Why we ride

Es ist dieser Flow. Das Zusammenspiel von Mensch, Motorrad, Strasse, Landschaft. Selten eine so treffende Beschreibung gelesen. Text: Arno Frank in Craftrad 08/2017:

IMG_2033

IMG_2034

Letztens unterhalte ich mich mit einem Kollege über meine letzte Reise und er sagt (Nichtmotorradfahrer aus Leidenschaft und Überzeugung) „ja, wenn er mit seiner Frau alljährlich mit dem kleinen Mietwagen über Sardinien fährt, dann hat er auch dieses Gefühl – schön mit Klimaanlage auf 25Grad und Radio“. Und dann weiß ich, der Mann kann es nicht verstehen, dass Motorradreisen mit allen Sinnen erlebt wird. Der Geruch des Steppengrases des Extremadura, die Ziegen auf Korsika, die Mandelblüte in Andalusien, die Hitze in Sizilien, die Kälte in Polen, die Geräusche des Windes, der Staub und die Nässe der Strasse. Er schaltet mit seiner Klimaanlage das Temperaturempfinden aus und mit dem Schließen der Autotür den Geruch und mit dem Anschalten des Radios die Umgebung. Und er weiß es nicht einmal.

Advertisements

Hey Mario, wollen wir ein paar Tage Moped fahren?

So fing es an und wenig später trafen wir uns im Vogtland um ein paar Tage die Reifen zu bewegen. Dieses Kopffreifahren in angenehmer Gesellschaft.

Durch das Vogtland, über spektakuläre Pässe, vorbei an Kohlefabriken, durch die Zittauer Berge, Dhinein nach Polen, die Landschaft bleibt ähnlich, die Häuser sind ganz anders, Burgen laden als Hotel ein und fremdartige Marktplätze (Jelenia Gora) und die Kirche Wang (aus Norwegen eingekauft und wieder aufgebaut) rauben einem den Atem. PLWeiter nach Tschechien durch einen Tag, der nur dem Regen und seinem Begleiter dem Nebel gehört. Wir fahren und sehen nichts. Die Hände sterben ab (wir haben Anfang September…), der Kragen zieht Wasser, es ist bitterkalt und doch findet sich am Abend ein warmes Hotelzimmer in Jesenik und ein ausgezeichnetes Lokal für die Erholung. Das Altvatergebirge lässt das Herz höher schlagen als wir am folgenden Tag Richtung Spindlermühle und zum Ursprung der Elbe CZstundenlang ohne nennenswerten Verkehr dahin fahren. Der Reifen glüht, unsere Herzen auch wieder. Ein Besuch auf dem Jested-Fernsehturm steht an und schon beim näher kommen an den Berg denke ich, hmmm, das Hinauffahren lohnt nicht, Nebel herrscht. Wir machen es trotzdem, verlassen die Sonne und tauchen ein in ein dicke Nebelwand, der nur eine echte Suppe im Fernsehturm kontra geben kann. Über Bad Schandau geht es zurück nach Deutschland, eine Nacht nach Dresden mit dem Zwinger, der Neustadt, den Hinterhöfen, der Frauenkirche.DresdenEin Abstecher, nochmals nach Tschechien auf freier Bahn für freie Bürger, cz 2und wieder ins Vogtland. Wieder völlig unnötig herumgekurvt und doch tat es so gut! Fremde Baustile gesehen, Häuser aller Art in verschiedenen Farben, ein Nutria kreuzte unseren Weg, fremde Getränke, fremdes Essen. Die Weite und der Platz im Osten. Erleben und Leben.

Wir trennen uns an einer beliebig ausgewählten Tankstelle und schalten unsere Navis auf die Heimadresse um. Für mich 370 km. Für Mario 340 km. Das kann kein Zufall sein. Es hat einfach gepasst. Die Tour, das zusammen Kurven geniessen und die Fremde – im Regen und ohne.

Auf ein Smørrebrød nach Kopenhagen

FullSizeRender (7)

Auf dem Weg zur Unterkunft in Kopenhagen überlegen wir uns – mal wieder – wie viel Zeit man verbraucht um mal schnell wohin zu fliegen.

