Helmquatsch unter Kollegen

Fragt mich doch der Kollege Unschulds-Greenhorn–Möchtegern–Biker nach Tipps zur korrekten Helmbenutzung … Bereitwillig helfe ich weiter, um ihn gleichzeitig in die Welt des echten Bikers einzuführen:

Problem1: Die Nahrungsaufnahme bei geschlossenem Visier ist nahezu unmöglich

Ich: ein echter Biker isst nicht, er trinkt, vorzugsweise Bier mit Cola und Kirschlikör, genannt Gois, welches er sich durch das geöffnete Visier über einen Trinkhalm einflösst

Problem2: Das Waschen des Gesichtes und der Haare ist nur bedingt möglich

Ich: Ein echter Biker hat immer einen Helm auf, Haare waschen deswegen nicht nötig. Das Gesicht wird durch gelegentliche Regenfahrten bei geöffnetem Klapphelm erfrischt. Eincremen ist für ein sonnen-, wind- und wettergegerbtes Bikergesicht sowieso nicht nötig

Problem3: Zähne putzen geht nur mit einer 2-fach gebrochenen Zahnbürste

Ich: Ein echter Biker lacht unter dem Helm und möchte den Fahrtwind spüren. D.h. er fährt bei offenem Visier, was bedeutet, dass sich Fliegen und Teerklumpen in seinem Gebiss befinden müssen. Abends beweist er damit auch anderen Bikern, dass er ordentlich unterwegs war und putzt deswegen keine Zähne

Problem4: Pullover oder ähnliches lässt sich nur schwer anziehen

Ich: Ein Biker trägt Hemden. Typ Holzfäller

Problem5: Der Komfort beim Schlafen ist sehr eingeschränkt

Ich: Ein Biker schläft auf der Bierbank, meist nach Genuss manch alkoholischem und braucht deswegen weder den Komfort eines Bettes, noch ein Kissen

Problem6: Der Kinnriemen drückt

Ich: Schwierig! Dieses Problem wird aber meist durch rasante Fahrt besser, da hier der Helm leicht nach hinten gedrückt wird und somit andere Druckstellen zum Tragen kommen

 

Ihre Projektleitung für bikerfreundliche Kleidung aller Art

PS: Absoluter Unsinn muss auch mal gesagt sein.

Advertisements

Namibia war und wird wieder sein

Mit einer (für mich) Jahrhundertgrippe ging es los zum Flughafen. Bis 15 Uhr habe ich mich durch die Arbeitswoche geschleppt mit täglich steigenden Krankheitssymptomen. Dann sprach ich gut 30 Stunden nicht mehr und konnte nur unter Höllenschmerzen schlucken, die Nacht im Flugzeug gehörte meinem Wispern nach Tee und halbtoter Döserei.

Ankunft nach Stopp over in Johannesburg/SA: Windhoek/Namibia leidet offenbar an Personalmangel und so dauerte unser Ankommen zwischen vor und nach der Flughafenpasskontrolle 1,7 Stunden und weitere 50 Minuten bis wir unseren reservierten Mietwagen hatten. Zäh. Der Nachmittag war also bereits fortgeschritten und wir waren … nun … knapp hinter dem Zeitplan. Wir hatten 366 km vor uns und erkannten kurz hinter Windhoek, dass die nächsten ca. 290 km nicht asphaltiert sind, da wir guter Dinge die vermeintliche Hauptroute C28 einschlugen. Nach 140 km Schotterpiste dämmerte es und wir mussten erkennen, dass wir die „letzten“ 150 km nach Swakopmund nicht schaffen – ohne uns echten Gefahren auszusetzen, sprich schlechte Straßen mit in der Nacht nicht sichtbaren Stolpersteinen/Schlaglöchern, Tieren auf der Fahrbahn, Verdursten. Wir fuhren mit 0,5 Liter Wasser los, welches kurz nach Windhoek noch aus einem Schluck bestand.

Wir fuhren also ab nach Karibib zur, in der Karte eingezeichneten, nächsten Tankstelle, mit hoffentlich einem Shop. 90 km statt 150 km bis zur nächsten Zivilisation. Angesichts unseres nichtflotten Fortkommens die einzige Option um „schnell“ an Asphalt und Wasser zu kommen. Wir sind also wahrlich angekommen im zweitdünnstbesiedelsten Land der Erde mit ca. 10 % asphaltierten Straßen und der Gefahr zu verdursten. Anfänger! Pure Anfänger!

Um 22:30 Uhr waren wir in unserem Guesthouse in Swakopmund – nach 7 Stunden statt nach 4. Überlebt.

