Namibia war und wird wieder sein

Mit einer (für mich) Jahrhundertgrippe ging es los zum Flughafen. Bis 15 Uhr habe ich mich durch die Arbeitswoche geschleppt mit täglich steigenden Krankheitssymptomen. Dann sprach ich gut 30 Stunden nicht mehr und konnte nur unter Höllenschmerzen schlucken, die Nacht im Flugzeug gehörte meinem Wispern nach Tee und halbtoter Döserei.

Ankunft nach Stopp over in Johannesburg/SA: Windhoek/Namibia leidet offenbar an Personalmangel und so dauerte unser Ankommen zwischen vor und nach der Flughafenpasskontrolle 1,7 Stunden und weitere 50 Minuten bis wir unseren reservierten Mietwagen hatten. Zäh. Der Nachmittag war also bereits fortgeschritten und wir waren … nun … knapp hinter dem Zeitplan. Wir hatten 366 km vor uns und erkannten kurz hinter Windhoek, dass die nächsten ca. 290 km nicht asphaltiert sind, da wir guter Dinge die vermeintliche Hauptroute C28 einschlugen. Nach 140 km Schotterpiste dämmerte es und wir mussten erkennen, dass wir die „letzten“ 150 km nach Swakopmund nicht schaffen – ohne uns echten Gefahren auszusetzen, sprich schlechte Straßen mit in der Nacht nicht sichtbaren Stolpersteinen/Schlaglöchern, Tieren auf der Fahrbahn, Verdursten. Wir fuhren mit 0,5 Liter Wasser los, welches kurz nach Windhoek noch aus einem Schluck bestand.

Wir fuhren also ab nach Karibib zur, in der Karte eingezeichneten, nächsten Tankstelle, mit hoffentlich einem Shop. 90 km statt 150 km bis zur nächsten Zivilisation. Angesichts unseres nichtflotten Fortkommens die einzige Option um „schnell“ an Asphalt und Wasser zu kommen. Wir sind also wahrlich angekommen im zweitdünnstbesiedelsten Land der Erde mit ca. 10 % asphaltierten Straßen und der Gefahr zu verdursten. Anfänger! Pure Anfänger!

Um 22:30 Uhr waren wir in unserem Guesthouse in Swakopmund – nach 7 Stunden statt nach 4. Überlebt.

Der nächste Tag gehörte meiner Erkältung, kleinen Spaziergängen, Meerblick und einer Fahrt nach Walvis Bay, die sich, außer dass man die Dünen sieht (und das ist beeindruckend, wie zwischen den Orten die unendliche Trockenheit herrscht), zumindest auf die Schnelle, nicht lohnt.

Am nächsten Morgen fahren wir zurück nach Windhoek, geben den Mietwagen ab, besteigen ein Taxi und lassen uns zur Lodge von Ralf fahren und treffen eine Gruppe, die mit den Hufen scharrt, die Motorräder für die erste Runde zu besteigen. Wir haben eine Gruppenreise zum Endurofahren gebucht.

Nun, was soll ich sagen, ich bin krank, lasse mir nichts anmerken, huste verstohlen, und habe die Hosen voller Angst Schotterwege, Sandlöcher und Wellblechpisten zu bestehen. Außer 3 Kursen, verteilt auf 6 Jahre, habe ich nie wirklich Gelände befahren… Natürlich lasse ich das niemanden wissen… Nun, die Einführungsrunde von 95 km schaffe ich locker. Nur eine tiefe und mehrere Meter lange Tiefsandgrube nehme ich erst zu schnell, dann zu langsam, verliere dadurch die Spurrille und lege das Motorrad im Stand 2x sachte ab. Ich bin über meine Fahrtechnik der restlichen Untergründe bester Dinge und  freue mich auf die nächsten 10 Fahrtage mit je 120 bis 330 Kilometern.

