wenn man sich etwas kauft, was man vielleicht gar nicht braucht? Ich glaube, dass es Freude ist. Freude an etwas Neuem. Glück kann sicher nicht durch einen Kauf entstehen. Ich kaufe mir kein Glück, jedoch Freude.
Ist es Glück oder Freude sich mit einem neuen Ding zu beschäftigen, sagen wir ein neues Motorrad? Ich denke, es ist Freude. Ich kann mich daran erfreuen, ja, auf jeden Fall. Ein Glücksgefühl macht sich nicht breit. Keine Schmetterlinge schwirren durch meine Zellen.
Es gibt Menschen, die sehe ich an und empfinde Glück. Es gibt Menschen, die treffe ich und empfinde Freude.
Der Chor hat Freude entwickelt, ganz sicher, wie man es definiert ist letztendlich egal. Es ist durch das Projekt etwas Gutes entstanden, das zählt. Glück ist es für mich nicht. Ich glaube, Freude hält nicht so fest und so lange an, wie Glück, welches in die tiefsten Schichten geht.
Ich denke, Glück ist das, was die Beispiele in der Reportage zwischen den Menschen zeigen, den Kranken, den Geheilten, den Todkranken, dem alten Paar. Glück ist viel näher an Liebe als Freude. Freude ist viel näher an Materiellem als Glück. Freude ist viel näher an Freundschaft. Glück ist näher an Liebe.
Danke an Anke Engelke für die bereichernde Reportage.