Der nächste Tag gehörte meiner Erkältung, kleinen Spaziergängen, Meerblick und einer Fahrt nach Walvis Bay, die sich, außer dass man die Dünen sieht (und das ist beeindruckend, wie zwischen den Orten die unendliche Trockenheit herrscht), zumindest auf die Schnelle, nicht lohnt.

Am nächsten Morgen fahren wir zurück nach Windhoek, geben den Mietwagen ab, besteigen ein Taxi und lassen uns zur Lodge von Ralf fahren und treffen eine Gruppe, die mit den Hufen scharrt, die Motorräder für die erste Runde zu besteigen. Wir haben eine Gruppenreise zum Endurofahren gebucht.

Nun, was soll ich sagen, ich bin krank, lasse mir nichts anmerken, huste verstohlen, und habe die Hosen voller Angst Schotterwege, Sandlöcher und Wellblechpisten zu bestehen. Außer 3 Kursen, verteilt auf 6 Jahre, habe ich nie wirklich Gelände befahren… Natürlich lasse ich das niemanden wissen… Nun, die Einführungsrunde von 95 km schaffe ich locker. Nur eine tiefe und mehrere Meter lange Tiefsandgrube nehme ich erst zu schnell, dann zu langsam, verliere dadurch die Spurrille und lege das Motorrad im Stand 2x sachte ab. Ich bin über meine Fahrtechnik der restlichen Untergründe bester Dinge und  freue mich auf die nächsten 10 Fahrtage mit je 120 bis 330 Kilometern.

Diese führen uns erst über den asphaltierten Highway nach Wilhelmstal. Ab da sehen wir nur noch selten Asphalt, dafür Schotter aller Art, Größe, Farbe. Lehmpisten, Wasserlöcher und Furten. Ungeplant wird Namibia ein paar Mal am Nachmittag und/oder Abend mit Regen überrascht. Starkregen. Doch so hinterher betrachtet waren es genau diese schlechten Straßenverhältnisse, die jeden Tag so spannend machten *Lach*.

An jedem Nachmittag treffen wir auf einer anderen Lodge ein, staunen unterwegs über die Schönheit der Landschaft, die Aussicht über 100 und mehr Kilometer Landschaft, Berge, Büsche. Die Weite lässt einen fast schwindelig werden. Manchmal fahre ich in einem Flow, wo mir fast die Tränen kommen am Abend wieder auf Zivilisation stoßen zu müssen. Auf den Lodges wird man dann so freundlich empfangen, die Zimmer sind durchweg heimelig und schön, in unglaublich toller Lage und das Essen durchweg ausgezeichnet, dass die Freude anzukommen doch so groß ist, wie die Freude zu fahren und zusammen alleine zu sein.

Ich freue mich am Abend auf die Herausforderungen des nächsten Tages und morgens habe ich die Hosen voll, was es heute für Unwägbarkeiten zu bestehen gilt.

Wir sehen in freier Wildbahn Giraffen, Pavianhorden, verschiedene Antilopen (Impala, Springbock, Oryx, Gnu, Kudu), Klippschliefer, Felsenratten, Warzenschweine, Geier, Strauße, Kraniche, Steinböckchen, Echsen, Geckos, Schildkröten. Beeindruckend! Irgendwie wow! Irgendwie gottseidank sehen wir keine Raubtiere. Irgendwie sind wir aber froh überhaupt so viel gesehen zu haben, da wohl seit 6 Jahren Dürre herrscht und die lieben Tiere sich in wasserreichere Gegenden verziehen. Ein echtes Problem für die Safari-Lodge-Besitzer (und die Raubtiere).

Wir treffen auf verschiedene Volksstämme, die Herero in wilhelminischer Tracht, die Damara, die Himba, rot belehmt, die Nama. 11 Völker prägen Namibia, leider kann ich sie natürlich nicht auseinander halten. Durch die sehr sehr dünne Besiedelung hat man leider eigentlich nur an Tankstellen und in den Hotels „Kontakt“. Leute und Kultur steht auf dieser Namibia-Reise nicht im Vordergrund, sondern die Weite der Landschaften und das Brummen der XT 660 R.

Irgendwann haben wir den letzten Tag erreicht, ein letztes Abhängen auf der Lodge von Ralf, ein Grillabend, eine Traurigkeit macht sich breit. Die Gruppe netter Menschen reist nach Hause, ich werde vom Chef Ralf mit einem „Well Done“ verabschiedet und darf wieder einmal teilnehmen – was einem großen Lob gleichkommt, war ich doch ab Tag 2,5 die einzige Frau in der motorradfahrenden Gruppe. Nie habe ich gezickt, Fröhlichkeit war mein Begleiter und meine offenbare Begeisterung für das Land, haben auch Ralf imponiert. Weitere 2 Damen waren eigentlich Bestandteil der Gruppe und mussten erkennen, dass sie den Straßenverhältnissen nicht gewachsen waren. Sie begleiteten uns die restliche Reise in einem Geländewagen.

