Was ist ein Weinkenner – Teil 3

Zweifellos ist es möglich das Riechorgan mitten im Gesicht, oder besser gesagt, den Geruchssinn zu schulen. Wir können lernen wie Zeder, Erdbeere, Tabakblatt, Blut, Erde und Schiefer riecht. Das Problem ist nur, dass jeder Wein viele Gerüche in sich vereinbart. Das Differenzieren kann auch gelernt werden. So liegt es mir also nicht an, die Worte eines Weinkenners als Quatsch abzutun, wenn er mehr riecht als ich. Es ist eine Frage der jahrelangen Schulung, kostet also nicht mehr als Zeit.
Ähnlich, jedoch nicht gleich, ist es mit dem Geschmack. Erlernbar. Mit ähnlich, glaube ich, dass im Geschmack immer ein bisschen Mensch mit einfliesst, was gegessen wurde, wieviele Weine am Stück verköstigt wurden oder ob man den ein oder anderen Geschmack mag oder nicht. Ich glaube, dass der Einfluss größer ist als beim Riechen, ohne das ich das genauer erklären kann (noch nicht). Vielleicht liegt schon allein viel daran, dass man Wein in aller Regel öffnet um zu trinken, nicht um ausschliesslich zu riechen.
Zur Kunst wird das Ganze erst beim Zu-Papier-bringen. Das blumige Umschreiben des erschnüffelten und geschmackofatzten.
Hier zeigt sich der Weinkenner aber auch nur, wenn es Leute gibt, die es nachriechen/-schmecken können. So trennt sich die Spreu vom Weizen, will sagen, es trennt sich der, der die Feder gut führen kann von dem der nachvollziehbar schreibt. Es bleibt mir also nicht mehr, als meine Organe so zu schulen, dass ich Zeder rieche, wenn ich Zeder riechen soll.
Bis dahin bleibt meine Nase Zufallstreffern vorbehalten?
Meine Verköstigungen beschränken sich auf wenige Worte und ich mache mir nicht die Mühe nachzulesen, was ich riechen und schmecken soll.

Advertisements

Was ist ein Weinkenner – Teil 2

Nach Teil 1 habe ich weitergelernt. 15083 Weine der ganzen Welt, die in 2010 auf den Markt kamen und von Wine Spectator 01/2011 verköstigt und bewertet wurden:

D.h. für mich, es muss sich um eine bunte Vielfalt an Jahrgängen handeln. Vielleicht so 2006 bis 2010. Da hat der Wine Spectator eine Höllenarbeit geleistet und ich schätze diese 15083 Weine sind noch immer nur ein Bruchteil von dem, was wirklich 2010 auf den Markt kam. Kleinstweingüter und abgelegene Regionen und solche, die nur im Land oder nur im eigenen Ort verkaufen sind sicher nicht dabei.
So, das heisst, ich kann es unserem Weinkenner wieder einfach machen und ihm zur Verköstigung ein paar dieser Weine vorsetzen – mit den 15083 Beschreibungen. Wird er in der Zuordnung scheitern?
Es heisst, dass ein guter Verkoster den Weinberg schmeckt. Aus K&U 3/2011: „vom Rebschnitt, der für den Ertrag entscheidend ist und damit für die Konzentration und innere Dichte, über die Bodenbearbeitung, die für den Wasserhaushalt entscheidend ist und damit für Stressfaktoren wie Bitterkeiten etc., bis zu Blattwerksteuerung und Reberziehung, die für die Phenol- und Tanninqualität entscheidend sind. (…) riechen und schmecken, ob er maschinell oder von Hand gelesen wurde, ob er aus Hochertrag, schlechtem Lesegut und unambitioniert technischem Ausbau im Keller stammt. (…) Er kann beurteilen, ob ein Wein von alten Reben stammt, aus gesund gelesenen, perfekt reifen Trauben gekeltert wurde, der Most spontan vergoren und anschliessend lange auf der Hefe gelagert wurde.“
Wow! Die(se) Sensorik ist mit Sicherheit schulbar, daran besteht kein Zweifel. Vor dem, der sich das angelernt hat, der tausende und abertausende von Proben probiert hat und lernte was er schmecken soll, habe ich jeden Respekt. Wie lernt man all die Böden, die Möglichkeiten der Mischungen, all die Punkte aus dem obig zitierten K&U-Artikel in seiner Potenzierung und vor allem gegenseitigen Beeinflussung – weltweit? Irre.

