Tatort Hauptbahnhof Stuttgart

Ich bin auf der Durchreise und laufe durch den Hauptbahnhof von Stuttgart. Plötzlich Geschrei.
„Scheiß Deutsche“ „Scheiß Deutsche“ in nicht ganz akzentlosem Deutsch.
Ich komme gerade aus dem Ausland, habe gutes Miteinander erlebt und habe mich dort benommen.
Nun bin ich benommen …
Ich, Deutsche, in Deutschland, offen, muss mich anschreien lassen?
Ich war nicht direkt persönlich angesprochen, der Rufer rief in die Menge und fuchtelte dazu aggressiv. Meinte uns alle.
Was war passiert?
Der Rufer hatte ältere Passanten (womöglich Deutsche) am Ticketautomat angesprochen und wollte sie abzocken. Wollte sie bestehlen.
Ein weiterer Passant (womöglich Deutscher) ging dazwischen und bat ihn die Leute in Ruhe zu lassen.
Folge:
„Scheiß Deutsche“
Nun, Recht oder Unrecht mag jeder für sich entscheiden.
Ich wunderte mich nur über meine Reaktion.
Zum einen frage ich mich, warum solche Typen nicht einfach eingeladen werden und höflich in ihr Land gebracht werden. Weg von den Scheißdeutschen.
Zum anderen frage ich mich, warum ich nichts sage, sondern voll Furcht weitergehe. Warum sage ich nicht „wenn Sie hier leben und offensichtlich leben wollen, dann benehmen Sie sich bitte“. Keine Zivilcourage. Angst vor Gewalt. Ich schäme mich nichts gesagt zu haben.

Interessiert durch Südafrika

Lesen

Wie kam es zum Beispiel zur Apartheid? Die ersten Siedler waren rheinische und niederländische Bauern, die Buren. Ihr calvinistischer Prädestinationsglaube ging von der Ungleichheit der Menschen aus, die Gott nach eigenem Ermessen in Auserwählte und Verdammte geteilt hatte. Diese waren in der Wahrnehmung der Buren genau jene dunkelhäutige Bevölkerung, mit denen man es am Kap zu tun hatte. Es ist unermesslich unglaublich, was sich der Mensch alles einreden konnte und auch in 2015 noch tut, um seine aberwitzigen Gedanken, um Land zu eigen zu nehmen, als einzig wahr zu verbreiten. Im Namen Gottes, immer wieder. Well, und dann kamen die Briten und ihr Gott oder Präsi fand die Buren nicht so toll. Sie hetzten die schwarzen Völker gegeneinander auf und lösten Kriege und kriegerische Völkerwanderungen aus. Und so dreht sich das Rad, mal nach da mal nach da. 260 Jahre Koloniestaat folgte bis 1910 und dann ging es bis 1994 mit den Blüten der Apartheid erst richtig los. Kleiner Ausflug in die Geschichte… Heute gibt es noch immer die weissen schönen Häuser und die vermüllten Gebiete der Schwarzen. Vieles ist ungleich wie eh und je.  

Beobachten

Wird die Stirn eigentlich immer höher, wenn man (vor allem die Frauen) immer diese sehr straffen Zöpfe bindet? Zieht das nicht an den Haarwurzeln? Warum sind 90% (?) der Frauen stark übergewichtig? Sie sagen übrigens: we are not fat, we are big. Was essen sie, dass es so ist und warum ist der dicke Prozentsatz bei Männern niedriger? Dann Kapstadt-Mitte: eine kleine Gruppe Chinesen macht Thai Chi und lebt ihre Traditionen. Eine Gruppe schwarzer und weisser Trommler sitzt vor einem Pub und trommelt zusammen. Warum beklagt mein weisser Kollege in South Africa, dass sein Sohn nur 67% in der Schule erreicht hat, mit den Worten ‚and that for a boy. I must go home now teaching my son‘. Uh, für einen Jungen also… Apartheid zu Hause?

Zuhören

All diese Sprachen. All diese Varianten des Englisch. Jeder spricht englisch, irgendwie, es ist die Geschäftssprache und doch sind es nur 9,1% der Bevölkerung, die es als eigen bezeichnet. Draussen vor dem Fenster die unbekannten schreienden Vögel. Samstagabend in Kapstadt und die Gäste aus meinem B&B nehmen mich mit auf einen Salsa-Kongress. Es gab eine über 2-stündige Show und der letzte und längste Auftritt war eine Gruppe mit traditionellem Zulu-Tanz, das kann sicher nur hier hineingemixt werden. Klasse, und die Salsa-Anhänger johlen. Die Tanzkunst auf die Latino Mukke der anschliessenden Party fast am Kap der guten Hoffnung stand der unseren in nichts nach, nur gab es mehr Kleider mit Tiermustern und traditionelle Bemalung auf schwarzen und weißen Gesichtern.

Was für eine wahrlich grosse Regenbogennation.

