Paris im Schlendergang

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Wenige Stunden im Zug und wir steigen stressfrei mitten in Paris aus und schlendern los, so in etwa Richtung Unterkunft. An einem Straßencafé nehmen wir einen Café creme und beobachten die auf und abziehende Menschenschar. Der Schwarze mit seiner kleinen … Weiterlesen

Pech, Pannen und jede Menge gute Laune auf Korsika

Eine tolle Motorradreise ging los, vorbei und zu Ende. Und … jaaaa doch … Eigenlob stinkt … aber das haben wir (Kompagnon J. und ich) schon sehr fein organisiert bekommen.

unterwegs

Samstag Morgen 7:00 Uhr MEZ: Ich habe den Helm auf, die Handschuhe an und steige auf meine am Vorabend gepackte Triumph. Drehe den Schlüssel, sehe Licht, Selbstcheck, drücke auf den Starter und es passiert … NICHTS. Kein Anlasser, kein Motorstarten. Leichte Panik macht sich breit. 11 Tage Urlaub mit Freunden (zu siebt unterwegs) sollte JETZT beginnen. Kurz überlegt, Gepäck runter, Batterie mit dem Auto starten, losfahren, aber dann … wird die Triumph zuverlässig durch den Urlaub fahren? Kaum. Also Gepäck runter und die Husqvarna gesattelt. Tankrucksack umgepackt, gerade noch an den Fahrzeugschein gedacht. 15 Minuten später starte ich und bin rechtzeitig am Treffpunkt, wohlwissend, dass die Fähre nach Korsika auf die Triumph gebucht ist und mein Hinterreifen mich nicht durch den Urlaub bringt. Noch zittrig und schweißgebadet werde ich von den Lieben in Empfang genommen, beruhigt und los geht es mit einer Butterbrezel im Magen. Durch die Schweiz, über Pässe, durch Italien und 2 Tage Spaß und gutes Wetter nach Savona, wo wir uns einschiffen.

Sonntag: Die Cagiva braucht einen Liter Motorenöl und es kostet ein bisschen Mühe diesen an einem Sonntag zu finden. Problem gemeistert. An der Fähre kontrolliert niemand mein Fahrzeug. Glück gehabt.

GaszugMontag: Nach einem wunderbaren Frühstück am Meer von Korsika brausen wir an der Küste entlang bis …. splung …. der Gaszug an der Cagiva reisst. Zwangspause und Notmontage, sprich Bastelei an einem schönen Aussichtspunkt mit Meerblick und Sonnenschein. 2 fahren los und holen uns allen eine schöne Picknickmahlzeit. Es geht uns prima, wir planen die Tagesetappe um, stärken uns beim Zuschauen des fiebrig bastelnden Cagiva-Fahrers und fahren dann langsam zurück nach Bastia um einen neuen Gaszug fachmännisch und stabil an einer Motorradwerkstatt zu kaufen und einzuziehen. Die 2 Tourguides (J. und ich) und natürlich der Cagiva-Fahrer, haben das Problem bestens gemeistert.

Dienstag: Ich fahre eine andere Strecke als die Gruppe, bereite an unserer Unterkunft für die nächsten Tage alles vor, kaufe eine und frage mich durch 4 Reifendealer um einen Hinterreifen zu organisieren. 2 Stunden weg wie nichts, aber mit Erfolg bestanden. In der Zwischenzeit fährt M. auf der BMW K1300 so stark in die Kurven, dass es seinen Schalthebel verbogen und angeschliffen hat. Das Schalten ist schwierig.

ReifenMittwoch Morgen 9:00 Uhr MEZ: M. und ich stehen an der Motorradwerkstatt. Ich bekomme einen neuen Hinterreifen. M. bekommt eine kurze Ummontage und legt seine Fussrasten und den Schalthebel höher. S. vertrödelt den Morgen in unserer Ferienwohnung, J. ist dadurch am Verhungern, so dass wir erst nach 11:00 nach einem gemeinsamen, aber ungeplanten Frühstück mit der Gruppe in die Tagestour starten. Dadurch kommen wir am späten Nachmittag in starken Regen, trotzdem ist jeder beeindruckt von der Schönheit der Insel.