6,2 Stunden von Haustür zu Haustür mit gerade einmal 1,5 Stunden Flug dazwischen. Die öffentlichen Verkehrsmittel in Deutschland? Das übliche Desaster. S-Bahn-Haltestelle wegen Bauarbeiten eliminiert, Ersatzbus kommt irgendwann und der geplante S-Bahn-Anschluss ist damit weg. Ellbogencheck beim Einstieg, Mülleimer quillt über, Flegel lümmeln mit den Schuhen auf den Sitzen. Ellenlange Schlange am Check-In-Schalter, bewegungslos. Flugverspätung? Natürlich – 40 Minuten.

Ankunft in Kopenhagen: Ein sich selbst erklärender Ticketautomat! Die Metro fährt im maximal 5 Minuten-Takt. Sauber. Nicht überfüllt. Freundliches Personal weist an. Zum Rückflug kurz an den Self-Check-In, nach 1,5 Minuten Bordkarte in der Hand. Pünktlicher Abflug.

Naja. Ohne weitere Worte… Deswegen reist man ja – um anderes zu erleben.

Kopenhagen also! Mein erster (? Irgendwie habe ich tief im Unterbewusstsein das Gefühl als kleine Gör hier schon mal gewesen zu sein…) Besuch in der Stadt der kleinen Meerjungfrau. Den ersten Abend verbringen wir gleich mit einem indischen Smørrebrød am Strand von Amager in unmittelbarer Nähe zu unserer einfachen Unterkunft, stecken die Füsse in den Sand und atmen tiiiief durch. Herrlich, die gute Luft an der Ostsee.

Der zweite Tag gehört wieder angenehmen Metroreisen und einer 2-stündigen geführten Segway-Tour, bei der wir die Stadt kennenlernen und gute Informationen mitgeteilt bekommen. Eine echte Empfehlung!

Wir stehen vor den Wohnhäusern der Königin und des Kronprinzen, wohnhaft mitten in der Stadt, volksnah. Wir lichten The little Mermaid ab (natürlich!) und düsen die Kais entlang. Bei strahlend blauem Himmel spazieren wir später durch die Stadt und geniessen lockeren Umgang und völlig entspannten Trubel. Super angenehme Stadt!

Eine Kanalfahrt ist ein weiteres Muss. Lernt man so doch die Stadt vom Wasser aus kennen. Gemächlich fahren die Sightseeingboote dahin, in verschiedenen Sprachen wird man unterwegs informiert. Unter den Brücken muss man den Kopf einziehen und ich staune über all diese Kairestaurants und –kneipen. Das Wetter ist prima und ganz Kopenhagen ist draußen und genehmigt sich mit lachenden Freunden einen Wein. Ein Muss ist die Street food Halle Papirøen. Ein feste Institution unter Dach mit Fressständen aus allen Teilen der Welt.

An den Tagen 3-4 machen wir es wie die Kopenhagener und fahren Rad. Sehr zu empfehlen ist dazu beCopenhagen.dk rent a bike. Freundlich, super Räder.

Die Radwege sind ein Traum. Meist kann man 2-spurig radeln. Die Langsamen rechts, die Flotten ziehen links vorbei, eigene Ampeln, überall vorhandene eigene Wege. In Kopenhagen gibt es statistisch 2 Räder pro Einwohner und dafür ist die grüne Stadt ausgelegt und vorbereitet. Autostaus? Fehlanzeige. Alles und jeder fährt Rad. Der Hund, wahlweise Ehefrau, Kinder, Lasten, Einkäufe werden auf dem Rad vorne in einer Box transportiert. Topfeben radelt es sich mühelos mit 2 Gängen dahin. Wir radeln am Amagerstrand entlang, lockeres Treiben, am Flughafen entlang (woe in der Einflugzone stehen wir direkt unter dem hereinkommenden Fliegern, wie im Film) und weiter, um nach 10 Kilometern Dragør zu erreichen – bei steifem Gegenwind, rückwärts nach kurzem Regenschauer windlos. Ein Dorf wie aus dem Museum, aber es ist echt. Das ganze Dorf blüht, ockerfarbene romantische Häuser, der Hafen mit seinen Cafes, Yachten, Fischerbooten weist auf Uuuurlaub hin. Hier bin ich richtig! Bin ich doch neugierig, aber in meinem Herzen kein Großstädter. Keine Minute Kopenhagen will ich missen von dieser Reise, aber im Kopf lebt der lange Strand, die ruhig da liegende Ostsee und der nette Ort Dragør.

