Cuba libre?

Spannend, interessant, misstrauisch, beängstigend, hoffend, … es gibt viele Gefühlsregungen, die ich habe, wenn ich die sich ändernde Situation in Kuba mit verfolge.

Da kommt der Kerry vorbei und schaut mal nach der Lage, dann kommt der Obama vorbei und dann kommen alle US-Bürger und schauen mal.

Ist es gut, ist es schlecht?

Ich habe meinen guten Freund Rafael gefragt, wohnhaft in Cuba. Ich habe ganz vorsichtig gefragt, weil wer weiß wer alles unseren E-Mail-Verkehr mitliest und er soll ja keine Ärger bekommen.

Ich wusste auch nicht, ob bei ihm, weit weg von La Habana alles bekannt ist was läuft.

„Esta conocido que el Señor Kerry de los Estados Unidos estaba en Cuba y se abren la embajada en La Habana? Esta un desarollo interesante en los ultimos meses y estaria interesante para mi que piensan los cubanos sobre todo eso. Hay solo pensamientos buenos o miedos tambien?“

Ist es bekannt, dass Herr Kerry aus den USA in Cuba war und sie die Botschaft in Havanna wieder eröffnen? Es ist eine interessante Entwicklung in den letzten Monaten und für mich ist es mehr interessant was die Kubaner über all das denken.

Seine Antwort:

„Los cubanos estamos optimistas con la visita de Obama a Cuba pues la situación esta cada vez mas difícil y el turismo separando las recien formadas clases sociales.“

Die Kubaner sind optimistisch über den Besuch von Obama in Kuba, da die Situation mehr und mehr schwierig ist und der Tourismus die sozialen Klassen noch verstärkt.

Und dann im ADAC-Heft ein 5-seitiger Bericht, wie toll es in Kuba ist. Die große Freiheit und der Bericht schließt ab mit den Worten „Noch sieht es zum Glück beinahe so aus wie das alte.“

Der Bericht – wie in x anderen Berichten in anderen Heften auch – führt doch dazu, dass es bald nicht mehr so aussieht. Das Arm-Reich-Gefälle wird größer. Der Einheitsbrei mit anderen Touristeninseln entsteht, die Patina der Jahre wird von den Häusern gestrichen. Kaffeeketten und MacD werden an jeder Ecke stehen und die Armen werden noch armseliger erscheinen und sein.

Oh, mein Kuba, wo bleibst Du? Ist alles gut für Dich? Wird es besser für Freund Rafael und Mama Pupa oder noch schlechter? Wie gerne würde ich hinfahren und alles vor Ort erleben und erfragen.

die Reise eines Videos – Grenzgeschichten

Irgendwie ist es ein paar Worte wert. Die Reise eines Videos.

Einst ging ein lieber Freund von mir zurück nach Kuba. Er nahm eine Videokamera mit. Sony, Handschlaufe, Klappbildschirm. Er drehte zu Hause ein paar Videos und verdiente damit ein paar CUC. Bis zwei Schräubchen herausfielen. Aus. So lag die Kamera. Monate. Bis eine vertrauenswürdige Person nach Kuba kam und er gab die Kamera ihm mit. Die kaputtene Kamera reiste mit einem Brief und einer Zwischenstation zu mir. Er schrieb, dass hier die Kamera ist und falls ich eine Möglichkeit finde die Kamera zu reparieren kann ich ja damit tun was ich will. So lag sie bei mir. Monate. Bis ein weiterer Freund seine Reise nach Kuba ankündigte. Schnell lies ich die Kamera reparieren, war nicht günstig, und gab sie mit. So reiste sie ein zweites Mal durch die für Kubaner harten Grenzformalitäten auf die Insel. Mein Freund freute sich riesig und filmte alles und jeden. Monate vergingen. Einer seiner Freunde besuchte Kuba und brachte einen USB-Stick ins Land. Die Videos landeten von der Kamera auf dem USB-Stick und wurden später auf ein Laptop überspielt. Das Laptop reiste wieder nach Deutschland. Die Videos wurden auf eine CD gebrannt und kamen zu mir. Die CD war nicht lesbar und wanderte zu einem Freund. Der überspielte sie auf einen USB-Stick, dieser fuhr mit mir nach Hause. Vom USB-Stick auf den Rechner. Vom Rechner in YouTube.

Me alegro! Un vídeo de mi amigo, aquí para Ustedes. La amistad vive, para siempre. Y me da nostalgia a la isla. La amistad, la música y andan en busca de Malanga. La vida en Cuba, como la conozco.

Ich freue mich! Ein Video meines Freundes, hier für Euch. Freundschaft lebt, für immer. Und es macht Sehnsucht nach der Insel. Die Freundschaft, die Musik und die Suche nach Malanga, einer Art Süßkartoffel. Das Leben in Kuba, wie ich es kenne.

Comida cubana

Comida cubana en mi piso: Malanga, Boniato, zanahorias, guisante, judia verde en salsa de cilantro. Hmmmmmmmm. Viva la isla!