ICH WÜNSCHE DIR GENUG

Was für eine Geschichte… mir stehen so ein bisschen die Tränen in den Augen, hier auch für meine Leser und ihre Gedanken:

(c) Bob Perks, Übersetzung: Deep Consonance

Kürzlich beobachtete ich eine Mutter und Tochter bei ihrem Abschied am Flughafen. Sie umarmten sich und die Mutter sagte: “Ich liebe dich und ich wünsche dir genug.”

Die Tochter antwortete: “Mama, unser gemeinsames Leben ist mehr als genug. Deine Liebe ist alles, was ich je benötigt habe. Ich wünsche dir genug, Mama.” Sie küssten sich und die Tochter ging. Die Mutter ging zum Fenster, wo ich saß. Ich konnte sehen, dass sie weinen wollte. Ich versuchte, nicht in ihre Privatsphäre einzudringen, aber sie sprach mich mit der Frage an: “Haben Sie jemals jemanden verabschiedet, mit dem Wissen, dass es für ewig sein würde?” “Ja, habe ich”, antwortete ich. “Verzeihen Sie mir die Frage, aber warum ist das ein Lebewohl für immer?”

“Ich bin alt und sie lebt so weit weg. Ich habe einige Herausforderungen zu bewältigen und die Realität ist, dass ihre nächste Reise zurück, für meine Beerdigung sein wird”, sagte sie. Als sie sich verabschiedeten, hörte ich Sie sagen: “Ich wünsche dir genug.” Darf ich fragen, was das bedeutet? ” Sie fing an zu lächeln. “Das ist ein Wunsch, der über Generationen in unserer Familie weitergegeben wurde. “Wenn wir sagen, ‘Ich wünsche dir genug” wünschen wir, dass das Leben der anderen Person, mit gerade genug guten Dingen gefüllt ist, dass sie das Leben aufrecht erhalten kann. ”

“Ich wünsche dir genug Sonne, damit deine Einstellung hell ist.

Ich wünsche dir genügend Regen, damit du die Sonne mehr zu schätzen weißt.

Ich wünsche dir genug Fröhlichkeit, damit dein Geist lebendig bleibt.

Ich wünsche dir genug Schmerzen, so dass die kleinsten Freuden im Leben viel größer erscheinen.

Ich wünsche dir genug zu bekommen, damit dein Wünschen befriedigt wird.

Ich wünsche dir genug Verlust, dass du alles was du besitzt zu schätzen weißt.

Ich wünsche dir genügend „Hallo’s,“ damit du den endgültigen Abschied bewältigen kannst.”

Dann begann sie zu weinen und ging weg.

Man sagt, es dauert eine Minute, um eine besondere Person zu erkennen. Eine Stunde, um sie schätzen zu lernen. Einen Tag, um sie zu lieben. Und ein ganzes Leben, um diese zu vergessen.

(c) Bob Perks, Übersetzung: Deep Consonance

von der Seele freiweggeschrieben

20:28 Uhr Feierabend

Nachdem ich mir ständig diese Schlagworte aus dem japanischundenglischen anhören muss Kaizen, Poka Yoke, Kanban und wir ja so lean arbeiten und sind und wir alle, und vor allem der Kunde – the german OEM – (genau, das ist der, der diese schönen Boni Jahr für Jahr einschiebt, währen wir auf der anderen Seite kein Weihnachtsgeld bekommen) ganz happy ist, wenn man eine win win situation hat, habe ich jetzt Feierabend und bin fertig mit einem schönen 387 Excelzeilen langen time plan. 7% der well coloured Zeilen benötige ich und der Kunde möchte den Rest nur sehen, vielleicht als Tapete ein Hinterstübchen dekorieren. Danke auch.

Da fällt mir gerade der Aktienkurs von Volkswagen in die Hände. Hungertuch fällt mir da nur ein, oder sagen wir besser towel of hunger wahlweise hungry towel?



Nun, das Mass ist voll, nun sind wir neuerdings weg von der win win situation, jetzt sprechen sie von PAIN SHARING.

Der Gipfel! Welches PAIN SHAREN wir denn?

Ich sage es mal mit meinen Worten, direkt Dir, lieber Kunde:

Are you clean in your back ground room?

 

Sprich: Bist Du noch ganz sauber im Hinterstübchen?