Verpflegung: Wir geniessen jeden Tag unser ‚Bolle med Ost‘ (belegtes Käsebrötchen) in einem kleinen Cafe um die Ecke und beobachten die Leute fernab von Touristen. Wir schnabulieren täglich 1-2 Eis und/oder belgische Waffeln in Nyhaven und mampfen abends einen selbst zusammengestellten Bagel von der netten Türkin im besten Englisch ‚well prepared‘, von einem der unzähligen leckeren Imbisse kann man sich wunderbar preislich vertretbar verpflegen. Alles ist teuer, aber man muss ja nicht morgens/mittags/abends ins Restaurant.

IMG_1742IMG_1783IMG_1768IMG_1754IMG_1804IMG_1795IMG_1788IMG_1787IMG_1762IMG_1760

Paris im Schlendergang

Galerie

Diese Galerie enthält 11 Fotos.

Wenige Stunden im Zug und wir steigen stressfrei mitten in Paris aus und schlendern los, so in etwa Richtung Unterkunft. An einem Straßencafé nehmen wir einen Café creme und beobachten die auf und abziehende Menschenschar. Der Schwarze mit seiner kleinen … Weiterlesen

Italien Süd nach Nord

Es gibt viele Eindrücke im Süden Italiens. Die Küste, die Strände, der Blick von Tropea und seiner malerischen Altstadt auf den Stromboli. Wie er da mitten im Meer Lava von sich gibt. Dann die Amalfiküste. Wow entweicht mir bei manch einem Blick von der Straße hinab oder hinüber in die nächste Kurve. Jedoch ist der Verkehr die Hölle und ein Anhalten, um gar ein Foto zu wagen, kommt einem Suizidversuch gleich, würde man doch beim Knipsen mindestens dreimal überfahren werden. So steigen wir gleich nach Amalfi, an dem 2 Kreuzfahrtschiffe ankern und ihre Passagiere abgesetzt haben, aus der Küste aus und verlassen sie, trotzdem tief beeindruckt, ins Hinterland. 

Pompei ist das Ziel. Fürchterliche typische Randgebiete führen in die schöne Innenstadt und die 79 n.Chr. vom Vesuv verschüttete Stadt in der heutigen Stadt Pompei lebt beim Durchwandern neu auf. Sehr interessant! Am nächsten Tag brausen wir hinauf auf den Vesuv. Schauen, wenig beeindruckt, und setzen die Fahrt fort.

In Stiffe besuchen wir die Grotte mit bis zu 20 Meter hohen Wasserfällen 350 Meter waagrecht in der Erde und weiter geht es nach Norden in die Abruzzen. Auf der Hochebene Gran Sasso meine ich den schönsten Moment meines Motorradfahrerlebens erreicht zu haben. Tiefenbeeindruckt, hingerissen erstreckt sich die menschenleere Ebene endlos dahin. Wolken fließen in die Ebene und beim darin Eintauchen dämpft es den Motor und Frieden breitet sich in mir aus. Jeden Blick möchte ich festhalten und weiß es gelingt eh nur im Kopf und ich sauge diese auch mit Tibet verglichene Hochebene auf.

Dann am Abend nach L’Aquila. Huh, will ich kaum nach Klein-Tibet erwähnen. Hier war 2009 das schwere Erdbeben. Noch immer wird die ganze Stadt von Stahlträgern, Gerüsten aus jedem Material, Spanngurten und Stahlseilen zusammengehalten. Kaum ein Haus, eine Fassade, ist wieder aufgebaut, renoviert, den Bewohnern zugänglich gemacht. Wie unvorstellbar ist es, dass die Region plötzlich – ohne in irgendeinen Krieg verwickelt zu sein – Haus, Familie, Freund, Lebensgrundlage verloren hat. Am Tag davor wunderten wir uns noch über die vielen „Ferienhäuser“ in den umliegenden Ortschaften, bis uns dämmerte, dass es schnell hochgezogene Häuschen waren, die den aus den Altstädten vertriebenen Menschen ein neues Dach über dem Kopf geben. Gruselig die ausgebeinten abgestützen Häuser und doch wird es in ein paar Jahren wunderschön werden. Neues altes.