FussrasteDonnerstag: M. wirft bei Parken sein Motorrad auf die Seite. Kupplungshebel und Fahrerfussraste bricht ab. Der Kupplungshebel behindert ihn, aber er kann mit dem Stummel fahren. Für die Fussraste wird meine Husqvarna ausgeschlachtet und M. fährt fortan mit meiner hinteren Fussraste.

KennzeichenFreitag: Wir fahren hintenrum nach Bonifacio. Die Hauptstraße ist gesperrt, da in der Nacht so viel Regen niederging, daß die Straße unbefahrbar war. Unterwegs fällt das Kennzeichen mitsamt der Halterung an der Ducati ab und wir können es gerade noch an den Kabeln hängend retten. Gut Kabelbinder dabei zu haben. Kleinere Verbesserungen am neuen Gaszug der Cagiva und optimiertes Verlegen meines Kettenölers runden den Tag an der Unterkunft ab, solange wir gemeinsam kochen und dem Pastis frönen.

Samstag: Keine Vorkommnisse! Kein Schrauben!! Einfach nur ein ganz tolle Strecke über die Bavella zum Fischessen am Meer. M. mit Sozia und S. wollen den schnellen Weg zurück und so fahren wir nur zu dritt die lange Strecke und durch einen wunderbaren Wald zurück. Wir haben sehr viele Sinneseindrücke und Spaß.

Fähre 2Sonntag: Bei der Ducati reisst eine Stunde vor Eintreffen am Fährhafen der Zahnriemen und es bleibt uns nichts anderes übrig, als die Duc und die Fahrerin S. dem ADAC zu überlassen. Dieser hilft vorzüglich und die Fahrerin ist per Flugzeug bereits Sonntag Nacht zu Hause in ihrer Wohnung – während wir knapp die Fähre erreichten und noch 2 schöne Tage durch Italien haben und über Südtirols Pässe nach Hause fahren.

Montag: Keine Vorkommnisse technischer Art! Wir fahren durch leichten Nieselregen immer Richtung Norden und dem Gardasee. Das Wetter wird wieder besser und das 4-Gänge-Menü am Abend beschert uns einen schönen kulinarischen Ausgang dieser Reise. Die alte Africa Twin bekommt den Zuverlässigkeitspokal. Die Aprilia Caponord war zuverlässig trotz Fehlermeldungen auf dem Display.

Dienstag: Wieder keine Vorkommnisse technischer Art! Schweren Herzens trennt sich die Gruppe im Allgäu in verschiedene Richtungen auf und jeder findet seinen Weg nach Hause.

Fazit: Korsika hat wieder viel Spaß gemacht. Es war eine tolle harmonische Truppe.

alle

was wieder bewiesen ist: ohne Wein ist das Leben lustlos und blass

Aaaah, was soll ich sagen… ja, es geht immer noch besser. Frau darf aber auch sagen: 20 von 20 Punkten sind eben 20 von 20 Punkten.

Wein!Zum den harten Tag zum Abend zur Nacht werden lassen, einen herrlichen Weisswein Dame Jeanne 2009 von der Bergerie du Capucin beim Pic Saint-Loup. Weich wie Sahne, kräftige Frucht, an warmes Badewasser auf der Haut wohlfühlend erinnernd. So vor 3 Jahren kam ich ganz zufällig an diesem kleinen feinen Weingut vorbei und probte mich durch und lagerte ein, ein bisschen weiss und rot. Danke an Monsieur Guilhem Viau an die köstlichen Proben damals.