Kopie aus Zeitung

Von den 15083 Weinen sind unter 2%, die zwischen 95 und 100 Punkte bekommen haben. Übrigens herausragend Deutschland mit 4%. Unser Riesling bleibt beliebt – aber das am Rande.
D.h. ich könnte dem Weinkenner auch nur die damit ca. 250 bestbewertesten Weine hinstellen. Wahrscheinlich wird er gute Chancen haben. Also, was ist ein Weinkenner? Der, der eine langjährige Sensorikschulung hinter sich hat. Der, der die kleinste noch vorhandene Nuance des Weinbergs im Wein nach der Kellerarbeit und nach der Lagerung noch entdeckt. Ist denn das alles möglich? Oder nur bei ganz typischen Weinen? Oder bei absoluten high price Tropfen, wo man sich so vorstellt, dass nichts „verfälschendes“ drin ist bzw. drin passiert ist. Es fällt mir schwer das zu greifen, jedoch glaube ich es, da ich es glauben muss.
Schon bin ich schlauer und beginne mit Teil 3.

Was ist ein Weinkenner – Teil 1

Beim Spaziergang durch den Baumarkt trifft man das ein oder andere Mal auf Reben. Selten steht dabei, um was für eine Rebe es sich handelt. Da steht einfach Vitis Vinifera, was nichts anderes heisst, wie ‚Edle Weintraube‘. Für den Hausgarten ist das sicher egal und der Winzer kauft sicher nicht im Baumarkt. Mein Artikel handelt vom Weinkenner, deswegen die kleine Einleitung.
Auf der Welt sind derzeit etwa 2500 Traubensorten für die Weinproduktion zugelassen, also 2500 Vitis Viniferas. 45 Traubensorten alleine in der spanischen Region Castilla-La Mancha. 130 Traubensorten in Australien. Das ergibt beim Hochrechnen von Cuvée’s eine unglaubliche Vielfalt von möglichen Weinen. Man bedenke, dass alleine im Wein aus der Region Chateauneuf-Du-Pape 13 verschiedene Trauben beinhaltet sein dürfen (was die meisten Winzer nicht ausnutzen). Wenn ich also rechne, dass im Schnitt 3 Traubensorten in einem Wein sind, sind wir schon bei 10000 Möglichkeiten (reinrassig+Cuvée) – PRO JAHR. (Die Rechnung hinkt natürlich, da kein Malbec aus Argentinien Einzug finden wird in einem deutschen Riesling. Die Multiplikation ist also so unzulässig.)
Dazu kommt, dass der unglaubliche Facettenreichtum der unterschiedlichen Winzer eingerechnet werden kann, der es gegebenenfalls schafft, dass eine Traube nichts mehr von ihrem vielleicht „typischen“ Geschmack bewahrt. Denken wir dabei auch an die industrielle Weinherstellung, bei der der Wein jedes Jahr gleich schmecken muss und an die Hefen, die nicht geschmacksneutral sind. Und bestimmt will jeder Winzer, auch wenn er die gleichen Sorten anbaut wie seine Nachbarn und auf dem gleichen Boden, etwas eigenes hineinbringen. Alleine im Gebiet Rheinhessen gibt es 6000 Winzer…

Spinnen wir den Gedanken weiter: Im heutigen Internet- und Onlineshopzeitalter kann ich, sagen wir einmal, die Hälfte zu mir nach Hause bestellen oder beschaffen. Es ist nur eine Frage des Geldes und der Mühe und oft sicher nicht ohne Sprachkenntnisse machbar. Im Zweifelsfall muss ich selbst hin und eine Flasche besorgen.
Das heißt ergo, ich kann einem Weinkenner eine Auswahl aus vielleicht 4000 Weinen eines Jahrganges hinstellen – Winzer unberücksichtigt, also nur die möglichen Cuvées der Welt – und auf 3 Jahrgänge einschränken. Dies muss ich tun, weil viele Weine nicht im selben Jahr schon auf den Markt kommen. Klingt easy. Aber bei jetzt 12000 Möglichkeiten wird jede Blindverköstigung zu einer Farce.
D.h. ein Weinkenner ist nicht, wer errät (!?), was für Trauben in einem Wein sind, da dies komplett unmöglich ist – wie ich hier und heute, und vielleicht morgen auch noch, deutle.