Palermo Richtung Stiefel 

Palermo. Die Fähre hat uns an Land gespült. Am Tag darauf kämpfen wir uns einmal hinaus aus der Stadt und am Abend wieder hinein und lernen… Rote Ampeln, Helmpflicht, Zebrastreifen, Geschwindigkeitsangaben, Vorfahrtstrassen, sind höchstens als Vorschläge anzusehen. Die kleinste Unsicherheit, wie ein Blick auf einen Wegweiser oder gar das Anschauen eines Hauses, Palastes, historischen Straßenzuges, wird als Schwäche erkannt und Roller wie Autos pfeifen links und rechts an einem vorbei. Wie durch ein Wunder kommen wir kratzerlos durch Palermo und auch künftig durch Sizilien und den ganzen italienischen Stiefel hoch. Anpassen, mitschwimmen, keine Regeln kennen. Sizilien als Motorradbesuchsland? Eher nicht. Das Hinterland abseits der Städte ist schön, die Straßen winden sich durch alle Ockertöne und den grüner werdenden Osten, aber die Straßen sind großteils schlecht, aufgeworfen, von der Hitze glattgefahren. Ein Bad im angenehm temperierten herrlichblauen Meer kühlt uns kurz ab und wir sind wieder auf Strecke.

Der Abstecher auf den Ätna ist einen Umweg wert. Spektakulär erhebt er sich schwarz und rauh und man fühlt förmlich die Erde unter einem kochen.

Die Fahrt nach Messina auf die Fähre zum Festland versuchen wir erst im Landesinneren auf „schöner“ Strasse und wechseln dann leicht entnervt auf die Küstenautobahn. Sizilien hat gefühlt endlos lange Vororte und die Müllabfuhr sollte irgendwie anders organisiert werden.

Cuba libre?

Spannend, interessant, misstrauisch, beängstigend, hoffend, … es gibt viele Gefühlsregungen, die ich habe, wenn ich die sich ändernde Situation in Kuba mit verfolge.

Da kommt der Kerry vorbei und schaut mal nach der Lage, dann kommt der Obama vorbei und dann kommen alle US-Bürger und schauen mal.

Ist es gut, ist es schlecht?

Ich habe meinen guten Freund Rafael gefragt, wohnhaft in Cuba. Ich habe ganz vorsichtig gefragt, weil wer weiß wer alles unseren E-Mail-Verkehr mitliest und er soll ja keine Ärger bekommen.

Ich wusste auch nicht, ob bei ihm, weit weg von La Habana alles bekannt ist was läuft.

„Esta conocido que el Señor Kerry de los Estados Unidos estaba en Cuba y se abren la embajada en La Habana? Esta un desarollo interesante en los ultimos meses y estaria interesante para mi que piensan los cubanos sobre todo eso. Hay solo pensamientos buenos o miedos tambien?“

Ist es bekannt, dass Herr Kerry aus den USA in Cuba war und sie die Botschaft in Havanna wieder eröffnen? Es ist eine interessante Entwicklung in den letzten Monaten und für mich ist es mehr interessant was die Kubaner über all das denken.

Seine Antwort:

„Los cubanos estamos optimistas con la visita de Obama a Cuba pues la situación esta cada vez mas difícil y el turismo separando las recien formadas clases sociales.“

Die Kubaner sind optimistisch über den Besuch von Obama in Kuba, da die Situation mehr und mehr schwierig ist und der Tourismus die sozialen Klassen noch verstärkt.

Und dann im ADAC-Heft ein 5-seitiger Bericht, wie toll es in Kuba ist. Die große Freiheit und der Bericht schließt ab mit den Worten „Noch sieht es zum Glück beinahe so aus wie das alte.“

Der Bericht – wie in x anderen Berichten in anderen Heften auch – führt doch dazu, dass es bald nicht mehr so aussieht. Das Arm-Reich-Gefälle wird größer. Der Einheitsbrei mit anderen Touristeninseln entsteht, die Patina der Jahre wird von den Häusern gestrichen. Kaffeeketten und MacD werden an jeder Ecke stehen und die Armen werden noch armseliger erscheinen und sein.

Oh, mein Kuba, wo bleibst Du? Ist alles gut für Dich? Wird es besser für Freund Rafael und Mama Pupa oder noch schlechter? Wie gerne würde ich hinfahren und alles vor Ort erleben und erfragen.