Wir bleiben noch 2 Tage im Land und schauen uns Windhoek an. Nun, interessant, aber 2 Tagen sind mehr als ausreichend. Ein unspektakuläres Städtchen, aber nett. Wir lassen uns noch nach und durch Katutura kutschieren, entstanden unter dem Apartheidsregime zur Absonderung der schwarzen Bevölkerung und auch heute noch das arme Viertel, in das jeder zieht und bleibt, der mit mäßigem Erfolg nach Windhoek kommt – auf der Suche nach einem Einkommen.

Die Heimreise steht an mit 1000 Bildern über verschiedene Farben Sand im Kopf und der Gedanke wieder zu kommen.

Namibia steht an

Das Land der Superlative steht auf dem Reiseplan. Grins über beide Ohren. Eigentlich wollte ich nie in dieses doch sehr deutsch geprägte Land, aber nun denn, eine exotische Motorradtour geht nicht überall und nicht in jedem afrikanischen Land.

Namibia

2,5 mal so groß wie Deutschland und nur 2,2 Millionen Einwohner. Das nenne ich Platz und ich „befürchte“ dort nicht im Stau zu stehen. Kein Stau, die Superlative Nummer 1.

Die echten Superlativen:

die höchsten Sanddünen (höchste: Big Daddy, 380 m) der Welt
der grösste Meteor der Welt
der grösste Süsswassersee unter der Erde
die grössten Tiere (Giraffe)
das trockenste Klima der Erde, in der Wüste Namib
einer der ältesten Teile der Erdkruste
eine der ätesten Pflanzen der Welt, die Welwitschia, manche Exemplare haben bis zu 2000 Jahre auf dem Buckel
der versteinerte Wald, zwischen 240 und 300 Millionen Jahre alt

der Fish River Canyon, mit bis zu 550 Metern einer der tiefsten Canyons der Welt

Meine persönliche Superlative – so nebenbei? 11 Tage am Stück ohne Asphalt Motorrad fahren. Ach ich freue mich. Später mehr!

 

Why we ride

Es ist dieser Flow. Das Zusammenspiel von Mensch, Motorrad, Strasse, Landschaft. Selten eine so treffende Beschreibung gelesen. Text: Arno Frank in Craftrad 08/2017:

IMG_2033

IMG_2034

Letztens unterhalte ich mich mit einem Kollege über meine letzte Reise und er sagt (Nichtmotorradfahrer aus Leidenschaft und Überzeugung) „ja, wenn er mit seiner Frau alljährlich mit dem kleinen Mietwagen über Sardinien fährt, dann hat er auch dieses Gefühl – schön mit Klimaanlage auf 25Grad und Radio“. Und dann weiß ich, der Mann kann es nicht verstehen, dass Motorradreisen mit allen Sinnen erlebt wird. Der Geruch des Steppengrases des Extremadura, die Ziegen auf Korsika, die Mandelblüte in Andalusien, die Hitze in Sizilien, die Kälte in Polen, die Geräusche des Windes, der Staub und die Nässe der Strasse. Er schaltet mit seiner Klimaanlage das Temperaturempfinden aus und mit dem Schließen der Autotür den Geruch und mit dem Anschalten des Radios die Umgebung. Und er weiß es nicht einmal.

3 Wochen Frankreich, Spanien, Portugal, Spanien

Es ist immer wieder interessant für mich, wie die Leidenschaft des Motorradfahrens nicht nachlässt, nach all den Jahren. Nun also tauchen wir zu zweit ein in den großen Sommerurlaub. 22 Tage liegen vor mir. Am Ende waren es 19 Fahrtage und keiner zu viel.

Durch Frankreich geht es mit einer (von zwei) Übernachtungen in Chalon-sur-Saone. Ein netter Ort mit einer Unterkunft bei einem ganz netten Ehepaar (airbnb). Weiter durch die Cevennen in die nördlichen Pyrenäen. Wir bleiben 2 Tage bei einem Bekannten in einem kleinen Weiler einer deutschen ehemals alternativen Szene und wohnen bei Achim in einem toll umgebauten alten Häuschen.