Mein kubanisches Rezept des Tages:
Wurzel Malanga schälen und klein schneiden
Knollen Boniato schälen und klein schneiden
Beides zusammen in Salzwasser kochen
Karotten, Erbsen und grüne Bohnen (jaja, aus der Dose für Faule) kochen
Mehl in Butter anschwitzen, mit Gemüsebrühe und Koriander* ablöschen und eine sämige Sosse machen

Dazu: Spanischer Rotwein Mas Saura 2004 aus dem Priorat, einfach zum nach dem Essen weitergeniesen. Purer Genuss.

Jep!

* Auf den Kapverden habe ich gelernt, dass gemahlener Koriander einen völlig anderen Geschmack hat als frischer. Hier kam gemahlener zum Einsatz.
Der Hammer zum Frühstück: Rührei mit frischem Koriander. Kapverden live!

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Eine Frage der Aufmerksamkeit

Immer wieder verblüffend. Die Menschen hier haben ein ganz anderes Verständnis miteinander umzugehen. Zu jedem Zeitpunkt besucht man sich, auch mehrmals täglich, sitzt zusammen. Familie, Freunde, Bekannte. Tauscht sich aus, tauscht Waren aus, kauft hier und da, macht Handarbeit zusammen.
Es gibt immer viele Stimmen in der Strasse aus allen Richtungen, Autos fahren vorbei, Kinder krakelen und dazwischen ist eine Stimme, die irgendetwas sagt und Alexis oder Eda oder Bucha hier im Haus wissen, dass genau diese Stimme mit ihnen spricht und sie antworten aus 5 Meter Entfernung ohne aufzusehen und ohne die Stimme zu erheben.
Es ist eine Frage der Aufmerksamkeit, die wir nicht mehr haben. Uns muss man gezielt und gegenüber stehend, möglichst mit Namen ansprechen, damit wir merken, dass es uns gilt.
Hier hört man zu. Hier nimmt man teil. Das heisst sicher nicht, dass es tiefgreifend wird/ist. Aber man kennt sich, hat mit jedem eine kleine Geschichte.
Hier werde ich auf der Strasse angesprochen, wie meine Tanzstunde war und ich bin verblüfft, wie derjenige das wissen kann. Man fragt mich nach meinem Kumpel Rafael und wie es am Aussichtspunkt war, man hat mich laufen gesehen. Es ist eine sehr schöne Art der Überwachung. Ich nenne es Aufmerksamkeit. Natürlich weiss ich, dass das ist wie es ist, weil ich Touristin bin. Aber man kann dies ja auch mal vergessen.
Vielleicht ist es kein Zufall, dass Achtung und Aufmerksamkeit hier „atención“ heisst und ein Wort ist. Und Achtung hat wiederum die Bedeutung achten. Den anderen achten.

Baracoa, la loma

Ich verlasse das Zentrum und den langen Malecon in Richtung Süden und laufe am Stadion vorbei und am Strand entlang. Es ist kein Strand zum Liegen oder Baden. Es heisst es sei gefährlich, da auch grössere Fische unterwegs sind, hier direkt am offenen Meer. Doch Laufen kann man schön und den Sand zwischen den Zehen spüren und lustvoll um die Kokosnussschalen hüpfen. Zusätzlich führt ein Weg hinter der ersten Buschreihe zum nächsten Ort. Ein Fischerort, zu erreichen über einen Holzsteg. In meinem Fall war dieser eingebrochen und einer der Fischer eröffnete ein Fährgeschäft und stochert wie ein Gondolero den ganzen Tag hin und her. In dem kleinen Holzboot werden so die Schulkinder, Fahrräder, Lasten und Passanten aller Art für 1 Peso übergesetzt.
Der kleine Fischerort Boca de Miel endet an einem Grenzhäuschen und der Tourist kann entscheiden, ob er mit oder ohne Guide nach links zum Playa Blanca (1,5 Quadratmeter gross) für 2 CUC oder nach rechts bergauf für 3 CUC zum Mirador weiterläuft. Wir sind wegen der Aussicht hier und wandern bergauf.
Der Mirador ist auf Privatgelände und ein schmaler Trampelpfad führt durch Kokos- und Bananenanbau. Ein altes Männchen begleitet uns. Der Aussichtspunkt ist umwerfend! Baracoa, der Fischerort, das Meer liegt unter uns. El Yunque, der nicht aus Eisen ist, grüsst und die Frau, die nicht schläft – 2 der Lügen 🙂 über Baracoa, wie es heisst.
Gefühlt schaue ich bis zum Playa Maguana und will gar nicht mehr weg. Das Männchen erzählt über eine Spechtart, die Löcher wie mit der Perlenschnur gezogen in Kokospalmen picken um Insekten herauszuholen. Rafael und er reden über den Krieg in Angola und über die Ungerechtigkeit, dass die Eigentümer dieses Aussichtspunktes keinen Centavo von dem Eintrittsgeld sehen. Wir kehren zurück, trinken noch einen fantastischen Kaffee auf der Veranda, lernen dass Hühner an den Blüten von Mango und Avocado sterben und halten Smalltalk mit der ganzen Familie, auch ein Hundertjähriger sitzt dabei, ein bisschen gebrechlich, aber klar im Kopf folgt er der Unterhaltung und lächelt mich an.
Ich lasse einen CUC da und wir kehren zufrieden zurück nach Baracoa. Ein Ausflug von gemütlichen 4 Stunden.
Der kleine Ort ist auch von der Hauptstrasse aus erreichbar.

