Latina America/Honduras 2001 – Teil 2

Copán Ruinas. Wir sind in einer netten Pension und zahlen 4,90 DM. Das Bad ist ausserhalb des Zimmers. Meine Reisegefährtin ist schon im Bett. Ich schreibe und geniese.
Als wir von der Grenze wegfuhren, war ein ganz ungewöhnliches Raunen und Pfeiffen in der Luft, über allem. Insectos de semana santa, sagte man mir. Macht mich nicht wirklich schlau. Über mir läuft gerade eine Echse, nein zwei, neben mir am Boden sitzt eine Art Grille, fett mit 5 cm langem Körper, die macht vielleicht einen Lärm, beim Fliegen. Insecto de semana santa? Ein Wasserhahn tropft, mein Schaukelstuhl knarrt, Insekten fallen auf mich. Hey, Echsen, macht euren Job. Ich bin froh, für die Nacht mein Moskitonetz zu haben.
Einfach sitzen, vor mich hinschaukeln, dem Tropfen zu hören, dem Zirpen, den Gedanken nachhängen, über das Vermissen und Nichtvermissen, nichts denken, Ruhe und Entspannung.
Internetcafe…. ich bin in grosser Versuchung um Urlaubsverlängerung zu bitten. Carramba. Tränen laufen.
Fernweh in der Ferne
Angst vor dem Alltag
Berichte an zu Hause
Trauer, dass der Urlaub zu Ende gehen wird
Angst vor der Zeit
ein Vermissen
ein gar nicht sehen wollen
29.03. | Kurz vor neun am Abend. Susanne ist wieder im Bett. Heute haben wir die Copán Ruinas angeschaut. Wir nahmen einen guten jungen Führer, der alles toll erklärte. Ein Macho wie er im Buche steht. Nach einer Runde Kultur legte ich mich mitten in den alten Handelsplatz, heutzutage Wiese. Ich schliesse die Augen und stellte mir das Treiben von damals vor. Schwer, man weiss zu wenig. Es wohnten hier sehr viele Menschen, es gab 4 Schichten, viele Priester und alles was getan wurde, hatte religiösen Hintergrund.
Danach ein Aussichtspunkt, nicht lohnenswert.
Später sassen wir am plaza central. Plötzlich marschierten Schwerbewaffnete auf, mit kugelsicheren Westen. Es wurden immer mehr Leute. Kurzum: Wir wurden Zeuge einer Gerichtsverhandlung im Freien. Der Fall: Ein junger Mann aus dem Dorf erschoss im trunkenen Effekt vor 3 Jahren einen Indigena. Er floh in die USA und kam nun zurück und wurde an der Grenze gefasst. Die Verhandlung war im Freien und die Anwälte, Richter, Zeugen, der Mörder liefen hin- und her, um den Fall zu rekonstruieren. Um sie herum Abschrankungen, Presse, Bewaffnete und Neugierige und WIR. Muy interessante. So etwas zu erleben, die Leute zu befragen (so kam ich ja erst zu meinem Wissen, was hier vor sich geht).