Es lebe das denglish, wenn einem das Wort FAIRNESS *ggg* gar nicht mehr einfallen will. Und jetzt nehme ich gerade noch ein grosses Glas Rum und mache damit und mit mir SHIP TO STOCK. Pffff. Pain sharing.

filmographische Erotik oder auch nicht

Den Film Nymphomaniac habe ich gesehen. Beide Teile, obwohl Teil 2 totgeschwiegen wurde. Raus aus der Presse, raus aus den Köpfen. Zu hart. Zu tabu. Und irgendwie auch völlig unnötig, null erotisch, nullkommanix von muss-man-gesehen-haben, nur brutal und selbstzerstümmelnd.
50 Shades of Grey habe ich gesehen. Die Erotik darin, sein Kampf gegen die Liebe, den er nicht gewann. Liebe, die er nicht zulassen will. Niemand spricht von dieser magnetischen Anziehungskraft, die die beiden Hauptdarsteller zueinanderführt und verbindet. Nur das Bäh-Wort SM. Verkauft sich einfach besser als eine Liebesgeschichte. Das ist der Punkt. Die Bücher interessierten mich nicht, 3 Bände SM für Hausfrauen (so der Pressekonsens), zu „so was“ habe ich weder Zeit noch Lust. Der Film lehnt sich nur an das Buch an, ist wohl etwas anderes. Vielleicht sollte man den Film auch gar nicht mit den Büchern in Verbindung bringen, eigenständig sehen.
In unserer sexualprüden Welt der Filme gehen diese Filme die Presse rauf und runter. Warum eigentlich? Das Blut darf allabendlich zur Entspannung spritzen – nur nackte Körper, nein, sie wollen wir nicht sehen. Meist womöglich nur, weil sie schöner sind als unsere Körper oder auch nur schöner als der Körper des Partners. Das tut weh, will man nicht mit konfrontiert werden. Für mich sind die beiden Filme voll Charaktere, Kunst, gute Aufnahmen und eben das Auseinandersetzen mit Erotik, mit Körpern, mit Lust, verständlicher Lust oder unverständlicher. Horizonterweiternd.
Was darf, was darf nicht. Und wer bestimmt das eigentlich?
Stellt sich nicht viel mehr die Frage wieviel Nicht-Erotik eine Beziehung verträgt, als wie viel Erotik gut ist? Erotik ist doch die Lust und Freude den anderen zu berühren – gleichsam wie berührt zu werden. Wie kann das verwerflich sein?
Ein Unberührter oder ein Pflichtberührter wird immer wieder über seinen Schatten springen wollen bis zum Fremdgehen und er wird es immer wieder tun oder – er wird sich einfach aufgeben.
Wie kann man seinen Körper verstecken, verstecken vor dem Wunsch zu fühlen. Was sind Worte, Worte des gedanklichen Verständnisses füreinander gegen das Gefühl angenommen und angekommen zu sein? Erotik ist das Prickeln der Handfläche, die über den Rücken des anderen streichen darf, ist die Ananas, die er unter spanischer Sonne über ihre Brustwarze streicht. Erotik ist zusammen lachen. Erotik ist Magnetismus in den Händen, in den Augen, im Körper zu spüren und zusammen am Gashahn drehen und durch Kurven wedeln und sich über die gleichen Dinge freuen. Für andere geht es eben weiter. Auch nicht verwerflich.
Wer vermag – für andere – zu entscheiden, wann es – für andere – zu weit geht?
Nymphomaniac und 50 Shades zeigt uns übertriebenes, was man ja eh nicht tut, die allerwenigsten zumindest. Also sind es nur Filme. Warum gibt es kaum Filme über Gefühlskälte, über Bruder-Schwester-Beziehungen? Weil die Zuschauer sich darin wieder finden könnten? Viel mehr, als in erotischer Filmographie? Weil sie dann aus dem Film oder aus dem Buch gehen und in ihrem Leben dies erleben und dann logischerweise den Film/das Buch als Mist abtun. Nicht gut für die Zuschauerzahlen – nicht gut fürs eigene Ego.

Vollmond, ganz nah

Hey Vollmond, wir haben heute 2 Stunden zusammen meditiert. Du gabst mir Kraft, Du hast mich geerdet. Voller Wärme kam ich nach Hause, aufgeheizt von Deiner Energie. Du hingst vor meinem inneren Auge, prachtvoll.

Nordsee-WattGedanken kamen, blieben nicht und waren wieder weg. Ich habe nochmal das Watt unter meinen Füssen gespürt, als Du das Meer wegzogst, vor weniger als 10 Tagen in der Nordsee. Auch meine Gedanken zogst Du weg. Beim Wattwandern, wie auch heute.
Ich habe versucht an jemanden zu denken, habe versucht ihn in der Meditation zu erreichen, aber er drehte sich weg. Ich fühlte wie er alleine sein wollte mit seiner Langeweile und seinem gefühllosen Leben und seinem nach seiner Aussage verdorrten Herzen und ich spürte Kraft in mir. Kraft für zwei, Ideen für zwei, Gefühle für zwei. Aber sie sind nur für mich und bevor ich platze schreibe ich, schreibe von Deiner Energie, Vollmond, von Deiner Weisheit, wie Du auf uns herunterschaust und uns Träume schenkst. Auch die schlechten haben ihre Berechtigung. Sitzen oft länger in mir, drehen sich im Kreis. Die guten verfliegen und ich möchte das es anders rum ist. Und ich werde es schaffen, die guten zu halten. Ich spüre wie Du Wellen in die Erde gezeichnet hast, dort in der Nordsee, unter meinen Füssen und die Wellen sind das auf und ab, dass uns leben lässt.