Zum Strassenbild gehörend

Uuuuh. Ich verliere Zeit und Raum. Das Hausmädchen sagt mir heute, dass sie die Bettlaken wechselt. Jeden dritten Tag. D.h. ich bin 7 Tage hier in Baracoa?!
Die Tage fliegen dahin. Ich mache ein bisschen Nichts und ein bisschen Wenig. An einem Tag radelte ich mit Marco, einem Italiano, zum Playa Maguana. 22 Kilometer und wir lachten 2 Tage, wie ihm der Hintern weh tat und dass es Geschäfte gibt, die gebrauchte Hintern – mit etwas Glück auch neue Hintern – verkauft. Man muss aber aufpassen mit der Farbe *lach*.
Marco aus Süditalien. Mitte 40. Er arbeitet 4 Monate und reist dann mindestens 6 Monate, meist länger, bis zu 14 Monate, in der ganzen Welt. Er besitzt nichts ausser seinem Rucksack. Ein Weltenwanderer. So lebt er schon 12 Jahre. Alle 2 Jahre ist er „zu Hause“ in Italien. Wow, was für Menschen. Welch Mut, und Treue zur Einsamkeit.

Ein Tag verbrachte ich lesend im Bett. Ein Tag wollte ich ins Internetcafe und vergas meinen Plan. Heute ist wieder ungeplant und kann einfach vergehen. Jeden Abend und oft am Nachmittag zum eigenes Filmchen bin ich in der Casa de la Trova und höre Musik, tanze, lache über die Witze und Sprüche des Ansagers, die jeden Abend gleich sind und vor 6 Jahren auch schon so waren. Inzwischen kennt man mich, irgendwie, länger als 3 Tage da und schon Institution.
Reiter mit Strohhüten klappern mit ihren Pferden durch die Strasse – Campesinos, eine junge Frau sitzt auf der Armlehne des Schaukelstuhls auf der Veranda und streichelt ihrem Papa dabei übers Haar, ein Bicitaxi radelt vorbei und sucht neue Fahrgäste, ein junges Mädchen schmiegt sich auf der Radmittelstange an den der radelt, eine Pferdekutsche bringt lauthals Tomaten, ein Strassenhändler bringt Gebäck in einem rostigen Gefäss – lecker so ein süsses Stückchen zwischendurch probiert.
Heute morgen den Sonnenaufgang am Malecon erlebt. Barfuss die Steine gefühlt und einem Cangrejo auf dem Weg in den trockenen Tod ausgewichen.
Den Homosexuellen des Ortes kennengelernt – Küsschen.
Sowie den Kräuterdoktor El Cabellero – Autodiktat, auffallend mit buntem Strohhut. Er hat immer einen grossen Sack dabei aus dem Wurzeln und Kräuter schauen und hat für jedes Wehweh das richtige Rezept und eine Geschichte. Angenehm ihm zuzuhören.
Die 2 Rapper des Ortes dichten ein Lied auf dem Rückweg von El Ranchon, Disco. Der Punk des Ortes, rechts lies der Friseur „Cuba“ stehen und links einen Walfisch, freut sich immer mich zu sehen und schmarotzt ein Bier, welches er mir mit einer frisch geklauten Blume bezahlt. Like it.
Ist all das nicht mehr Kultur als ins Museum zu gehen?

La Farola

Verlässt man Baracoa Richtung Guantanamo kommt man automatisch zum Pass La Farola. Eine tolle Strecke. Spass pur. Gut, der Kubaner kotzt in aller Regelmässigkeit, ich als Süddeutsche geniese es durch die Kurven zu brausen. In Schweizeralpenkurven windet sich die Strasse mit ganz ordentlichem Belag hinauf und hinunter.

Unterwegs kann man jedes erdenkliche Obst und Gemüse kaufen und Schokolade, Süssspeisen in Bananenblatt und frische Kokosnuss geraspelt in gerollten Naturtüten, Cucuruchos, lecker. Das bedeutet es, dass die Gesetze den privaten Handel geöffnet haben. Aber es tut mir als Touristin leid, dass ich nicht überall kaufen kann und nichts benötige.
La Farola. Eine Tour wert. Am Besten bis hinunter an die Playa von Imías. 57 km Spass mit schönen Aussichten. Wenn es in Baracoa regnet, brennt hier die Sonne.
Abends zurück in Baracoa. Samstagnacht. Salsa in der Casa de la Trova mit den Alten des Ortes. Danach schallt die Musik in der Freiluftdisco La Teraza durch den ganzen Ort. Um 1:50 a.m. verstummt die Musik und ich versuche mich mit Schlafen. Discomusik klingelt in meinen Ohren. Samstag ist keine Nacht für den „frühen“ Schlaf. Macht nichts, um 5 fangen schon die Hühner an und um 6 spätestens das Strassenleben. Ein neuer Tag erwacht.