Zum lustvoll ins Käsebrot beissen und ein wertvolles Gespräch führen einen Rotwein. Der Cuveé La Carissa 2007 aus dem Roussillon von Monsieur Razungles. Ich habe schon einmal über ihn geschrieben, 2012. Damals ein Gedicht, heute ein Gedicht mit dickem I-Pünktchen und frisch nachgekauft. Butterweich kräftig und gaumenumschmeichelnd, hineinschmatzend läuft er in die Kehle, singt dabei ein Lied und gluckst lachend in den Magen.

mit den Besten im Kurzurlaub

So ein Miteinander. Schwänke werden erzählt, es wird politisiert, 5 spielen lauthals Karten, 3 lesen in ihren Büchern, 5 Vermehrlinge ziehen spielend vorbei, krakelen „Papi, wir spielen draussen, darf ich Cola trinken, meine Socken sind nass“. Einer blättert in einer Zeitschrift, eine Runde führt PS-Geflüster über die neusten und ältesten Motorräder, eine macht Sudoku und eine strickt einen Socken, 3 gehen im Nieselregen spazieren, eine liegt im Schlafsack und macht ein Nickerchen. Der kleine Fatzke kann noch nicht lesen, zieht aber seinen Pa im Auto-Quartett ab. Hubraum? 8 Zylinder. 160km/h. Ich spiele mit 2 Vermehrlingen Kindertetris und lasse gewinnen und widme mich dann einem
Glas Rotwein bis endlich für 18 Mann Linsen mit Spätzle gekocht ist und die drei Köche mit Adjutant sich gegenseitig loben. Der Zwanzigjährige geht immer noch jedes Jahr mit, weil wir ein cooler Haufen sind und einer schnarcht aus dem 7er-Schlafzimmer über der Küche, dass sich die Balken biegen.
HausschuheEiner kennt Gnade für seine Freunde und sägt im Auto. Es lacht von drüben herüber, während einer seit Stunden konzentriert das Tagebuch von Anne Frank liest, unbeweglich, auf stand by, ohne Ohr für gutgemeinte Ulkereien. Zum Frühstück ruft jeder eine andere Zahl Esslöffel pro Kanne Kaffee in die Küche, bis untrinkbares herauskommt und lautauslachend mit Baguette, oh Janette, und selbstgemachten Marmeladenkreationen heruntergespült wird. Mittags zum Shoppen nach St. Die, Kart fahren, auf den Grand Ballon wandern, Rundentischtennis ohne Treffer, ohne Tränen. Abends tanzen wir in der Bar, früher hatten wir Cowboystiefel an, heute sind es Hausschuhe in allen Farben. Freunde für’s Leben. 4 Tage in den Vogesen.

im Hinterland der Provence

Nach dem Mont Ventoux brausen wir auf leider sehr holprigen Strassen durch das schöne nördliche Provence, vorbei an Apt nach Jouques. Kleine, aber sichtbare Schilder führen uns zum vorgebuchten Chambres d’Hôtes (= Bed&Breakfast) „La Petite Borie“, 2 km ausserhalb des Ortes. Ausser dem Mistral, der kühl und laut durch die Bäume rauscht, ist nichts zu hören. Kein Auto stört die Stille. Pascale, die Herrin des Hauses, empfängt uns warmherzig und mit gutem deutsch. Das blaue Zimmer ist schön, gemütlich und auf unserer eigenen Terrasse sitzen wir bei unserem mitgebrachten Abendessen – Käse, Brot, Chips, Wasser und dem ersten Roten vom Chateau Revelette. Im Schaukelstuhl wippe ich bei einem guten Buch in die Nacht.
Auf diesem Chateau Revelette sind wir am nächsten Tag eingeladen und nach einem guten Frühstück laufen wir über einen Lehmweg in 10 Minuten rüber. Aus purem Zufall habe ich La Petite Borie in direkter Nachbarschaft ausgewählt und wir können die Motorräder stehen lassen und in normaler Kleidung bei Peter Fischer auf dem Chateau auftauchen. Umso angenehmer, da unser Besuch im Weinberg, Weinkeller und in der gemütlichen Küche fast 5 Stunden (!!) dauert. Wir probieren jeden der ausschliesslichen Natur-Weine aus jedem Fass, Tank, Betonei und Flasche und spucken auf den Kies dazwischen. Das ist wieder ein Erlebnis sondersgleichen und die Fischer’s so was von sympathisch. Sandra Fischer reicht uns Häppchen auf der Terrasse, während die hauseigenen freilebenden Pfauen Brunftschreie ausstossen (wow, sind die laut!), in der Küche gibt es Spaghetti/Pesto und provencialischen Käse aus dem Kastanienblatt zum Abschluss. Wir machen uns auf den Rückweg, sind glücklich, schlauer und neidisch. Es ist 15:30h und wir beschliessen noch einen Tag zu bleiben – „der Nachmittag zur freien Verfügung“.