Diese führen uns erst über den asphaltierten Highway nach Wilhelmstal. Ab da sehen wir nur noch selten Asphalt, dafür Schotter aller Art, Größe, Farbe. Lehmpisten, Wasserlöcher und Furten. Ungeplant wird Namibia ein paar Mal am Nachmittag und/oder Abend mit Regen überrascht. Starkregen. Doch so hinterher betrachtet waren es genau diese schlechten Straßenverhältnisse, die jeden Tag so spannend machten *Lach*.

An jedem Nachmittag treffen wir auf einer anderen Lodge ein, staunen unterwegs über die Schönheit der Landschaft, die Aussicht über 100 und mehr Kilometer Landschaft, Berge, Büsche. Die Weite lässt einen fast schwindelig werden. Manchmal fahre ich in einem Flow, wo mir fast die Tränen kommen am Abend wieder auf Zivilisation stoßen zu müssen. Auf den Lodges wird man dann so freundlich empfangen, die Zimmer sind durchweg heimelig und schön, in unglaublich toller Lage und das Essen durchweg ausgezeichnet, dass die Freude anzukommen doch so groß ist, wie die Freude zu fahren und zusammen alleine zu sein.

Ich freue mich am Abend auf die Herausforderungen des nächsten Tages und morgens habe ich die Hosen voll, was es heute für Unwägbarkeiten zu bestehen gilt.

Wir sehen in freier Wildbahn Giraffen, Pavianhorden, verschiedene Antilopen (Impala, Springbock, Oryx, Gnu, Kudu), Klippschliefer, Felsenratten, Warzenschweine, Geier, Strauße, Kraniche, Steinböckchen, Echsen, Geckos, Schildkröten. Beeindruckend! Irgendwie wow! Irgendwie gottseidank sehen wir keine Raubtiere. Irgendwie sind wir aber froh überhaupt so viel gesehen zu haben, da wohl seit 6 Jahren Dürre herrscht und die lieben Tiere sich in wasserreichere Gegenden verziehen. Ein echtes Problem für die Safari-Lodge-Besitzer (und die Raubtiere).

Wir treffen auf verschiedene Volksstämme, die Herero in wilhelminischer Tracht, die Damara, die Himba, rot belehmt, die Nama. 11 Völker prägen Namibia, leider kann ich sie natürlich nicht auseinander halten. Durch die sehr sehr dünne Besiedelung hat man leider eigentlich nur an Tankstellen und in den Hotels „Kontakt“. Leute und Kultur steht auf dieser Namibia-Reise nicht im Vordergrund, sondern die Weite der Landschaften und das Brummen der XT 660 R.

Irgendwann haben wir den letzten Tag erreicht, ein letztes Abhängen auf der Lodge von Ralf, ein Grillabend, eine Traurigkeit macht sich breit. Die Gruppe netter Menschen reist nach Hause, ich werde vom Chef Ralf mit einem „Well Done“ verabschiedet und darf wieder einmal teilnehmen – was einem großen Lob gleichkommt, war ich doch ab Tag 2,5 die einzige Frau in der motorradfahrenden Gruppe. Nie habe ich gezickt, Fröhlichkeit war mein Begleiter und meine offenbare Begeisterung für das Land, haben auch Ralf imponiert. Weitere 2 Damen waren eigentlich Bestandteil der Gruppe und mussten erkennen, dass sie den Straßenverhältnissen nicht gewachsen waren. Sie begleiteten uns die restliche Reise in einem Geländewagen.

Wir bleiben noch 2 Tage im Land und schauen uns Windhoek an. Nun, interessant, aber 2 Tagen sind mehr als ausreichend. Ein unspektakuläres Städtchen, aber nett. Wir lassen uns noch nach und durch Katutura kutschieren, entstanden unter dem Apartheidsregime zur Absonderung der schwarzen Bevölkerung und auch heute noch das arme Viertel, in das jeder zieht und bleibt, der mit mäßigem Erfolg nach Windhoek kommt – auf der Suche nach einem Einkommen.

Die Heimreise steht an mit 1000 Bildern über verschiedene Farben Sand im Kopf und der Gedanke wieder zu kommen.

Advertisements