Weiter geht es in ‚meine‘ Pyrenäen. Die spanische Seite. Auf besten Straßen (statt französischen oft gesplitteten) geht es weitere 2 Tage voran und ich fühle mich wohl und wohler. Mein Plan durch die Schlucht des Canon Anisclo zu fahren, wird durch eine Straßensperre verhindert. Ein Umweg steht an und nun also eine ungeplante Route durch neues Terrain. 50 km Wald und keinerlei Zivilisation liegen vor uns. 2-3 Autos begegnen uns. Wir überholen einen Reisebus mit Panne. Davor, dazwischen, danach: nichts. Mein Puls wird langsamer. Ich entschleunige in mir. Ich nehme die Kurven, schaue in den Wald, über die Aussicht, in die Berglandschaft. Es wird ruhig um mich. Es wird ruhig in mir. Alles fällt ab. Sorgen, Gedanken. Nur das Motorrad und ich.

Nach 50 km erreichen wir die Schnellstraße und eine Tankstelle. Trinkpause für den Tank und uns. Ich habe Mühe zu reden, versuche meinen Puls wieder zu normalisieren. Ich fühle mich wohl und gehe vollständig in Urlaub auf. Den Abend verbringen wir auf einer Lodge bei Huesca. Wir sind die einzigen Gäste, werden fein bewirtet und bekocht und sitzen auf der Terrasse mit einem unendlichen Blick in die Ebene. Südafrikanisches Flair.

Auf schnellem Ritt legen wir uns in den Wind der Hochebene und bringen endlose Kilometer meist gerade Straße hinter uns bis Salamanca. Was für eine Stadt! Mittelalterliches Flair mit Studenten, Kneipen, Tapas.

Es kurvt sich weiter an die portugisische Grenze, den Fluß Douro kreuzend, endlose Olivenhaine. Häuser und Orte mit schön gerichteten Häusern, teils Villen gleich. Ganz anders als die letzten 2 Tage in Spanien mit Trockenheit, Ebenen bis zum Horizont und wie ausgestorben daliegende Ortschaften. Wir haben uns den Campingplatz Toca de Raposa ausgesucht und werden angenehm überrascht. Er liegt noch schöner als im Internet beschrieben und belgische Chefin, Personal (es scheinen nur Freunden zu sein), sowie die Gäste sind so freundlich. Wir blieben gleich 3 Nächte und verbringen die Abende in der sehr schönen Bar.

Die Ausflüge in die Serra da Estrella mit dem höchsten festlandportugisischen Berg Torre (1993m) und an den Atlantik sind traumhaft, obwohl die überall präsenten Feuer und Rauchschwaden die Stimmung ein bisschen drücken – weiß man doch, dass manch einer gerade sein Land, Haus, Wald verliert.

Zurück nach Spanien in die angenehmen Städte Caceres und Trujillo. Unsere Wege trennen uns, wie leider geplant, und ich starte alleine durch nach Cordoba, um dort 2 Tage die Stadt anzuschauen. Die Mezquita ist trotz aller Beschreibungen noch größer und beeindruckender als erwartet und am Abend genieße ich eine traditionelle Flamenco-Show.

Über Granada fahre ich nach Motril um dort noch eine Woche zu verbringen. Stationär von einem Hotel am Meer aus mache ich für einen lieben Freund und seine große Gruppe motorradfahrende Kunden den Tourguide in die nahe und ferne Umgebung. Ich genieße es an der Spitze zu fahren und mich um alles zu kümmern.

Tag 22: Mein Bike geht auf den Lastwagen und nach Hause und ich besteige das Flugzeug in Malaga – ohne den Hauch einer Sättigung von Land, Leute, Erlebnisse, Fahrspaß zu haben.

-> Bilder siehe ein Beitrag vorher.

Hey Mario, wollen wir ein paar Tage Moped fahren?

So fing es an und wenig später trafen wir uns im Vogtland um ein paar Tage die Reifen zu bewegen. Dieses Kopffreifahren in angenehmer Gesellschaft.