Klar lag ich auch schon manches Mal nicht schlecht und sogar richtig, aber vielleicht nur, weil ich meinem Gegenüber nicht zutraue mir total exotisches vorzusetzen *grins*. Also mir würde da schon eine lustige Blindverköstigung einfallen und denke an China, Tunesien, Österreich und einen Industriefranzosen *hihi*.
Fazit: Traubenraten bzw. Traubenerschmecken kann es nicht sein.

Blog-Geburtstag

Gestern wurde dieser Blog 1 Jahr alt. Ich habe es aus Spaß angefangen und es macht noch viel mehr Spaß, es tut tatsächlich so gut, wie ich dachte.

Niederschreiben, die Gedanken in Worte fassen, nochmals den Tag/die Woche Revue passieren lassen.

Dazu habe ich ca. 210 Blogeinträge verfasst.

Irre, das hätte ich nie gedacht. Ja, es kostet Zeit, aber diese Zeit sind nur Minuten und tuen gut. Mag dies alles nach wie vor nur ab und zu eine Handvoll Leute lesen, es macht gar nichts.

Ich liebe es, hier hineinzuhaken, mich zu äußern, mit meinen Gedanken umzugehen. Ist es nicht besser, als jedes Hineinfressen?

Gute Nacht, Ihr da draußen, wo immer Ihr auch sein mögt. Auf den Fildern, am Bodensee, in Erlangen, in Altenburg oder sonst wo.

Nachtrag Gepäckverlust und Lob

Ich muss hier mal ein Versäumnis nachtragen. Mein verlustig *was daran lustig ist, weiß man allerdings nicht* gegangenes Gepäck ist übrigens am 11.01. zu mir nach Hause gebracht worden. Es hat seine Reise ohne mich gemacht, wurde aber von niemandem belästigt und angegrabscht.

Hier nun nachträglich an die TAP Portugal: es flossen in 24 Tagen Gepäckverlust bis 2 Stunden vor Eintreffen meines Gepäckes bei mir, keinerlei Informationen – weder telefonisch, noch Mail, noch über die Referenznummer im Web. Sorry, ganz schlechte Politik.

Dafür Hutab und ein dickes Lob an den Reiseveranstalter One World-Reisen mit Sinnen.

Die ganze Reise hat super funktioniert. Beste Unterlagen, beste Informationen vor, während, nach der Reise. Auch ganz tolles Kümmern während der ganzen Zeit um das Gepäck. Es arbeiten dort richtige (nette!) Menschen, kein Callcenter, keine Anonymität, sondern Kompetenz und Freundlichkeit.

Die Philosophie des Veranstalters mag ich und ALLES drumrum, was ich kennenlernte ist einfach toll! Absoluter Reisetipp!

Weinbewertungen … so ne Sache …

Also freiweg: so schön und blumig und geschmacklich und nasig kann ich es einfach nicht beschreiben.

Schade, aber was soll’s. Ich habe einen Geschmack – nämlich meinen – und der schlägt sich in Punkten und Gefühlen nieder.

Manchmal halte ich meine Nase in die Aromabar und sage dann „ja, genau, das rieche ich in dem Wein, den ich gerade trinke“, aber im großen und ganzen kann ich dem armen Schlucker (Weinschlucker *hähähähähä*) gar nicht mit blumigen Worten helfen, was er wohl schmecken sollte. Wenn ein Wein nach Charles Bronson schmeckt, dann ist das natürlich kein Geschmack, sondern ein Gefühl und das was mir spontan beim Trinken ins Hirn schießt.

Trotzdem als Hilfestellung für meinen Geschmack:

Rot, voll, trocken, tanninig / fassig: ja, aber auch nicht zu stark, fruchtig aber nie süß, langer Abgang und viel Nase ist wichtig.

Mit den Reben Merlot und Carignan kann ich nicht; Chianti, also Sangiovese geht nicht wirklich; Pinot noir geht nicht.

Syrah/Shiraz und Tempranillo geht eigentlich immer.

Mit Weinen von nördlicher als – sagen wir mal – Mittelfrankreich kann ich nichts anfangen, da sie mir zu gehaltlos sind. In aller Regel fehlt der Abgang, Kraft und einfach Sonne.

Sodele, nu weiß man mehr? *riesengrins*