Weinprobe und Edith Piaf

Heute Mittag bei einer Spritztour zufällig ein kleines Weingut besucht. Glück gehabt, der Chef war da und hat uns ausgeschenkt und erzählt. Domaine Bergerie du Capucin. 12 ha gross und er hat erst 2008 begonnen. Wirklich tolle Weine, weiss, rosé, rot – alle lecker. Offenbar hat er sein Handwerk in der Cooperative, in der er davor gearbeitet hat, gut gelernt. Wir kauften ein und bekamen eine Flasche Magnum des Rosé noch dazu – „als Aperetif für heute Abend“.
Dieser schmeckt nun und es läuft Edith Piaf im Hintergrund. Mag altmodisch sein. Ich finde es zeitlos schön. Vielleicht muss man dazu in Frankreich sitzen, am Ende einer Strasse ins Nichts. In einem schmalen Steinhaus und der Bollerofen wärmt und riecht toll nach Holz. Heimelig. Was auf den ersten Blick langweilig erschien („mein Gott, wie kann man hier eine Ferienwohnung auswählen“), will nun gar nicht mehr loslassen, aber morgen geht es weiter, zurück in die Provence, mit Edith im Ohr.

in den Cevennen

Ich sitze bei Freunden in der Ferienwohnung, mitten in den Cevennen. St. Martial, ein besserer Feldweg führt hin und das Dorf ist nur mit einem kleinen Auto zum Auf- und Entladen auf einem Art Rundkurs befahrbar. Danach parkt es sich draussen vor dem Ort.
Die Fahrt dahin war schlimm, aber das lag daran, dass die Fahrt von Sanremo bedeutete, 11,5 Stunden unterwegs zu sein. Bis Digne über die Ausläufer der Seealpen. Über Sospel, Col de Turini, St. Martin-Vesubie nach Guillaumes und über die Daluis-Schlucht nach Digne. Total klasse! Aber dann drängt die Zeit und wir nehmen die Autobahn. Ab Nimes wieder über Land, es dämmert und der Hintern will partout nicht mehr. Das Navi ist unerbittlich, jagt uns 30 km über einen Feldweg und ich komme nicht mehr über den zweiten Gang hinaus. Die Hände schmerzen, die Arme sind kraftlos. Ich überlege wie viele Klamotten ich dabei habe, um mich zur Not warm zu halten und ob mich der letzte Müsliriegel über die Nacht bringt, wenn ich jetzt einfach anhalte und jegliche Weiterfahrt verweigere…
Das war einfach zu lang und ich habe die Idee des Besuches in St. Martial verflucht. Aber bald entschädigt und der schmerzende Popo vergessen: Die Ferienwohnung Bastide der Familie Utz ist superschön, geschmackvoll eingerichtet, auf dem Herd wartet ein warmes leckeres Essen und der Blick von der Terrasse ist beruhigend. Grün in allen Tönungen. Ruhe. Vogelgezwitscher.