Durch das Vogtland, über spektakuläre Pässe, vorbei an Kohlefabriken, durch die Zittauer Berge, Dhinein nach Polen, die Landschaft bleibt ähnlich, die Häuser sind ganz anders, Burgen laden als Hotel ein und fremdartige Marktplätze (Jelenia Gora) und die Kirche Wang (aus Norwegen eingekauft und wieder aufgebaut) rauben einem den Atem. PLWeiter nach Tschechien durch einen Tag, der nur dem Regen und seinem Begleiter dem Nebel gehört. Wir fahren und sehen nichts. Die Hände sterben ab (wir haben Anfang September…), der Kragen zieht Wasser, es ist bitterkalt und doch findet sich am Abend ein warmes Hotelzimmer in Jesenik und ein ausgezeichnetes Lokal für die Erholung. Das Altvatergebirge lässt das Herz höher schlagen als wir am folgenden Tag Richtung Spindlermühle und zum Ursprung der Elbe CZstundenlang ohne nennenswerten Verkehr dahin fahren. Der Reifen glüht, unsere Herzen auch wieder. Ein Besuch auf dem Jested-Fernsehturm steht an und schon beim näher kommen an den Berg denke ich, hmmm, das Hinauffahren lohnt nicht, Nebel herrscht. Wir machen es trotzdem, verlassen die Sonne und tauchen ein in ein dicke Nebelwand, der nur eine echte Suppe im Fernsehturm kontra geben kann. Über Bad Schandau geht es zurück nach Deutschland, eine Nacht nach Dresden mit dem Zwinger, der Neustadt, den Hinterhöfen, der Frauenkirche.DresdenEin Abstecher, nochmals nach Tschechien auf freier Bahn für freie Bürger, cz 2und wieder ins Vogtland. Wieder völlig unnötig herumgekurvt und doch tat es so gut! Fremde Baustile gesehen, Häuser aller Art in verschiedenen Farben, ein Nutria kreuzte unseren Weg, fremde Getränke, fremdes Essen. Die Weite und der Platz im Osten. Erleben und Leben.

Wir trennen uns an einer beliebig ausgewählten Tankstelle und schalten unsere Navis auf die Heimadresse um. Für mich 370 km. Für Mario 340 km. Das kann kein Zufall sein. Es hat einfach gepasst. Die Tour, das zusammen Kurven geniessen und die Fremde – im Regen und ohne.

Italien Süd nach Nord

Es gibt viele Eindrücke im Süden Italiens. Die Küste, die Strände, der Blick von Tropea und seiner malerischen Altstadt auf den Stromboli. Wie er da mitten im Meer Lava von sich gibt. Dann die Amalfiküste. Wow entweicht mir bei manch einem Blick von der Straße hinab oder hinüber in die nächste Kurve. Jedoch ist der Verkehr die Hölle und ein Anhalten, um gar ein Foto zu wagen, kommt einem Suizidversuch gleich, würde man doch beim Knipsen mindestens dreimal überfahren werden. So steigen wir gleich nach Amalfi, an dem 2 Kreuzfahrtschiffe ankern und ihre Passagiere abgesetzt haben, aus der Küste aus und verlassen sie, trotzdem tief beeindruckt, ins Hinterland. 

Pompei ist das Ziel. Fürchterliche typische Randgebiete führen in die schöne Innenstadt und die 79 n.Chr. vom Vesuv verschüttete Stadt in der heutigen Stadt Pompei lebt beim Durchwandern neu auf. Sehr interessant! Am nächsten Tag brausen wir hinauf auf den Vesuv. Schauen, wenig beeindruckt, und setzen die Fahrt fort.

In Stiffe besuchen wir die Grotte mit bis zu 20 Meter hohen Wasserfällen 350 Meter waagrecht in der Erde und weiter geht es nach Norden in die Abruzzen. Auf der Hochebene Gran Sasso meine ich den schönsten Moment meines Motorradfahrerlebens erreicht zu haben. Tiefenbeeindruckt, hingerissen erstreckt sich die menschenleere Ebene endlos dahin. Wolken fließen in die Ebene und beim darin Eintauchen dämpft es den Motor und Frieden breitet sich in mir aus. Jeden Blick möchte ich festhalten und weiß es gelingt eh nur im Kopf und ich sauge diese auch mit Tibet verglichene Hochebene auf.

Dann am Abend nach L’Aquila. Huh, will ich kaum nach Klein-Tibet erwähnen. Hier war 2009 das schwere Erdbeben. Noch immer wird die ganze Stadt von Stahlträgern, Gerüsten aus jedem Material, Spanngurten und Stahlseilen zusammengehalten. Kaum ein Haus, eine Fassade, ist wieder aufgebaut, renoviert, den Bewohnern zugänglich gemacht. Wie unvorstellbar ist es, dass die Region plötzlich – ohne in irgendeinen Krieg verwickelt zu sein – Haus, Familie, Freund, Lebensgrundlage verloren hat. Am Tag davor wunderten wir uns noch über die vielen „Ferienhäuser“ in den umliegenden Ortschaften, bis uns dämmerte, dass es schnell hochgezogene Häuschen waren, die den aus den Altstädten vertriebenen Menschen ein neues Dach über dem Kopf geben. Gruselig die ausgebeinten abgestützen Häuser und doch wird es in ein paar Jahren wunderschön werden. Neues altes.