Heute sitzt hinter mir ein grosser grüner Heuschreck und im Blumentrog eine Kröte. Ich schätze sie ist ein verzauberter Prinz und bin recht freundlich zu ihr.
Später sägte ich mit dem Schweizer Taschenmesser des Hotelsohnes meine zweite Kokosnuss auf. Nun habe ich also einen vollen Bauch und 2 Schalen mit Deckel, wie geht es damit weiter?
Ich lerne noch ein paar Vokabeln und schlafe. Morgen um 5:05 klingelt der Wecker.
31.03. | Über La Entrada und Santa Rosa de Copán nach Gracias. Im Restaurant Guancascos gibt es Informationen über den Nationalpark Caleque. Am späteren Nachmittag fahren wir auf einem Pickup zum Parkeingang. Dort laufen wir eine halbe Stunde bis zum Visitorcenter. Dieses besteht aus 2 Hütten mit Zimmern und Stockbetten, abseits Toilette und Dusche. Wir sind die Einzigsten und breiten uns aus, spannen die Moskitonetze und gehen zur Frau Nachbarin zum Essen. Eine ganz nette Uralte, die uns ein einfaches leckeres Gericht vorsetzt. Beim allerletzten Dämmerlicht machen wir uns auf und liegen bald in der Koje. Unsere Voräte haben wir natürlich nicht im Bett unterm Moskitonetz und bald fängt es im Zimmer an zu rascheln. Aufstehen und Tüten in Sicherheit bringen. Das war eine Nacht. Es mampft und knuspert. Ausser einer grossen Melone liegt nichts mehr herum. Immer wieder leuchteten wir mit der Taschenlampe durchs Zimmer, konnten nichts entdecken. Die Melone ist im Lichtkegel unangetastet. Vor der Hütte hören wir Tiere und 1000 andere Geräusche. Ein dringender Weg zur Toilette ist unmöglich, hallo, wir sind im Dschungel.
Der nächste Morgen bringt Gewissheit: Die Honigmelone hat auf der Rückseite ein kreisrundes Mauseloch und ist komplett ausgehölt weggevespert. Wir lachen uns schlapp. Die Tiere vor der Tür waren die harmlosen Hunde der Alten, wahrscheinlich hätten sie uns beim Klogang bewacht… gut man weiss es nicht. Zwei Gören im Dschungelcamp…
Um halbsieben gibt es Kaffee mit Banane bei der Nachbarin und wir wandern los. Susanne spricht kein Wort und wir geniesen das Grün und den Trampelpfad. Es ist ein bisschen schwer mit jemanden zu reisen, der alles in sich hineinfrisst, es verunsichert. Auch offenbar schönes wird ausgeschwiegen. Nach anstrengenden 1150 Höhenmetern und 4,5 Stunden pausiert Susanne. Ich verausgabe mich, was mir gut tut, und steige weitere 150 Meter auf. Musste dann aber auch einsehen, dass ich den höchsten Punkt von Honduras – knapp 2900m – aus Zeitgründen nicht schaffe. Ich joggte abwärts durch den Wald, trödelte, sah 2 Quetzalweibchen und eine wunderschöne Echse. 4 Stunden für mich. Bei meiner Ankunft im Camp sagt wir meine Reisegefährtin, sie wolle die zweite geplante Nacht nicht bleiben und wir könnten mit einer Gruppe Nationalparkler ins Dorf fahren. Schade, Ende des Abenteuers. Wollte bei der netten Nachbarin nochmal essen und mit ihr plaudern und das nötige Geld dalassen. Nochmal die Geräusche des Waldes hören, auch wenn es gruselig war. Auch bleibt so die nächste Wanderung von 2 Stunden ins Dorf auf der Strecke. Egal, wir sind ein Team, auch wenn heute kaum 15 Worte gefallen sind. Was fühlt sie? Mache ich etwas falsch? Ich frage und es kommt nichts. Wir kennen uns ewige Zeiten, nie war sie so tot und kalt. Ich muss alles organisieren, das ist schön, das macht stark und selbstbewusst, aber ich will mich auch mal fallen lassen, mich führen lassen. Ich will auch mal das zierliche Mädchen sein, welches ich bin. Ich sehne mich nach starken Armen, Hilfe und Verständnis.
01.04. | Wir sind nach Tela an die Caribicküste gefahren. Am frühen Mittag schlagen wir im Garifuna-Dörfchen Triunfo de la Cruz auf. Sonntag, halb Honduras ist am Strand und davon hat ein Viertel den Sonntagsrausch. Unterkünfte gibt es so gut wie nicht, die leeren sind richtig Pfui. Also sind wir per Anhalter zurück nach Tela. Susanne hatte hier auch eine Adresse einer deutschen Frau von ihrer Vermieterin. Die Adresse war so mies, dass uns keiner der Weg nennen konnte (auch die Post am nächsten Tag hilft uns nicht weiter). Also ins Hotel Mar Azul. Sauber. Günstig. Ich schmeisse mich noch an den Strand, von dem die einheimischen Sonntagsgäste langsam abziehen. Müll hinterlassen sie bis zum Horizont.
Am Abend und ausgiebig am Morgen ein Stadtrundgang. Tolle Gemüse- und Obststände. Ein Laden am anderen und die zündende Idee kommt mir und ich kaufe Schleifpapier für meine Kokosnüsse.
Der Dienstag beschert mir ein neues Schmankerl. Ich mache eine Kajak-Mangrovenwald-Tier-Tour im Parque Izopo, 16$. Susanne geht in einen botanischen Garten. Ich sehe weder Affen noch Alligatoren, und es ist trotzdem superschön und das Einerkajakfahren macht viel Spass. Zwei in der Gruppe kentern und werden ausgiebig ausgelacht. Danach machen wir eine Pause am nun absolut menschenleeren Strand von Triunfo. In der Sonne und in der Hängematte abhängen. Am Abend kaufe ich ein paar Karten, die hässlichsten der Welt, und schreibe ein Wenig Urlaubsgrüsse. Auf dem Markt schiesse ich Fotos und erfahre dabei von einer deutschen Silvia, von einem Rohrzuckerverkäufer, der unbedingt mit seinem Zuckerberg abgelichtet werden will. Am Abend ziehen wir los und fragen uns bis zu Silvia durch und tatsächlich am letzten Ortsende gefunden. Sie ist zu Haus, freut sich, bittet uns herein, richtet gerade Zimmer für Gäste her und ist dabei eine Pension aufzumachen, mit Garten und Bar. Das wird schön.
Am Mittwoch nehmen wir den Schnellbus nach Tegucigalpa. Weiter nach San Marcos. Abends um sechs sind wir da, quasi Honduras längs durchfahren. San Marcos ist ein netter, sauberer, idyllischer Ort. Wir kommen wieder günstig und supereinfach unter, hinter der Ladentheke einer alten Frau, sozusagen. Nennen wir es Privatpension, ein Hotelname existiert nicht. Ich handle auf 5 DM/Nase herunter. Susanne findet es schrecklich. Bad mit Dusche draussen.
Am nächsten Morgen zur Bank und dann zur Hauptstrasse zur Grenze, dachten, da warten wir mal kurz auf ein Taxi oder auf einen vorbeifahrenden Pickup. War nix und wir liefen mit schwerem Gepäck 2 Kilometer. Weichlinge. Dann hält ein Viehlaster. Wir steigen mühseligst über die Seitenwand und von oben in die leere Ladenfläche. Sind wir bekloppt? Kann man so mal kurz entführt oder belästigt werden? Mist. Der könnte überall mit uns hinfahren, wir würden alleine, geschweige denn mit unserem Gepäck, nie mehr rauskommen. Natürlich geht es gut und wir fahren die 10 km bis zur Grenze. Der Fahrer hat seine Freude, will nicht mal Geld und wir haben ein weiteres Abenteuer in der Tasche. Keine Grenzschwierigkeiten. 1,20 DM in Honduras, 7$ in Nicaragua.

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